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Die Wahrheit · 1929-07-04 · Heft 27 (4.7.1929) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 27 (4.7.1929)
Date
1929-07-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 fflamiBimniuaimiffliuHii^^ WsäukdtmvmT^ Boykottpropaganda aus Konkurrenzneid. In dem in Klagenfurt erscheinenden christlichsozialen „Kärntner Tagblatt" vom 26. d. M. finden wir eine Notiz „Z u r Verjudung von Klagenfurt", die so recht die Art und Weise illustriert, wie in der österreichischen Provinz gegen die Juden gehetzt wird. Da führt eine Kaufmannsfrau bittere Klage darüber, daß „die Christen, und da besonders die Frauen derselben, leider zu den besten Kunden der Judengeschäfte gehören". Die brave Frau verrät aber auch, warum das — wieder leider — so ist: „Leider sind da manche unserer arischen Geschäftsieute vielfach schuld daran, denn abgesehen vom oftmaligen Preisunterschied, den man kaum für möglich halten sollte, ist die Bedienung in christlichen Geschäften hier und da alles eher als angenehm, während bei den Juden die Kunden fast durchwegs mit ausgesuchter Höflichkeit bedient werden. Hier müssen sich die arischen Kaufleute einmal die Frage vorlegen „Wie und wo ist da der Hebel anzusetzen, wie sind die Kunden in unseren Geschäften zu bedienen?" Und die Höflichkeit den Kunden gegenüber, die von den Juden so sehr eingehalten wird, soll sowohl von den Geschäftsinhabern selbst, besonders aber von den Angestellten stets strenge geübt werden." Da drückt die Klagenfurter Kaufmannsfrau der Schuh, die diese Zeilen aus purem Altruismus und gar nicht aus egoistischen Motiven geschrieben hat. Sie hat aber auch eine Begründung für die Boykottpropaganda, in die ihr Wehruf schließlich ausklingt: „Wollen die christlichen Hausfrauen selbst strenge darauf halten und alle ihre Bediensteten dazu anhalten, alle Dinge bei unseren Stammesgenossen einzukaufen, um so mehr, als vielfach die Juden die Schrittmacher der Umsturzparteien sind. Man braucht in diesem Falle nur die Juden in den Kaffeehäusern zu beachten, wo sie fast durchwegs nur die sozialdemokratischen und kommunistischen Zeitungen Verlagen und lesen. Diesen Juden kaufe man ja nichts mehr ab und merke sich die Betreffenden sehr gut." Daß die Juden im Kaffeehaus nur linksgerichtete Zeitungen lesen, ist natürlich ein Ammenmärchen, wenn sie aber wirklich das „Kärntner Tagblatt4 verschmähen, wer kann ihnen dies nach solchem dort erschienenen Erguß einer schönen Seele weiter verübeln. Das blau-weiße Rot Unseren Zionisten ist in letzter Zeit sehr rot vor den Augen geworden. In ihrem Blätterwalde widerhallt es von blutroten Debatten, die ihren Grund darin haben, daß die JAC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II., GlOCkengasse 24 Telephon R 48-4-79 österreichische zionistische Organisation sich jetzt allzu eng mit den Poale-Zionisten liiert hat. In der Kultusgemeinde haben sich die drei Poale-Zionisten von „werktätiger" Gnade sehr stark den Zionisten genähert, bei den vorwöchentlichen Kongreßwahlen gingen diese beiden Gruppen sogar gekoppelt gegen die Stricker-Liste vor und holten sich eine empfindliche Blamage. Solch innige Freundschaft verlangt natürlich Konzessionen, und stark wie unsere Zionisten schon sind, werden diese Konzessionen nicht ihnen gemacht, sondern sie machen sie den Poale-Zionisten. So kam es auch zu den roten Rannen beim Herzl-Grabgang, die von den „demokratischen" Zionisten mit lauten Pfuirufen begrüßt wurden. Aber auch das Organ des M i s r a c h i, die „Jüdische Welt" regt sich über diese Geschmacklosigkeit mit Recht auf: „Die kleine Gruppe der Poale-Zion hat es für angebracht gefunden, mit flatternden roten Fahnen zum Grabe des unsterblichen Begründers des modernen Zionismus zu marschieren. Selbst die kleine Konzession, wenigstens einen blauweißen Streifen oder irgend ein sonstiges jüdisches Merkmal an den roten Fahnen anzubringen, wurde von der Poale-Zion brüsk abgelehnt. Zum erstenmal geschah es, daß rote und nur rote Fahnen heim Grabe Herzls erschienen. Diese unsinnige rote Demonstration bedeutet eine rohe Verletzung des primitivsten menschlichen Gefühls: der Pietät. Sie bedeutet einen grausamen Faustschlag in das verklärte Antlitz des ewig lebenden Schlummernden am Döblinger Friedhof und eine Verhöhnung seiner grandiosen Schöpfung, der gerade jetzt auch von einstigen erbitterten Gegnern höchste Anerkennung gezollt wird. Unsere Misrachijugend sah sich durch dieses Attentat auf den reinen Zionsgedanken veranlaßt, nicht, wie alljährlich, mit der zionistischen Jugend gemeinsam, sondern separiert den Gang zum Herzl-Grab mitzumachen. Die Entrüstung unter den weit mehr als 10.000 (?) Teilnehmern am Grabgang war eine allgemeine. Die lebhaften Pfuirufe, mit denen die roten Fahnen empfangen wurden, mögen aber auch den Arrangeuren und dem Zionistischen Landeskomitee für Oesterreich als warnende Lehre dienen, daß sie dafür zu sorgen haben, daß derartige sinnlose und empörende Verstöße gegen den Zionismus unter allen Umständen verhindert werden müssen." Ob die zionistische Organisation diesen Appell beherzigen wird? Die Jewish Agency. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, sind die Verhandlungen, die zwischen den Herren Louis M a r s h a 11 und Felix M. War bürg als den Repräsentanten der Nichtzionisten und Herrn Morris Rothenberg, Vizepräsidenten der Zionistischen Organisation Amerikas, als dem Vertreter der Zionistischen Organisation, über die endgültige Form der Konstitution der Jewish Agency in den letzten Tagen geführt worden sind, zu einem vollkommen befriedigenden Abschluß gelangt. Ueber alle Einzelheiten der Konstitution wurde ein Uebereinkommen erzielt. In der Einleitung zur Konstitution wird auf die Balfour-Deklaration und das Palästinamandat Bezug genommen. Man kam ferner überein, den Council der Jewish Agency zu einer ersten Tagung für den 11. August nach Zürich einzuberufen. Sowohl Louis Marshall als auch Felix M. Warburg erklärten, daß sie der ersten Jewish-Agency- Tagung beiwohnen werden. — In dieser von der J. T. A. verbreiteten Nachricht ist eigentlich der Inhalt des „Uebereinkommens" zu vermissen. Es ist da nur zu lesen, daß die Konstitution auf der Balfour-Deklaration aufgebaut werden soll; zu welch schweren Bedenken dies führen kann, haben wir schon unlängst erwähnt. Dagegen wird von den sonstigen Abmachungen in der J. T. A.-Notiz nichts erwähnt. Und doch sind in jüngster Zeit Nachrichten über die Konstitution der Agency in die Oeffentlichkeit gedrungen, die gerade jetzt, da die endgültige Form dieser Konstitution feststehen soll, einer Bestätigung bedürfen. So hat das Mitglied der zionistischen Exekutive, Dr. Felix Rosenblüth jüngst folgende Neuigkeit mitgeteilt: Präsident der Jewish Agency soll entsprechend einem Kongreßbeschluß der Präsident der Zionistischen Organisation sein, doch kann von dieser Bestimmung abgegangen Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen! Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ „ „ 150.— Herrenhose „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! KeJn Kaufzwang! Freie Besichtigung!

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