Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 27 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064197-3064223--17294-3087409- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
iiiiliiii)M!iiöüt!lüiriu:i!KOiuinM Seite 11 werden, wenn der Council mit Dreiviertelmehrheit dies beschließt, d. h. also, wenn außer der gesamten nichtzionistischen Hälfte auch noch 50 Prozent der zionistischen Hälfte einer solchen Aenderung zustimmen. Dies würde eine ziemlich wesentliche Abweichung von den angeblich „unabänderlichen" zionistischen Kongreßbeschlüssen über die Agency bedeuten. Auch eine weitere Aenderung soll nach den Mitteilungen Dr. Rosenblüths vorgenommen werden. Es handelt sich darum, daß die Amerikaner gefordert' hatten, daß ein Mitglied des Councils von mehreren abwesenden Mitgliedern ermächtigt werden kann, in deren Namen zu stimmen, da die Bewohner überseeischer Länder, besonders die Amerikaner, dadurch benachteiligt sind, daß die meisten Sitzungen in Europa stattfinden. Um aber zu verhindern, daß zu viele Mitglieder des Council ohne äußeren Zwang von dieser Einrichtung Gebrauch machen, wurde bestimmt, daß eine Vertretung von Stimmberechtigten durch Kumulierung von Stimmrechten nur bei überseeischen Ländern zulässig ist; also gilt diese Vergünstigung für Amerikaner, wenn die Sitzung in Europa und für Europäer, wenn sie in Amerika stattfindet. Schließlich sei noch betont, daß der ganze Entwurf der Ratifizierung durch den zionistischen Kongreß bedarf. Scherz — und tiefere Bedeutung. Der „Illustrierte Beobachter", das Bildorgan der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, veröffentlicht in seiner Witzecke folgende nette Anekdote: Als ein neugewählter Abgeordneter der deutschen Minderheiten in Rumänien dem Ministerpräsidenten Bratianu in Bukarest vorgestellt wurde, bemerkte Bratianu ironisch: „Also, Sie sitzen auch auf der Linken, Herr Deputierter?" „Qewiß, Exzellenz," lautete die schlagfertige Antwort, „denn meine Wähler besitzen leider keine Rechte." Sehr gut und geistvoll, sagen auch wir. Aber, fragen wir weiter: Wenn der „Illustrierte Beobachter" die Antwort des Deutschen für so gut und zutreffend hält, warum wundert er sich dann darüber im politischen Teil, daß im Vorkriegs- Deutschland deutsche Juden und jüdische Politiker zahlreich bei den Linksparteien zu finden waren? Es scheint, daß das politische Verständnis des Nationalsozialismus sich am stärksten in der Witzecke ihrer Organe erkennen läßt. Die Schuld der Erwachsenen. Die Schriftleitung der „C. V.-Zeitung" bringt folgendes Schreiben zum Abdruck: Sie veröffentlichen unter Ihren zahlreichen Protesten gegen die Schändungen jüdischer Friedhofe in Deutschland auch einen von Walter von Molo. Selbst Christ und christlicher Familie stammend, deren Stammbaum auf mehrere Jahrhunderte hinaufreicht, frage ich mich, wie derartige Schandstücke, für die auch der stärkste verurteilende Ausdruck noch zu milde ist, überhaupt möglich sind? Mag der Christ, auf Grund selbstgebildeten Urteils oder anderseits Vorurteils, dem Judentum gegenüberstehen, wie er will, er muß solch grundgemeine, bestialische Schandstücke nicht nur aufs tiefste beklagen, er muß sie in Grund und Boden verurteilen, und damit komme ich zu dem von v. Molo angeführten Kapitel von der „Schuld der Erwachsenen". In der Tat, hier liegt eine schwere, wenn auch nur indirekte Schuld insofern vor, als die Erwachsenen, sobald sie nur von solchen Schandstücken hören, die unbedingte moralische Verpflichtung haben, im Schöße der eigenen und der befreundeten Familien den Anwesenden das Scheußliche einer Grabschändung vor die Seele zu führen. Pfui der Feigheit, die zu schänden, die sich nicht mehr wehren können! Wenn ihr Krieg führen wollt, führt ihn mit den Lebenden, die sich noch wehren können, aber nicht mit den Toten, nicht mit einst lebenden Weibern und Kindern! — Sind wir Christen Richter über die Juden oder vermeinen es wenigstens zu sein, so frage ich: Wo ist das Gegenschandstück, wo schänden Juden unsere Ruhestätten, die uns im Andenken an die uns unvergeßlichen Angehörigen heilig sind? Jeder anständig denkende Christ sollte in engerem oder weiterem Kreise sorgen, für das einzutreten, was ihm seine Sittenlehre vorschreibt. Rud. Heine sen. Rumäniens Judenpolitik. Der Auffassung, daß eine nationale Minderheitenpolitik in Rumänien verfehlt sei, wurde von Vintila Bratianu, dem früheren Ministerpräsidenten, der im öffentlichen Leben Rumäniens auch heute die vielleicht maßgebendste Rolle spielt, gegenüber dem Direktor der 1. T. A. J. Landau Ausdruck gegeben. Bratianu wandte sich mit Schärfe gegen die innerpolitische Betätigung der Zionisten. „Von einem allgemeinen menschlichen Gesichtspunkt**, sagte er, „verstehe und würdige ich den Zionismus. Aber ich würde — und mit Recht — des Antisemitismus beschuldigt werden, wenn ich den Juden in Rumänien den Rat geben würde, nach Palästina auszuwandern. Nur wenige rumänische Juden sind nach Palästina gegangen. Die Hauptmassen der rumänischen Juden wollen und werden in unserem Lande bleiben. Hierzulande sollten die Juden eine rumänische Politik betreiben. Kommen sie als Zionisten in das Parlament, so setzen sie sich der Gefahr aus, daß man ihnen eines Tages zurufen wird: gehet nach Palästina! Ich sehe nicht ein, warum, die Juden in Rumänien nicht wie die Juden der westlichen Länder sich als R u m ä n e n jüdischen Glaubens betrachten sollten. Jüdische Führer Altrumäniens teilen diese Autfassung. Geben sich die Juden als Ungarn, Russen oder Zionisten, so richten sie unnötigerweise Wälle auf zwischen sich und ihren rumänischen Mitbürgern." Eine ähnliche Auffassung entwickelte der Handelsrninister M a d g e a r u: „Die Tatsache, daß die Regierungspartei und die Zionisten einen Wahlpakt geschlossen haben, bedeutet nicht, daß der Regierung eine nationale jüdische Politik besonders willkommen ist. Es ist nur eine natürliche Konsequenz der freiheitlichen Anschauungen und Prinzipien, denen die Regierung huldigt, daß sie es jede r Gruppe freistellt ihre politische Haltung zu bestimmen. Aber dies bedeutet sicher nicht, daß sie den Juden empfiehlt, sich als Minderheit zu deklarieren und eine jüdische, nationale Politik zu betreiben. Ich persönlich glaube, daß eine solche Politik die Juden in jeder Hinsicht politisch schädigen muß und wird. Die Juden sollten sich dem Majoritätsvolk anschließen. Eine nationale Minderheit sind doch die Juden eigentlich nicht. Sie besitzen nicht ein Vaterland von staatlicher Unabhängigkeit, an das sie sich anlehnen könnten. Minoritätspolitik bedeutet im Wesentlichen Schulpolitik. Wollen die Juden ihre Kinder in ungarische oder russische Schulen schicken und diese den rumänischen Staatsschulen vorziehen? Jiddisch wird nur von einem Teile der jüdischen Bevölkerung gesprochen. Hebräisch? Ich weiß, daß es die Umgangssprache der Juden in Palästina ist. Aber die jüdische Bevölkerung zählt dort nur 160.000 Seelen und in Europa wird Hebräisch von so wenigen Juden gesprochen, daß diese Sprache nicht als lebende Sprache angesehen werden kann. Eine nationale Politik würde früher oder später Konflikte auslösen. Es ist eine politische Staatsnotwendigkeit für Rumänien, seine Minderheiten mehr und mehr mit dem rumänischen Volke zu verbinden. Warum sollten die Juden in diesen Prozeß störend eingreifen und ihn verlangsamen? Was haben sie dabei zu gewinnen?" Versailles und das deutsche Judentum. Aus Anlaß des Gedenktages des Friedens von Versailles (28. Juni 1929) schreibt Dr. Alfred Hirschberg in der i,C. V. - Z e i t u n g": „... Alle Kreise des deutschen Volkes eint der Protest gegen den Schuldparagraphen. Die deutsche Judenheit ist in diese Reihen eingegliedert. Für sie ist der Schuldparagraph eine ins Gigantische vergrößerte Wiederholung des Schicksals der eigenen Gemeinschaft. Wie ein böser Traum wiederholte sich die von Geschlecht zu Geschlecht neu und immer wieder schmerzlich gewonnene Erfahrung: verurteilt zu sein, ohne gehört zu werden; beurteilt zu werden von Menschen, die das Wesen des Angeklagten nicht kennen; mit dem Stigma einer Verleumdung durch die Zeit und die Geschichte zu gehen. Das Schicksal des Judentums gab der deutschen Judenheit die starke seelische Widerstandskraft, die Männer aus ihren Reihen befähigte, im allgemeinen Nieder- Marienbad 5 Qottlieb LEITNERS l RESTAURANT» Franzensbad Goldener Sdj/üssef" Grand Restaurant „fQrstenQof \ I 1^3 streng orthodoxe Küche -ifcO SllltOff) Kd3l) ISIO streng orthodoxe Küche "15^3 [ ■aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa