Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 28 (12.7.1929)
- Date
- 1929-07-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Dffi WAHftttilt Helfer, unter denen wir wahre Aristokraten des Gefühls nennen könnten, denen das Wohltun angeboren und die wenigen Fixsternen gleich am dunklen Firmament leuchten, wenn nicht die ganze grobkörnige Masse der mittleren Schicht es als oberstes Gesetz anerkennt, seinen Obulus der Allgemeinheit zu opfern in diesen Tagen der Not! Die Bestrebungen, das Handwerk unter den Juden zu fördern, sind zu begrüßen, leider finden sie nicht die gebotene Resonanz. In durchaus verfehlter Weise wird die schulentlassene Jugend, wenn nicht dem Kaufmannsstande, so doch den freien Berufszweigen, also dem Studium, zugeführt, obwohl man auch hier sagen darf „quelques milles de trop!" Dabei geht man achtlos an zukunftsreichen Fächern wie Optik, Maschinenbau, Elektrotechnik usw. vorüber. Stärker als bisher muß innerhalb jüdischer Gemeinden für das Handwerk Propaganda gemacht werden! John Jacobsohn. (Fortsetzung folgt.) Die Juden als Rasse. Am 10. Juni hielt Professor Weidenreich, der Leiter des Anthropologischen Instituts der Universität Frankfurt am Main, in der „Anthropologischen Gesellschaft" in Bonn einen Vortrag über das Thema: Die Juden als Rasse. Die zahlreiche Zuhörerschaft bewies, daß dem Thema ein allgemeines Interesse entgegengebracht wird. Professor Weidenreich warnte zunächst davor, Rassenzugehörigkeit nur nach einem einzelnen Merkmal zu bestimmen. Erst wo eine Reihe von Merkmalen, wie Schädelform, Körpergröße, Nasenform, Haarwuchs, Hautfarbe u. dgl. bei einer größeren Gruppe von Menschen zusammentreffen, könne man diese Gruppe als Rasse ansprechen. In diesem Sinne sind die Juden keine Rasse. Man findet bei ihnen großen und kleinen Wuchs, Kurzschädel und Langschädel, Blonde und Blauäugige, Dunkelhaarige und Dunkeläugige. Das, was in der gewöhnlichen Auffassung und in den Zeichnungen der Karikaturisten als hervorstechendstes Merkmal erscheint, die sogenannte Judennase, macht den Juden keineswegs zu einer besonderen Rasse, denn Professor Weidenreich führt den durch Lichtbilder veranschaulichten verblüffenden Nachweis, daß die gebogene Nase auch bei Nichtjuden zeitlich und räumlich äußerst verbreitet ist, von den Hethitern um 3000 v. Chr. bis zur Gegenwart, in Vorderasien, Südeuropa, ja sogar in Mitteleuropa bei Angehörigen der sogenannten dinarischen Rasse. Selbst an japanischen Heerführern im Kriege gegen Rußland bemerkt man diese Nase. Dies brachte einen Gelehrten zu dem kuriosen Einfall, in den Japanern die Nachkommen der verloren gegangenen 10 Stämme zu sehen. Es ist S. Grüners Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 Vonflgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Mentt nach Wahl. Erstklassige Getränke. irreführend, die Juden als Semiten zu bezeichnen. „Semitisch" Ist ein sprachwissenschaftlicher Begriff, kein anthropologischer. Der Typus z. B. der heutigen deutschen Juden ist von dem heutigen Typus z. B. der Araber, die ja auch eine semitische Sprache sprechen, sehr verschieden. In reichem Maße haben auch Vermischungen der Juden mit den Völkern stattgefunden, mit denen sie jeweilig zusammenwohnten, z. B. zwischen Juden und Mauren in Spanien. Aus Spanien vertriebene Juden, die sich in Vorderasien ansiedelten, nahmen dorthin die altspanische Sprache mit. Die O s t j u d e n waren ursprünglich vom Westen nach dem Osten ausgewandert. Das „Jiddisch", das sie sprechen, ist ein vorwiegend mittelhochdeutscher Dialekt. Jüdischer Adel und jüdische Plebejer sind zu unterscheiden. Die Trennungslinie verläuft aber nicht sozial, sondern geographisch. Der Redner erklärte, kein Psychologe zu sein, sich also über die psychologische Seite der Judenfrage nicht weiter äußern zu wollen. Das Feld der sogenannten Rassenpsychologie sei wissenschaftlich noch so gut wie völlig unangebaut. Um so eifriger tummeln sich unwissenschaftliche Dilettanten auf diesem Feld. Der Versammlungsleiter, Professor C. Clem e n, faßte zum Schluß die Ausführungen Professor Weidenreichs kurz dahin zusammen, daß der A u sdruck„jüdischeRasse"vordemForum der Wissenschaft nicht bestehen könne. Die Juden seien eine durch Vermengung verschiedener Rassen entstandene völkisch-religiöse Gruppe von Menschen. Sie gehören aber auch nicht zur semitischen Rasse, denn eine semitische Rasse gibt es ebensowenig, wie eine jüdische Rasse. Qlerseix. Die diesjährigen Juni-Skandale an der Wiener Universität, über die der Rektor Hofrat Innitzer ein scharfes Urteil gesprochen, hat nunmehr auch ein Nachspiel vor dem Gericht gehabt, das dort mit der Verhängung von Arreststrafen über zwei Studenten endete. Das Urteil des Rektors, das ausdrücklich und ausschließlich Hakenkreuzler als Schuldige brandmarkte, war damit begründet worden, daß es erwiesenermaßen „hakenkreuzlerische Studenten" gewesen, „die fortwährend zu Gewalttaten aufgehetzt hatten, wodurch der Studienbetrieb in ärgster Weise gefährdet wurde". Bei dem Nachspiel vor dem Gerichte sah man neben dem hakenkreuzlerischen Studenten Franz Rößler, auch den jüdischen Studen- Restauration in Salzburg ■»» Hermann Kolin WolldlelrldistraOe Nr. 14 Mäßige preise! G«ute KttAesf