Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-07-04 · Heft 27 (4.7.1929) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 27 (4.7.1929)
Date
1929-07-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064223--17288-3087403
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Difc WAHRHEIT Seite 5 numentale Geschichte der Juden, Lazarus' Ethik des Judentums, Karpeles' Geschichte der jüdischen Literatur und ähnliche. Allmählich jedoch emanzipierten sich die amerikanischen Juden von der europäischen Vorherrschaft und nun bringen sie öfters Produktionen auf den Büchermarkt, auf die wir in Europa stolz sein könnten, nicht Uebersetzungen, sondern Eigenschöpfungen. Ein solches Werk, zu dem zwar nicht unsere geistigen, wohl aber unsere materiellen Mittel leider nicht ausreichen, ist die „G eschichte des jüdischen Volkes" von' Max L. M a r g o 1 i s und Alexander M a r x in einem Bande. Zwei der bedeutendsten Professoren der jüdischen Geschichte an dem berühmten Dropsie College in Philadelphia (ebenfalls in dieser Zeitschrift ausführlich geschildert) und am J e w i s h Theological Seminary of America in N e w Y o r k, das seinerzeit von Salomon S c h e c hter im Auftrage von Jacob H. Schiff reorganisiert wurde, haben sich zusammengetan und ein Standard work für das breite gebildete Publikum geschaffen, welches als Muster für derartige Werke angesehen werden kann. Herausgegeben wurde das Werk durch die J_ewish Pub 1 ication Society of America auf Kosten einer Dame namens Rosetta M. Uli mann, Williamsport, Pennsylvania. Ein Gedenkblatt ist ihr am Eingang des Buches gewidmet, auf dem eine Inschrift besagt: Miß Ulimann hat die Veröffentlichung gewünscht zur Förderung der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Sie hat eine bedeutende Summe dazu bestimmt, daß dieses Werk verfaßt und herausgegeben wurde, weil sie sich von der Verbreitung im jüdischen und nichtjüdischen Publikum eine Stärkung des Gefühls für Wahrheit und Gerechtigkeit versprach. Daß sie sich in dieser Erwartung nicht getäuscht hat, beweist das Urteil, das der berühmte Historiker Nicholas Murray Buttler, Präsident der Columbia University in New York über das Buch gefällt hat: „E s i s t e i n e wunderbare und gelehrte Durchführung eines Kapitels der Kulturgeschichte, in bezug auf welches keiner von uns sich leisten darf, ununterrichtet zu bleiben." Der stattliche Band Lexikon-Format ist außerordentlich schön, aber vornehm und bescheiden gedruckt und ausgestattet, umfaßt auf 740 Seiten eine klare und umfassende Darstellung der jüdischen Geschichte von der Urzeit bis auf die letzte Gegenwart, unter Berücksichtigung der neuesten Forschungen. Besonders eingehend ist die jüdische Geschichte in Amerika behandelt. Die Neuzeit ist überhaupt viel mehr als in allen anderen jüdischen Geschichtsbüchern berücksichtigt. Besonderen Dank wird man den Verfassern für die reichlichen „Zugaben" wissen. Da sind zunächst 15 Seiten Bibliographie fast ausschließlich die neueste Literatur berücksichtigend. Sodann 21 Blätter sorgfältig gearbeitete chronologische Tabellen, einundzwanzig zusammenlegbare Blätter, von denen jedes mindestens 3 Seiten umfaßt; da sind die Daten der jüdischen Geschichte in den verschiedensten Ländern nebeneinander geordnet, so daß der Leser für jede Periode den Gesamtüberblick leicht gewinnen kann; ferner ein Index von knapp 50 Seiten, der beinahe 4000 Schlagworte faßt und über die wichtigsten Persönlichkeiten und Ortschaften, die im Texte erwähnt sind, Aufschluß gibt; schließlich 15 schöne Landkarten. Da ist z. B. die Landkarte von Spanien aus dem Jahre 1469. Man findet darauf alle im jüdischen Spanien so berühmten Städte, die man auf einer neuen Karte dieses Landes nur schwer fnden oder vergebens suchen würde. Diese äußerst wertvollen Zugaben — Karten hatte bisher ein jüdisches Geschichtswerk fast niemals — sind auch für den des Englischen nicht Kundigen benützbar und äußerst wertvoll. Mit Neid blicken wir auf die Tätigkeit der Jewish Publication Association of America und denken im stillen: „Amerika, du hast es besser, als unser Kontinent der alte .... Lector. Briefe aus Hamburg. in. Du sublime au ridicule il n'y a qu'un pas. — Herr Ludendorff sucht die ihm im Felde entgangenen Lorbeeren im Kampf gegen die Juden, Jesuiten und Freimaurer zu erobern. Man müßte ihn eigentlich den größten Erfindern des Jahrhunderts zurechnen, denn er ist es, der herausfand, daß nicht etwa die große Uebermacht der feindlichen Heere, noch seine eigene geniale Strategie, sondern lediglich die „überstaatlichen Mächte", und das sind seiner Meinung nach die Juden im Bunde mit den Jesuiten und den Freimaurern, die tapferen deutschen Armeen niederrangen. Er führt diesen Kampf um „Wahrheit und Recht" in seiner Wochenschrift und da man ihm ein auskömmliches Ruhegehalt gewährt, so kann man der Sorge enthoben sein, daß es ihm je schlecht ergehen könnte. Im Kriege sympathisierte der „groiße deitsche Generol", wie er sich selbst bezeichnete, mit unseren polnischen Glaubensgenossen, an welche er seinen Aufruf „Zu die Jidn in Paulen" richtete. Man glaube nicht, daß wir uns hier in der freien Reichsstadt Hamburg nicht des Antisemitismus erfreuen! Dieses Sumpfgewächs, das seine besten Säfte aus dem Boden wirtschaftlichen Elends zieht, gedeiht auch bei uns und treibt Blüten, und während diese Zeilen zu Papier gebracht werden, dringt es von der Straße herauf aus den Kehlen einer Hitlerschar: „Haltet aus im Sturmgebraus!" Während im allgemeinen ein reges Vereinsleben in Hamburg pulsiert, muß man mit Bedauern feststellen, daß es mit der Abwehrtätigkeit leider schwach bestellt ist. Der Centraiverein unterhält hier kein Lokalorgan und die Wochenschrift des Schreibers dieser Zeilen mußte gleich nach ihrem Erscheinen im Februar d. J. aus naheliegenden Gründen eingehen. Das müßte angesichts der stabil erscheinenden hakenkreuzlerischen Presse doch zu denken geben! Unter den jüdischen Jugendverbänden ragt hervor der „Bar Kochba", der unter der Leitung seines verdienstvollen Turnwarts Rechern Hervorragendes für die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend leistet. Iri der „Deutsch-jüdischen Jugend" finden regelmäßig belehrende Vorträge statt-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.