Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 27 (4.7.1929)
- Date
- 1929-07-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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0l£ WAHRHEIT ämmmmämmammmmmmmmmmm sein soll, wenn er nicht auch -wie Hofrat Innitzer unter den begeisterten Pfui-Rufen der Hakenkreuzler aus dem Amte scheiden will. * * * Die hakenkreuzlerischen Studenten an der Grazer Universität, die zur Abwechslung einmal über die offen als Katholiken sich bekennenden Kommilitonen herfielen und sie mißhandelten, haben damit schlagend bewiesen, daß es ihrer Weitanschauung nicht an Konsequenz fehlt. Die Anhänger einer Lehre, die das Neue Testament wegen seines unlösbaren Zusammenhanges mit dem Alten Testament verwerfen, denken ganz logisch, wenn sie ihrer Erbitterung gegen gläubige Bekenner des Neuen Testamentes in ihrer Weise Ausdruck verleihen. Ueberraschend an den Grazer Universitätsnachrichten ist nur das Detail, daß einer der radikalsten hakenkreuzlerischen Studenten, ein Mediziner, der einen katholischen Studenten krank geschlagen, dem Landesgerichte eingeliefert wurde. In Graz scheint merkwürdigerweise in diesem Falle die Ansicht zur Geltung gelangt zu sein, daß die auf mittelalterlichen Anschauungen beruhende Vorstellung von der Heiligkeit der Universitätsautonomie doch nicht die Immunisierung jedes Raufboldes zur Folge haben müsse. Vielleicht findet der Mediziner, der doch an der Universität gelernt hat, daß seine zukünftige Aufgabe im Gesundmachen der Kranken besteht, im Landesgerichte die Erleuchtung, daß er, auch ohne Honorar zu fordern, nicht Gesunde krank schlagen dürfe. * * * Die Blätter berichteten dieser Tage, daß in der polnischen Ortschaft Tomaszow-Marszowiecki ein betrunkener Wachtmeister namens Biernacki die Wette proponierte, er wolle in dem mit Besuchern vollen Lokal des Wirtshauses eine Handgranate zur Explosion bringen. Bevor jemand den Mann hindern konnte, schleuderte er die Handgranate mitten in die tanzende Menge; acht Gäste wurden tödlich verwundet. Man begreift das Entsetzen, das die Lektüre dieser Notiz überall erweckt, aber es wäre ein vermessener Hochmut zu glauben, daß nur ein Betrunkener in irgend einem gottverlassenen polnischen Neste auf solche mörderische Scherze verfallen konnte. Man weiß in Europa, daß mörderische Pogrom-Vorbereitungen gegen Juden in angeblich zivilisierten Staaten nicht allein von betrunkenen Menschen getroffen werden konnten, ohne daß man sie hindern wollte. * *. * * Es ist nun offiziell festgestellt, daß nach dem neuen, angeblich das konfessionelle Moment eliminierenden, verbesserten Numerus clausus in dem letzten Jahre an den vier ungarischen Universitäten 959 jüdische Studenten inskribiert waren* während vorher 1290 jüdische Hörer Aufnahme gefunden hat- MD ISCHL m Pension Jupiter Salzkammergut Llndaustrafle 18 Prächtige Lage ' Ruhig, vornehm Sireng ritueller KudienDetrieb unter Leitung von ». SPIEGEL. Ausgezeichnetes Nittagsmenfi auch a la Carte Komfortabel eingerichtet, beste französische und Wiener Küche, jede Diät, Fam.-Arrangement, Garage, Telephon. Bäder im Hause. vmimtuwmmmwiwww*»............ ............■■■■■■■■■.......■■■ Seite 7 ten. Man sieht, wie genial der ungarische Unterrichtsminister seine zur Beschwichtigung der Rassenschützler gegebene Zusage erfüllt hat. Der Numerus clausus ohne gelben Fleck trifft nicht mehr die jüdische Religion, sondern bloß die jüdischen Studenten. Es wäre entsetzlich, wenn Graf Klebelsberg seine Verehrung für die jüdische Religion weiter so hemmungslos dokumentieren wollte. Er wäre imstande, da Glaube und Wissen sich nicht immer friedlich vertragen, die jüdischen Jünglinge, um ihnen konfliktlos die Seligkeiten des Glaubens zu erhalten, ganz vom Studium — abzuhalten. * * * Gräfin Margit Bethlen, die Gattin des ungarischen Ministerpräsidenten, erzielt mit der Vorlesung ihrer Märchen große Erfolge. Von einem dieser Märchen mag, da es kaum jemals im Drucke erscheinen dürfte, in kurzem Auszuge der von Ohrenzeugen kolportierte Text hier mitgeteilt werden: „Es lebte einst, in einem fernen Land, ein streitbarer Mann, der dank günstiger Zufälligkeiten, da der rechtmäßige Fürst an der Thronbesteigung verhindert war, an seiner Stelle die Macht ausübte. In dem Lande hatten früher die Bekenner verschiedener Konfessionen in friedlicher Eintracht, die nur, wie dies schon vorkommt, hier und da gestört wurde, ohne aber dauernden Schaden anzurichten, gelebt. Unter der Herrschaft dieses Platzhalters wurde dies anders. Da er die Bekenner einer bestimmten Religion haßte, konnten alle, die aus irgend einem Grunde die gleichen gehässigen Gefühle im Herzen getragen, hemmungslos ihr Mütchen an diesen Unglücklichen kühlen. Sie suchten zuletzt kaum noch die fadenscheinigsten Vorwände für die Bekundung ihrer Böswilligkeit, die sich des allerhöchsten Schutzes erfreuen konnte. Die wegen ihrer Religion Unterdrückten und Verfolgten, in ihren heiligsten Gefühlen und Rechten gekränkten Menschen durften gegen die ihnen zugefügte Unbiil kaum mit schüchternen Worten protestieren; eine entsprechende Entgegnung hätte, wie die Dinge lagen, nur eine Verschärfung ihres bitteren Geschickes zur Folge gehabt. Doch da geschah etwas Furchtbares, etwas Ungeheuerliches, was an tückischer Maßlosigkeit alles bis dahin Erlebte wie kleinliche Nörgelei erscheinen ließ. Eine große Feier ward veranstaltet zur Erinnerung an die nach vielen Tausenden zählenden Helden, die in dem letzten großen Kriege den Tod für das Vaterland erlitten hatten. Die geistlichen Vertreter der verschiedenen im Lande lebenden Konfessionen waren bei der Feier erschienen. Nur einer fehlte: Das Oberhaupt der von dem Platzhalter des Regenten gehaßten Glaubensgemeinschaft. Er hatte keinen Platz bei dieser Feier, denn seiner nach Zehntausenden auf dem Schlachtfeld gefallenen Glaubensgenossen, die nach ■w» Resfaaralion in Salzbarg -m Hermann Kohn Wolfdlefrldisfriiße Nr. 14 Mäßige Preise! Gute Kfichef