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Die Wahrheit · 1929-06-28 · Heft 26 (28.6.1929) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 DIE WÄHfttffill fitmd und Literatur „Das neue Europa" (Zürich-Wien-Berlin). Durch die Lösung des Problems der Reparationen wurde auf dem Wege des wirtschaftlichen Wiederaufbaues in Europa ein neuer mächtiger Markstein errichtet. Einen weiteren großen Fortschritt zur Konsolidierung des Weltfriedens verheißen die Wahlen in England und die ihnen folgende Einschränkung der maritimen Rüstungen, die die zwei meerbeherrsefoenden Nationen nunmehr; ernstlich planen. Diese großen Fortschritte herbeigeführt zu haben, ist zunächst wohl das Verdienst jener erleuchteten. Geister, die Führer ihres Volkes sind and auf die große Mehrheit der kontinentalen und überseeischen üeffentlichkeit bestimmend einzuwirken wissen, aber es ist auch ein Verdienst der internationalen, unverdrossen und zielsicher daran mitarbeitenden Welt-Friedenspresse. Seit 15 Jahren sehen wir immer in ihren vordersten Reihen die von Doktor, Paul Hohenau so klug und erfolgreich geleitete Zeitschrift „Das neue Europa". In Ihrer soeben erschienenen Juni-Juliausgabe begegnen wir wieder Namen von internationaler Geltung und alle diese Artikel sind Manifestationen des ehrlichen Friedenswillens. George Lechartier. ein Publizist von Rang und Bedeutung und Mitglied der Carnegie-Friedens- Stiftung, erklärt Entstehung und Ansehen des Kellog-Paktes und Nicholas Murray Butler, der Präsident dieser Institution, und einer der geistigen Urheber dieses Friedensinstrumentes, sagt, wie dasselbe weiter ausgearbeitet werden müsse, Wickhain S t e e d spricht in der ihm eigenen überzeugenden Weise von der „Organisation des Friedens". Der ungarische Völkerbunddelegierte Paul v. Hevesy weist auf neue friedliche Lösungsmöglichkeiten europäischer Streitfragen hin. Besonderer Aufmerksamkeit würdig sind die Artikel vom amerikanischen Senator William King über Abrüstung und Völkerbundarbeit, vom Botschafter und Senator Henry Berenger über die französischen Schuldverpflichtungen an die V. St., von Maxini G. Kaiaw über den ehemaligen Generalgouverneur der Philippinen und heutigen Staatssekretär Henry K. Stimson und Henry Fords über die Rationalisierung der Agrikultur. Die Ausführungen von Frank A. V a n d e r 1 ip, der Gräfin Treuberg. Rom, des bulgarischen Gesandten Theodor Nedkoff. der Amerikanerin Lülian Hendrick u. a. m. bilden weiters interessante Beiträge. Auslieferung Wien IX., Türkenstraße 9. A. Friedmans. 50 Jahre in Berlin. (Berlin 1929, C. Boas Nachf.) Der Verfasser, der in dieser seiner jüngsten Veröffentlichung seine Erlebnisse und Eindrücket während eines halben Jahrhunderts kantoralen Wirkens schildert, bekundet hier, wie in seinen früheren Schriften, seine Gabe fesselnder Darstellung. Von einer großen Anzahl bekannter Persönlichkeiten, mit denen er in Berührung kam, weiß er Neues und Beachtliches zu erzählen. Prof. Steinthal beklagt sich bei' F. iütoer die Trockenheit des Berliner Gottesdienstes am 9. Ab, worauf F. ihn auf die Sulzerschen Kompositionen hinweist, die er selbst in seiner litauischen Heimat gehört hat. Vorübergehend wurden sie auch in Berlin gesungen. Einen breiten Raum nimmt in diesen Erinnerungen, wie begreiflich, Lewandowski ein. Als F. ihn bei einer Aufführung von Händel's Samson auf eine Aehnlichkeit mit einem seiner Psalmen aufmerksam macht, erhält er die Antwort: „Denken sie etwa, ich werde mir einen Chasan zum Muster nehmen? Ich habe mir Händel zum Muster genommen." L. sagte einst zu F.: „Wae nicht Gott ohne seine Engel sein kann, kann ich nicht ohne Chasanim sein." L. war bekanntlich nicht Chasan und war auf den Rat von Fachleuten wie F. angewiesen. Als 1910 in der Singakademie das Oratorium „Ruth" von G. Schumann zum ersten Male aufgeführt wurde, in dem Melodien aus Sulzers „Schir Zion" verwendet sind, machte F. in einer Rezension auf diese Entlehnung aufmerksam. So enthält die Schrift manches Material zur Zeitgeschichte, besonders soweit sie diu den Lebensrahmen des Verfassers fällt. iiha ahmt i Mi llir WIEN i, )|III* Seltensftettengasse2 Tel. U 28-1-28 ►ff neben dem l. Tor, Tel. U18-0-85 S. Grüners Restaurant ID., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 Vorzügl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. Rabbi Jehuda L. Zlotnik, Koheleth. Montreal 1929. (Selbstverlag.) In prachtvoller Ausstattung behandelt dieses jüngste Werk des bekannten Jiddischisten' und Folkloristen das unzählige Maie erörterte Koheleth-Problem. Streng kritisch, aber doch maßvoll setzt sich Zlotnik mit den oft geradezu grotesken Konstruktionen auseinander und gelangt bei nüchterner Abwägung aller einschlägigen Instanzen zu dem Ergebmfe, daß hier tatsächlich ein Werk des Königs Salomon vorliegt. Ueberzeugend wirken besonders die sprachlichen Erwägungen sowie die psychologischen Argumente, die zugleich die Biographie des weisen Königs neu beleuchten. Das Buch ist mit einer Wärme geschrieben, die den sachlichen Ernst der Beweisführung noch eindrucksvoller hervortreten läßt. A. Singalowski, Aufbau und Umbau, Berlin 1928. Philo-Verlag, M 1.50. Die Frage des jüdischen Wirtschaftslebens in Osteuropa, eine der wichtigsten des Judentums der Gegenwart, wclrd hier mit einer Klarheit behandelt, die das Heftchen jedem unentbehrlich macht, der sich mit dem jüdisch-sozialen Gesamtproblem beschäftigt. Aber auch dem Historiker bietet die unter diesem Gesichtspunkt durchgeführte Gruppierung bekannter Tatsachen Belehrung und Anregung. Isr. Schapira, Der Antisemitismus in der französischen Literatur. Berlin 1927, Philo-Verlag, M 3.25. Obwohl im Kern des Buches nur der bekannte französische Judenfeind Drurnond und seine Vorgängen stehen, gewinnt es doch durch die Weite der Gesichtspunkte und die Gründlichkeit der Quellenforschung die Bedeutung einer Einführung in die Geschichte des Antisemitismus auch außerhalb Frankreichs. Es wird manchen überraschen, unter den Gilde der Judenfeinde so manchem Autor zu begegnen, den man nach seinen bekannteren Werken nie in dieser Gemeinschaft gesucht hätte. Briefe an Auguste Hauschner. Herausg. von M. Beradt und L. Bloch-Zatrel, (Berlin 1929, Ernst Rowohlt). Die Herausgeber verdienen Dank dafür, daß sie uns diese Briefe einer Frau erhalten haben, die, eine treue Jüdin, mitten in regem Gedankenaustausch mit einer großen Anzahl führender Geister, darunter meist Juden, gestanden hat. Fritz Mauthner', ihr Landsmann, Gustav Landauer, Max Harden, Max Brod u. a. liefern hier Dokumente, die für die Zeit und ihre Vertreten bezeichnend sind. Große Jüdische National-Biographie von S. W i n i n g e r. Die soeben ausgegebene Lieferung dieses umfangreichen Monumentallwerkes bringt auf 80 Doppelseiten eine Anzahl äußerst interessanter Biographien berühmter Juden, von welchen wLr nur erwähnen: Ludwig Lichtheim, der zu den führenden Klinikern Deutschlands gehört und der letzte aus der großen Zeit der deutschen Medizin war; die Liiebermanns, und zwar Ahron Samuel, einer dar ersten SozialistewfühTer in Rußland, Carl Theodor, der Präsident der deutsch-chemischen Gesellschaft, Felix, der große Historiker und dessen Bruder Max, der als Präsident der Akademie der Künste, Berlin, der bedeutendste deutsche Vertreter des Impressionismus ist; Efraim Moses Lilien, der Meister der Schwarz-Weiß-Technik: Moses L. Lil'ienblum, der geschätzte Vorsteher der nationalistischen Literatur in Hebräisch; Otto Lilienthal, der Bahnbrecher der Flugtechnik; Isak. Linietzki, der bekannte jidd. Schriftsteller; Siegfried Lipiner, der feurige Dichter, dessen Lyrik immer wieder religiöse Themen anschlägt; Karpel Lippe, der große rumänisch-hebräisch-jüdische Polemiker und Apologet, der 1897 als Alterspräsident den ersten Zionistenkongreß in Basel eröffnete; Gabriel Lippmann, der Nobelpreisträger und Professor für Physik an der Sorbonne; Ernst Lissaueir, der ausgezeichnete Dichter und Kritiker, über dessen „Haßgiesang gegen England" seinerzeit sich die nationalistische Presse so sehr erregte; der berühmte Physiologe und Nobelpreisträger Jacques Loeb. Bestellungen durch jede Buchhandlung oder durch den Herausgeber S. Wininger, Czernowitz.

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