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Die Wahrheit · 1929-06-28 · Heft 26 (28.6.1929) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite il Die Erben des Rabbi Tableau, Es ist noch nicht lange her, daß der „Völkische Beobachter" aus dem zusammenfassenden ironischen Schlußwort eines Aufsatzes lin einer jüdischen Zeitung „T a b 1 e a u" einen Rabbiner des gleichen Namens machte und gegen diesen das Deutschtum lästernden „Rabbi Tableau" wütend zu Felde zog. Blinder Eifer, verbunden mit mangelnden französischen Sprachkenntnissen, hatte hier e&raen alle Unbeteiligten herzlich erfreuenden Reiniall hervorgerufen. Das logische Gesetz, daß gleiche Voraussetzungen zu gleichen Ergebnissen führen, hat sich neuerdings an einem niedlichen Begebnis bewahrheitet, in dessen Mittelpunkt Emil Ludwig steht. Die gesamte, judenfeindliche Presse kann Herrn Ludwig die Form seiner Darstellung historischer Persönlichkeiten — in erster Linie Bismarcks und Wilhelms II. — nicht verzeihen und findet als Hauptargument gegen ihn die Tatsache, daß sein Vater Cohn hieß. Cohn hören — und für vernünitige Erwägungen unzugänglich zu sein, ist für diese Blätter eins. Was tut man also, wenn man eine Notiz liest, in der es von Emil Ludwig folgendermaßen heißt — „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, daß ich nun den Menschensohn hinter mir habe! Wie Sie aus den Waschzetteln wissen, lebe ich mich in die zu biographdenenden Personen immer so intensiv ein. daß ich beispielsweise bei Bismarck kahl, bei Napoleon genial und bei Wilhelm dem Zweiten größenwahnsinnig wurde. Außerdem störte mich bei letztgenanntem Werke ein kaum unterdrückbarer Trieb zum Holzhacken und Heiraten. Malen Sie sich aus, wie ich beim Menschensohn gelitten habe! Dafür habe ich noch "höhere Prozente verlangt. Zur Erholung werde ich mich jetzt in Casanova einleben. Sehen Sie, die Kleine da drüben winkt schon." — man übersieht, daß es sich um einen Scherz der bekannten satirischen Wochenschrift „Simplizissimus", in dem Emil Ludwig unter das satyrische Vergrößerungsglas gelegt wurde, handelt, wie er in gleicher Form aber auf andere Schriftsteller und Künstler angewendet wurde, und wüteit gegen „Cohn" mit „Selbstentlarvung", „Selbstbekenntnis", „Prozente für Golgatha". Blinder Eifer und mangelnde Sprachkenntnisse diesmal des deutschen Sprachgetühles ergeben ReinfaiÜ. Man sieht: Die Rechnung stimmt. Tableau! Das Grab des „Baal Schern" gefährdet. Eine aus Rußland eingetroffene Meldung besagt, daß das Grab des „Baal Schern", des Schöpfers der chassiüischen Bewegung, im Dorfe Mezwisch (Mezerisch) in Gefahr ist, behördlichen Maßnahmen zum Opfer zu fallen. Der alte jüdiche Friedhof in Mezerisch wird aufgehoben; sämtliche Gräber rings um den Ohel (das Zelt über dem Grabe des „Baal Schern") wurden bereits zerstört. Die jüdische Gemeinde überreichte den Behörden eine Bitte, das Grab des „Baal Schern" unversehrt zu lassen. Aus SowJet„iudäa". In der sowjetrussischen Republik sind im vergangenen Jahre — laut einer eben veröffentlichten offiziellen Statistik — 354 orthodoxe Kirchen, 59 Synagogen. 38 mohammedanische Moscheen und 38 Klöster geschlossen und zu Volk skinos umgebaut worden. Die Synagoge in Chabarowsk im fernen Osten, die 1904 von jüdischen Soldaten des russisch-japanischen Krieges erbaut wurde, wurde in ein Museum für proletarische Kunst umgewandelt. Eine Anti-Missionsgesellschaft in der Türkei. In Konstantinopel hat sich eine Gesellschaft zur Bekämpfung der christlichen Missionstätigkeit gebildet. Die gesamte türkische Presse bespricht wohlwollend die Ziele der Gesellschaft und verurteilt scharf die Methoden der christlichen Missionäre in der Türkei. Es wird die Erwartung ausgesprochen, daß auch Juden der Gesellschaft beitreten werden, da allein in Konstantinopel gegenwärtig 1400 jüdische KSnder fn den Missionsschulen unterrichtet und im Sinne der Mission beeinflußt werden. So geschehen in — China. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurden die christlichen Missionäre in China des Ritualmordes an chinesischen Kindern beschuldigt Das Volk wurde systematisch gegen die Christen aufgehetzt, Plakate berichteten von christlichen Blutmorden. Der in Schanghai erscheinende „Ostasiatische Lloyd" berichtet in seiner Nummer vom 10. Juni 1892, wie man dort die gefährlichen Hetzer bestraft: „Proklamationen gegen die Verbreiter dieser Plakate sind erlassen und verschiedene Schuldige bereits eingefangen worden, die zur Strafe in Ketten in den Straßen paradieren müssen, um den Hals den Holzkragen tragend, auf dem geschrieben steht: „Für das Erfinden von grundlosen Gerüchten, um das Volk aufzuhetzen." Der Ursprung von „Chad Gadjah". Prof. H. Grimme, Münster, widmet der vor kurzem neu herausgegebenen „Offenbacher Haggada" einen Aufsatz und beiaßt sich zum Schluß mit dem „Kettenlied" vom „Zicklein" („Chad Gadjah"), das der Haggada angeschlossen ist. Er weist auf die Deutung Dr. Guggenheims hin, der darin ein mittelalterliches, urspünglich deutsches Volkslied sieht, und meint, für ein solches scheinen es auch die Sammler von „Des Knaben Wunderhorn" gehalten zu haben, in dessen dritten Teil es aufgenommen ist. Prof. Grimme meint jedoch, daß das deutsche Volkslied eher von dem Chad Gadja abstammt. Er schreibt: „Es gibt ein Kettenlied, das in Nordwestdeutschland, vor allem in Münster bei der „Lambertusfeier" der Kinder viel gesungen wird, und das nach dem Anfang „Der Herr schickt den Jäger aus — Der sollt die Birnen schmeißen" ganz wie in dem jüdischen Liede, nur in umgekehrter Reihenfolge, Stock, Feuer, Wasser. Ochsen, Metzger, endlich den Teufel auftreten läßt. Das jüdische Lied kann nicht aus dem deutschen entstanden sein, wohl aber das deutsche aus dem jüdischen, und zwar wird sein Schluß „Der Herrgott schächtete den Todesengel, der geschächtet den Schlächter, der geschächtet den Ochsen usw", unter Verdrehung von „schächtete" in „schickte", von „Herrgott" in „Herrn", von „Todesengel" in „Teufel" die Motive zu einem neuen Liede gegeben haben. Das Zicklein, das der Vater gekauft, wird das jüdische Osterlamm sein; wenn das deutsche Lied diesen Hauptzug des jüdischen nicht hat und Nebensächliches zur Hauptsache macht, so spricht das für Alter und Priorität des jüdischen und spätere Entstehung des-deutschen Liedes. Der Gedanke einer Entlehnung aus jüdischer Quelle liegt um so näher, als noch ein anderes Hauptlied der Lambertusfeier im „Zahlenlied" der Pessachfeier wurzelt und nur im christlich gefärbten Inhalt der Zahlengruppe von jenem abweicht. — So sieht man, wie die jüdische Pessach-Haggadah schon im Mittelalter die Augen der Christen auf sich gezogen und mit gewissen naiv-kindlichen Einzelheiten zur Nachahmung gereizt hat. Möge auch der gedankenreichen Offenbacher Haggadah beschieden sein, wie von jüdischer Seite so auch von christlicher Seite beachtet und in ihrer versöhnlichen Tendenz verstanden zu werden." Zwangsversteigerung eines orthodoxen Tempels und Friedhofes. Wie „Kassai Ujsäg" berichtet, wurden vor einigen Tagen sämtliche der jüdischen Gemeinde Sabinov gehörenden Immobilien (Tempelgrund, Friedhof, Beamtenwohnhaus) in öffentlicher Versteigerung verkauft. Ein Advokat, namens Dr. Bela Prokopovits, hat dieselben erworben. In der Gemeinde erregt die Zwangsversteigerung des Gemeindebesitzes starke Erregung. Marienbadüf Franzensbad %fgbAvWT„So(benerS4tüss<il" ~W Granö Restaurant „mstenffof 1^3 streng orthodoxe Küche 1^3 SifflOI) RdSl) *lt£0 streng orthodoxeKBcheUM

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