Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 27 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 9 Ein jüdischer Friederisbund. Auf Einladung der Herren Rabbiner Dr. Bäck, Doktor Bleichrode, Dr. Hildesheimer, Dr. Warschauer, Dr. Weiße, Kammergerichtsrat Wolff, Vorsitzender des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden, Direktor K a r e s k i, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, Berlin, Professor Dr. A. Einstein, Komm.-Rat Gerson Simon, Konsul Dr. J. K a h n, Dr. K1 e e, Direktor Dr. h. c. W. K1 e em a n n, Heinrich Stern, Professor Dr. E1 b o g e n, Alois A. F. Marcus, Frau Dr. Eschelbacher. Oscar H e i m a n n und anderer namhafter Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Berlin fand im Brüderverein unter dem Vorsitz von Herrn Direktor Oscar Wassermann die konstituierende Versammlung des „Jüdischen Friedensbundes" statt. Nach der Eröffnungsrede des Vorsitzenden folgten Ansprachen der Herren Rabbiner Dr. Bäck und Professor Albert Einstein. Aus dem Referat des Herrn Dr. Alfred N o s s i g ging hervor, daß die Gründung der neuen Vereinigung auf die Anregung des evangelischen „Weltbundes für internationale Freuhdschaftsarbeit der Kirchen" und des „Friedensbun.des Deutscher Katholiken" zurückzuführen ist, die die Bildung einer „Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden" unter entsprechender Mitwirkung jüdischer Kreise vorgeschlagen haben. An der Spitze des „Weltbundes" stehen der Erzbischof von Canterbury, Bischof Wilson in New York, Bischof Cannon in Washington, Erzbischof Soederblom von Upsala, in Deutschland D. Burghart, geistl. Präsident des Evangelischen Oberkirchenrates, Reichsgerichtspräsident a. D. Dr. Simons, Konsistorialrat Dr. Schreiber, D. h. c. S p i e c k e r und viele führende Theologen. Der „Katholische Friedensbund" wird von Herzog Max von Sachsen (Ehrenpräsident), P. Stratmann, Prälat Lichtenberg und anderen namhaften Vertretern der katholischen Kreise geleitet. Die Arbeitsgemeinschaft, in deren Rahmen der Jüdische Friedensbund sich einfügt, schließt politische und wirtschaftliche Momente grundsätzlich aus. Sie bezweckt „die Zusammenfassung der Bewegungen, welche die Verwirklichung des Friedens als eines in der Religion wurzelnden sittlichen Gebotes erstreben", und die „Schaffung einer Friedensatmosphäre innerhalb der weitesten Volkskreise, als zuverlässigster Grundlage der Erhaltung des Friedens". Im Einklang mit diesem Programm nimmt der Jüdische Friedensbund laut seinen Satzungen sich vor, „im Geiste der jüdischen Lehre für die Versittlichung der Menschheit und den dauernden Weltfrieden zu wirken". Der Bund wird bestrebt sein, einerseits durch Vorträge und Veröffentlichungen möglichst weite jüdische Kreise, insbesondere auch die jüdische Jugend, für die Wiederbelebung der alt jüdischen Friedenslehre zu interessieren; anderseits, in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, zur praktischen Sicherung des Friedens auf religiös-sittlicher Grundlage für möglichst große Teile der Menschheit beizutragen. Diese Ziele fanden den ungeteilten Beifall der Versammlung. Die Ansprachen der weiteren Redner — Rechts- KONKURS. Die jüdische Kultusgemeinde in Subotica sucht einen Oberkantorstellvertreter-Chordirigenten, der ein musikalisch gebildeter Sänger ist. Reflektanten, nur unter 40 Jahren, müssen als Oberkantor-Stellvertreter, auch als Bai Tefillah und Bai Kore wirken können. Reflektanten, die die Schechita verstehen, haben Vorzug. Die mit glaubenswürdigen Zeugnissen versehenen Offerte sind bis 1. August 1929 an die Adresse „Jevrejska Veroispovedna Opstina, Subotica", einzusenden. Gehalt und die üblichen Einkommen laut Üebereinkunft. Die diesbezüglichen Ansprüche sind in dem Gesuche anzugeben. i V i Subotica, 16. Juni 1929. Dr. Emmerich V i d o r, Sekretär. Dr. Adolf Klein, Präsident. anwalt Heinrich Stern, Sanitätsrat Dr. A. Goldschmidt, Rabbiner Dr. Frei mann, Frau Dr. Esche Ibach er — gipfelten in dem Gedanken, daß es innerhalb der jüdischen Gemeinschaft eine Diskussion über die Notwendigkeit der Beteiligung an den Friedensbestrebungen nicht geben könne, sei dies ja nur eine Rückkehr zu den vom Judentum stets bekannten Ideen. Dementsprechend traten sämtliche Anwesende einstimmig dem Friedensbund bei. Eine große Anzahl von Personen, die am Erscheinen verhindert waren, haben schrftlich ihr stärkstes Interesse und ihre lebhafteste Sympathie für das Werk bekundet. Zu den Förderern des Jüdischen Friedensbundes gehören u. a. Direktor Dr. h. c. J. Goldschmidt, Inhaber der Darmstädter und Nationalbank, Generalkonsul S. Rund, S. Bieber, Inhaber der Berliner Handelsgesellschaft Komm.-Rat J. Berger, (Tiefbau A.-G.). R. Loeb, Mitinhaber des Bankhauses Mendelssohn & Co., Komm.-Rat Dr. Th. Frank. Direktor der Disconto-Gesellschaft, Komm.-Rat A. Cohn, H. Grünfeld, Vorsitzender des Deutschen Verbandes für Einzelhandel, Bankier Willy Dreyfus. Eine Reihe von großen jüdischen Organisationen aller Hauptrichtungen hat sich an den Jüdischen Friedensbund körperschaftlich angeschlossen. So u. a. der „Centraiverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", die „Zionistische Vereinigung für Deutschland", der „Reichsverband der jüdischen Lehrervereine", sowie konservative Vereinigungen. Ebenso haben zahlreiche jüdische Gemeinden ihre volle Zustimmung zu den Bestrebungen des Bundes erklärt und sind ihm beigetreten. Dem Jüdischen Friedensbund ist demnach gleich an der Schwelle seiner Wirksamkeit die moralische Unterstützung der weitesten, organisierten Kreise der jüdischen Gemeinschaft gesichert. Die gegenwärtige Leitung des Bundes liegt in den Händen eines vorläufigen Ausschusses, der sich folgendermaßen zusammensetzt: Präsidium: Oscar Wassermann, erster Vorsitzender; Rabbiner Dr. Bäck, Professor Dr. Einstein, Komm.-Rat G. Simon, R.-A. H. Stern, Arbeitsausschuß: Doktor Alfred Nossig, Vorsitzender; R.-A. Dr. Klee, A. F. Marcus, R.-A. Stern. Beisitzer: Professor Dr. Elbogen, Frau Dr. Eschelbacher, Sanitätsrat Dr. A. Goldschmidt, Rabbiner Dr. M. Hildesheimer, Direktor Dr. h. c. Kleemann. Die Geschäftsstelle des Jüdischen Friedensbundes, Berlin-Schöneberg, Am Park 15, verbreitet folgenden Aufruf des Jüdischen Friedensbundes: Weltumspannende, katholische und evangelische Friedensorganisationen haben an die jüdischen Kreise die Einladung ergeben lassen, mit ihnen zu einer Arbeitsgemeinschaft für den Frieden zusammenzutreten. Mit dieser äußeren Anregung, der sich unsere Gemeinschaft nicht entziehen darf, verbindet sich der innere Antrieb zum Mitwirken an der welthistorischen Aufgabe unserer Zeit. Das Judentum, das die Ideen des Weltfriedens und der Völkerversöhnung vor Jahrtausenden zuerst verkündet hat, dessen heilige Schriften von diesen Ideen erfüllt sind, kann Jetzt, da ihre Verwirklichung anbricht, nicht untätig beiseite stehen. Unserer hohen Ideale eingedenk, wollen wir im Rahmen des Jüdischen Friedensbundes für die Versittlichung der Menschheit und den dauernden Weltfrieden wirken. Es gilt einerseits innerhalb der jüdischen Gemeinschaft den Gedanken der jüdischen Friedenssendung neu zu beleben, anderseits die jüdischen Energien, Hand in Hand mit den anderen Bekenntniskreisen, für den praktischen Aufbau des Friedens einzusetzen. Unsere Ziele sind allen jüdischen Parteien gemeinsam. Wir rufen daher alle Glaubensgenossen auf, sich unser Bewegung anzuschließen und in allen Gemeinden organisatorische Stützpunkte für sie zu schaffen. Der Jüdische Friedensbund ist gern bereit, mit den Schwestervereinigungen in den anderen Staaten zusammenzuarbeiten und hofft, daß in allen Kulturländern ähnliche Organisationen entstehen werden. Wir bitten, sich mit uns in Verbindung zu setzen, und Nachrichten uns unter der Adresse der Geschäftsstelle des Jüdischen Friedensbundes, Berlin-Schöneberg, Am Park 15, zukommen zu lassen. Vereinigen wir alle unsere Kräfte, um das, was unsere Vorfahren geträumt und gelehrt haben, heute ins Leben umzusetzen. Jüdischer Friedensbund.