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Die Wahrheit · 1929-07-12 · Heft 28 (12.7.1929) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 28 (12.7.1929)
Date
1929-07-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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Seite 12 öife WAiri*ri£i1 VhkdamvMlm Jetzt wird's lustig. Wir haben im Leitartikel unserer letzten Nummer die derzeitige Situation in unserem Zionisteniager eingehend beleuchtet und gewiß zur Belustigung unserer Leser aufgezeigt, in welch gehässiger Weise „Die Stimme" über den eigentlichen Sieger bei den zionistischen Kongreß wählen, Ingenieur Robert Stricker, wegen der angeblichen Wahl- Schwindeleien hergefallen ist. Wir haben der Erwartung Ausdruck gegeben, daß Stricker die Antwort nicht schuldig bleiben wird und haben uns darin nicht getäuscht. In einem der letzten Nummer der „Neuen Welt" beigelegten Sonderblatte, das an der Spitze den „Dank an die Kongreßwähler" des „Verbandes demokratischer Zionisten" enthält, wird zwei Drittel dieses so kostbaren Raumes darauf verwendet, über die eigenen Wahlschwindeleien mit wenigen Zeilen hinwegzugehen, dagegen die der offiziellen Zionisten anzuprangern. Und wenn man den von Stricker aufgestellten Behauptungen glauben kann, so hatten die offiziellen Zionisten wahrlich keine Veranlassung, mit der eigenen großen Portion Butter auf dem Kopfe in die Sonne zu gehen. Den Gipfelpunkt der Angriffe stellt wohl die Behauptung dar, daß Wahlprotokolle gefälscht wurden, indem man sie über Wahlen in St. Pölten und Linz abfaßte, wo solche Wahlen — überhaupt nicht stattfanden. Es werden in diesem Zusammenhange die Namen unserer „bedeutendsten" offiziellen Zionisten genannt, die wahrscheinlich wiederum eine Entgegnung vornehmen werden. Dagegen ist „Die Stimme" diesmal auffällig ruhig, sie hat anscheinend nach dem Bombenangriff in ihrer letzten Nummer ihr bißchen Pulver verschossen und erklärt deshalb, „daß es nicht ihre publizistische Aufgabe sein kann, die zionistische Oeffentlichkeit mit diesen unerquicklichen Begleiterscheinungen der letzten Kongreßwahlen zu behelligen". (Vor einer Woche mußte sich die arme zionistische Oeffentlichkeit diese Behelligung, bei der der „Stimme" ein ihr sehr unangenehmer Ausfall gegen die Ratenhändler unterlaufen ist, gefallen lassen.) In diesmal vornehmer Zurückhaltung beschränkt sich also die „Stimme" auf Wiedergabe — nicht der Wahlziffern, deren Veröffentlichung wäre ihrer Partei schädlich — sondern des Wahlresultates, wie es die „Hauptwahlkommission für die Kongreßwahlen in Oesterreich" mitteilt. Nach dieser Mitteilung erhält die Friedmann-Liste ein Mandat, Poale-Zion eines und die Stricker-Liste auch nur eines. Die „Neue Welt" aber weiß in der gleichen Woche zu berichten, daß Stricker zwei jVLandate, die gekoppelten Listen Dr. Friedmann—Poale-Zion dagegen nur eines erhalten. Was ist nun wahr? In dem oben erwähnten Beiblatt der letzten „Neuen Welt" wird wohl am Schlüsse mitgeteilt, daß Dr. Friedmann den Vorsprung der Stricker- Liste durch den Wahlschwindel in Linz wettmachen wollte; es scheint ihm dies, trotzdem Stricker einwandfreie Zeugen führen will, gelungen zu sein. Stricker wird deshalb das Kongreßgericht anrufen, dessen Zitierung auch „Die Stimme" in Aussicht stellt. Dieses oberste Parteigericht der zionistischen Weltorganisation tut uns wahrlich leid; es wird für die Erledigung der österreichischen Wahlproteste allein wohl die ganze Tagungsdauer des Kongresses benötigen. Die Kenessio Gedaulo. In der Vorwoche hat in Wien eine Sitzung des Geschäftsführenden Rates der Agudas Jisroel stattgefunden, der hier zwecks Besprechung wichtiger Fragen tagte, die auf dem im September in Wien stattfindenden 2. Weltkongreß der Agudas Jisroel (Kenessio Gedaulo) zur Behandlung kommen sollen. Bei dieser Gelegenheit gab der Präsident des geschäftsführenden Ausschusses der polnischen Agudah, Herr I. M. L ew i n, unserem Schriftleiter verschieden© Auskünfte über aktuelle Fragen. Herr I. M. Lewin, ein Schwiegersohn des bekannten Gerer Rebben, äußerte sich sehr zufrieden über die derzeitige Situation der polnischen Agudah, die mit ihren 600 Ortsgruppen und 100.000 Mitgliedern, ihren Jugendgruppen und Arbeitergruppen einen großen Machtfaktor im polnischen Judentum darstellt. Dies äußerte sich auch bei den letzten Sejmwahlen, bei denen die Agudah auf ihre selbständige Liste 190.000 Stimmen vereinte, aber wegen des ungerechten (im übrigen unserem österreichischen ähnlichen) Wahlrechtes auf diese Weise kein Mandat erobern konnte. (In Warschau z. B. erhielt die selbständige agudistische Liste 24.000 Stimmen, die Wahlzahl betrug aber 25.000.) Dagegen gelang es" der Agudah, auf der Regierungsliste einen Vertreter, den Senator Kirschbaum zu erhalten, denn sie ist damals zusammen mit der Regierung vorgegangen, während die Jüdischnationalen es für angemessen hielten, mit den anderen Minoritäten gemeinsame S_ache zu machen. Diese Haltung der polnischen Agudah hat bereits gute Früchte getragen, der offizielle Antisemitismus, dessen Bestehen der Ministerpräsident B a r t e 1 seinerzeit in Sejm selbst zugeben mußte, wurde gebrochen. Auch die letzten Lemberger Unruhen wurden von der Regierung sofort im Keime erstickt. Dagegen machen die Jüdischnationalen gemeinsam mit den anderen Minoritäten eine Minderheitenpolitik, die programmatisch nie die Zustimmung der Agudah finden kann. Auf kulturellem Gebiete leistet die Agudah in erzieherischer Hinsicht ungemein viel, hier sind besonders die Bejs-Jakob-Schulen zu erwähnen, deren Einrichtung dem tatkräftigen Direktor des Keren Hathora Doktor Deutschländer zu verdanken ist. Die Agudah schreitet jetzt an die Errichtung einer Jeschiwah in Lublin, und eines Seminars in Krakau, ihre Warschauer Tageszeitung „Der Jud" hat starke Verbreitung; es ist also die kulturelle Tätigkeit der von Herrn I. M. Lewin geleiteten Organisation durchaus zufriedenstellend. Dies ist um so beachtenswerter, als die ökonomische Lage der polnischen Juden eine katastrophale ist. Trotzdem sie bloß 14 Prozent der Bevölkerung betragen, steuern sie infolge eines ungerechten Steuersystems, das vor allem die städtische Bevölkerung belastet, 30 bis 40 Prozent zu dem sehr hohen Staatsbudget bei. Die Agudah will wegen dieser unerträglichen Wirtschaftslage der polnischen Juden auch in ökonomischer Hinsicht tätig sein; so wird jetzt an die Schaffung von Kreditinstituten. mit Oeffentlic.hkeitsrecht geschritten. Besonders viel erwartet sich Herr I. M. Lewin von der bevorstehenden Kenessio Gedaulo, die eine geistige Ermunterung 1 Marienbadüf Franzensbad I _ KesTAu™NT,,GofbenerSdflOssd" grBnö Restaurant „TürstenQof" } { streng orthodoxe Köche-itS>3 SlltlOH RSdl) "^3 streng orthodoxeKBche j t

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