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Die Wahrheit · 1929-07-04 · Heft 27 (4.7.1929) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 27 (4.7.1929)
Date
1929-07-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Liiiiiinimmtiü! ramunniniiiuiiiimiintiiiin Q\fc WAH&HElf Vor einem Uebermaß des Hervortuns jugendlicher Intellektueller kann nicht genug gewarnt werden. Es ist darauf zu sehen, daß nur solchen Vorträgen stattgegeben wird, in denen das Verantwortungsgefühl des Vortragenden Gewähr dafür bietet, daß Stoff und Vortragsweise keine Verwirrung in die jugendlichen Hirne bringt. Der Fall Toeplitz, der sich vor kurzer Zeit hier in Hamburg ereignete, in welchem ein jüdischer Arzt vor einer Jugend im Pubertätsalter über das Sexualproblem dozierte, löste einen öffentlichen Skandal aus! Man verleihe vorwitzigen Modejüngern nicht die Gloriole des Märtyrers, sondern plädiere vielmehr für gebührende Zurückhaltung, zumal wenn es sich um jüdische Intellektuelle handelt. Der Fall Toeplitz bot den Hakenkreuzlern eine cause celebre ganz nach ihrem Geschmack. Einer drohenden Entartung der Jugend kann nicht besser vorgebeugt werden, als dadurch, daß die Schule einen größeren Wert auf den erläuternden Unterricht legt, in dem Sinne, wie schon in einem früheren Zeitalter der große Pädagoge Wolfgang R a t k e es gefordert hat. Namentlich in einer Zeit, wie der gegenwärtigen, da das Elternhaus nicht ganz zulänglich erscheint. Nicht die wissenschaftliche Approbation des zum Lehramt Berufenen darf allein ausschlaggebend sein, sondern vielmehr auch die moralische Eignung. Hic niger est, hunc tu Judae, caveto! — Das ist eine unerläßliche Forderung der Zeit; mit zwingendr Notwendigkeit erheischt sie, die Jugend vor Ueberschätzung aller Aeußerlichkeiten des Lebens zu warnen, deren Sinne vielmehr zu wecken für das Ideale im Geiste der Thora. Das heißt Erziehung zum jüdischen Menschen und zur Kultur Es soll nicht bestritten werden, Vorträge und Versammlungen beleben auch hier den Alltag. Von zionistischer Seite wird in Wort und Schrift die Sehnsucht nach dem heiligen Lande immer aufs neue genährt. Hin und wieder hält ein Großer der Agudah Heerschau. Aber, seien wir ehrlich, im großen und ganzen äußert sich das jüdische Geistesleben in dieser großen Gemeinde in einem recht bescheidenen Maßstabe. Die wirtschaftliche Not hat eine Abkehr vom Seelisch-geistigen gezeitigt. Wir pflegen uns Amerika gegenüber zu brüsten und uns etwas auf unsere Bildungsbeflissenheit zugute zu tun. Ja, es hat sich etwas mit dieser unserer vermeintlichen Ueberlegenheit! Sind wir imstande, Bibliotheken aufzuweisen, wie das Dollarland, vor dessen Prachtbauten der public liberaries wir staunend die Augen aufreißen?! — In diesen Tagen schließt die alte Goldschmidt'sche Buchhandlung ihre Tore. — Das Buch ist zum Luxusgegenstand geworden! — „Zweig auf Zweig seh' ich fallen!" — Das geistige Element verliert die Führung und ordnet sich dem Rhythmus eines rücksichtslosen Erwerbslebens unter. Die andeutungsweise vorhandene Gemeindebibliothek soll unter der Leitung eines eigens für diesen Zweck berufenen Gelehrten eine Restaurierung erfahren. Lasset uns das Beste für die Zukunft erhoffen! John Jacobsohn. (Fortsetzung folgt) Achtung!„Uition m Mitglieder und Freundet Die 2. Praterzusammenkunft findet Bounecstag,, 4. JuÜ, 8 Ufte Mends bei jeder Witterung im /. Jtaffeehaus Ifaatec SCauptaäee) statt. Um 9 Wie ja&ends im Saide des 1. JCaffeeAauses Reg. Rat Dr. Mai Lenk über rciiiSaNcDSZionismos Anschließend Diskussion Die Vereinsleitung bittet um recht zahlreiches Erscheinen. Qiefj>en>. Die Kammer der „Deutschen Studentenschaft" der Wiener Universität hat in ihrer Sitzung vom 25. v. M. einstimmig — wie sie weniger deutsch und mehr energisch mitteilt — „eine Entschließung beschlossen'', aus der der neugewählte Rektor genau erfahren soll, wie er sich zu verhalten hat. Der Passus, in welchem die jungen Herren ihr Bedauern darüber äußern, daß sich Dinge ereignet haben, „die eine starke Mißstimmung zwischen Rektor und Senat einerseits und der deutschen Studentenschaft anderseits hervorgerufen hatten", richtet sich offenbar in erster Reihe noch gegen den früheren Rektor Hofrat Innitzer und ist eine sehr verständliche Ergänzung der Pfui-Rufe, die die Hakenkreuzler diesem ihnen nicht ganz willfährigen Mann ins Gesicht schleuderten. Aber der neue Rektor wird doch den Merks, der nebenbei auch ihm gilt, verstehen. In dem Falle, so wird ihm von den jun?en Herren freundlich versichert, hoffen sie, „daß auch in Zukunft eine gedeihliche Zusammenarbeit möglich sein wird". Die Zusammenarbeit, die tatsächlich seit Jahren zwischen den Rektoren -der Wiener Universität und der hakenkreuzlerischen Studentenschaft wahrnehmbar gewesen, hatte nur durch die würdevolle, mannhafte Haltung des Hofrates Innitzer eine Unterbrechung erfahren. Der neue Rektor hat nun gehört, wie er sich zu benehmen hat, wenn eine „Zusammenarbeit" mit ihm „möglich"

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