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Die Wahrheit · 1929-06-28 · Heft 26 (28.6.1929) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT soll aber, wie vertraulich erzählt wird, überdiies noch bemerkt haben, die Juden wüßten gar nicht, mit welchem Stolz sie sich sagen dürften, daß sie durch die Uebergehung bei dien „Heldenernennungen" davor geschützt wurden, Mitglieder einer Gesellschaft zu sein, der nunmehr auch ein — Ivan Hejjas angehört, der in der Zeit des weißen Terrors zahlreiche jüdische Bürger Ungarns in verschiedenen Orten peinigen und hinrichten ließ. Auch der Antisemit Oömbös, jetzt Staatssekretär im Landesvei-teidigungsministerium, befindet sich unter den „Helden". Weltkonferenz der radikalen Zionisten. In Warschau tagte vor kurzem die Weltkonferenz der radikalem Zionisten, die ganz interessante Ergebnisse zeitigte. Der sicherlich besonders radikale Präsident dieser zionistischen Fraktion, der polnische Sejimabgeordnete Jizchak Grünbaum sprach sich nunmehr, da der Kampf um die Erweiterung der Jewish Agence mit dem Sieg der Weizmann-Richtung beendet sei. f ü r einen Eintritt der1 Radikalen in die Agency aus, um innerhalb derselben für deren „Demokratisierung und Nationalisierung" zu kämpfen. Unserem Robert Stricker war das nicht radikal genug, er trat als Ueberradikaler dem Vorschlag Grünbaums entgegen, da er glaube, daß die Radikalen in der Agency. wenig ausrichten werde. (Weil Siricker sonst mit seiner Politik so viel ausgerichtet hat.) Er hatte aber mit seinen Gegenargumenten nicht viel Glück, denn die Konferenz beschloß mit allen gegen neun Stimmen folgende Resolution: „Die Weltkonferenz des Verbandes der radikalen Zionisten erhebt in letzten Stunde noch einmal ihre Stimme gegen die Politik der Erweiterung der Jewish Agency in der geplanten Form und erklärt, daß diese Politik den elementaren zionistischen und demokratischen Prinzipien widerspricht. Sollte der Kongreß die Erweiterung der Jewish Agency in der geplanten Fonm endgültig ratifizieren, so werden wir unter dem Zwang der Verhältnisse uns genötigt sehen, uns ander Bildung der Organe der Agency zu beteiligen, um innerhalb derselben zu versuchen, die von uns vertretenen Prinzipien für den Aufbau Palästinas durchzusetzen und mit ungeschwächter Kraft unseren Kampf für die Demokratisierung der Jewish Agency fortzuführen." Und so muß Herr Stricker seinen Wahlaufruf für die diese Woche stattfindenden Wahlen zum 16. Zionistenkongreß mit den Worten einleiten: „Wir haben treu bei der Organisation, (deren Exekutive Herr. Stricker bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit angreift. D. Red.), für deren Souveränität wir gestritten haben, und gehen mit ihr in die erweiterte Agency." Armer Stricker, wie hast du dich verändert ..... Die Nationalsozialisten bleiben beim Ritualmord. In der letzten Sitzung des Bayrischen Landtages verlangte die Fraktion der Nationalsozialisten eine Aussprache über „Ritualmord". Als Vizepräsident Auer (Sozialist) eine solche Aussprache nicht zuließ, weil hierüber erst beim zweiten Abschnitt des Kultusetats gesprochen werden könne, schlugen die Nationalsozialisten Lärm. Vizepräsident Auer ließ abstimmen, wobei die Forderung der Hitlerfraktion abgelehnt wurde. Der Hakenkreuzler D. Hellmuth erklärte, die von uns gemeldeten Aeußerungen des Kultusministers, daß die Juden deutsche Volksgenossen seien und daß ein moderner Mensch an Ritualmord nicht glauben könne, zwinge des Redners Fraktion zur Ablehnung des Ministergehalts. Der Vizepräsident unterbrach den Redner mit der Bemerkung, daß hierüber eine Debatte nicht zugelassen sei, worauf großer Lärm der Hitlerianer und große Unruhe auf JAC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II., Glockengasse 24 Telephon R 48-4-79 der Linken entstand. Als Abgeordneter Scharnagl (Bayerische Volkspartei) den Hitler-Leuten vorwarf, daß sie fortwährend die Würde des Parlaments aufs gröbste verletzen, folgten heftige Zwischenrufe und der Vizepräsident konnte sich minutenlang kein Gehör verschaffen. Erst allmählich legte sich der Lärm, der ja das Um und Auf der Hitler-Luute ist. Besseruns in Ungarn? Kürzlich gab es in Budapest eine Gerichtsverhandlung wegen antisemitischer Studentenexzesse, die sich voriges Jahr in Budapest abgespielt haben. Allerdings war kein antisemitischer Radaustudent angeklagt, sondern nur ein Jude, der sich gegen die Ausschreitungen zur Wehr gesetzt hatte. Dieser Jude, zufällig ein athletisch gebauter Fleischhauer, hatte einem der krakeelenden Studenten, die ihn angestänkert hatten, eine Ohrfeige versetzt. Der Fleischhauer wurde zu einer Geldstrafe von 200 Pengö verurteilt. Immerhin muß man es freudig begrüßen, daß der Gerichtshof in der Urteilsbegründung folgendes aussprach: „Es ist sehr bedauerlich, daß bisher kein einziger der provozierenden Studenten vor Gericht gestellt wurde. Als Milderungsgrund ist der Seelenzustand in Betracht zu ziehen, in dem sich der Angeklagte befand, als er, in seiner Eigenschaft als jüdischer Staatsbürger sah, wie man seine Glaubensgenossen, die auf Grund gesetzlicher Bestimmungen auf die Universität gelangt waren, von dort mit Fausthieben und Stockschlägen vertrieben wurden." Sollte diese Urteilsbegründung das Zeichen einer Besserung der politischen Verhältnisse in Ungarn sein? Wir wollen es nicht verschreien! Professor Dr. Wilhelm Kahl. In diesen Tagen feierten ganz Deutschland und die rechtsgelehrte Welt des Auslandes, auch Oesterreich war durch den Rektor der Wiener Universität, Prof. Dr. I n n i t z e r vertreten, den 80. Geburtstag des Berliner Straf-, Staats- und Kirchenrechtlers Professor Dr. D. Wilhelm Kahl, Mitglied des deutschen Reichstages. In seltener Einmütigkeit ehrte man den Mann und sein Werk; eine Tatsache, um so bemerkenswerter, als der Jubilar nicht allein in der Gelehrtenstube, sondern auch auf der Tribüne der Politik wirkt. Als Vorsitzender des Reichstagsausschusses für die Strafrechtsreform leitet er mit bewunderungswürdigem Geschick und umfassendem Wissen diese wichtige gesetzgeberische Arbeit. Mit dem praktischen Blick des Politikers hat er immer wieder die Probleme gesetzgebeiisch zu gestalten gesucht, die im politischen und kulturellen Leben des deutschen Volkes Entscheidung forderten. Gerade in diesen Verhandlungen hat sich gezeigt, daß das Ansehen Professor Kahls trotz aller politischen und weltanschaulichen Gegensätze von fast allen Parteien in gleicher Weise gewürdigt wird. Diese Gunst der verschiedensten politischen Richtungen hat er sich durch seine juristische Meisterschaft und seine richtunggebenden gesetzgeberischen Vorschläge, in erster Linie aber durch seinen tiefen Gerechtigkeitssinn erworben. Auch die deutschen Juden fanden immer bei Geheimrat Kahl Verständnis und Förderung für berechtigte Forderungen. Als nach Kriegsende die jüdischen Gefallenen geschmäht wurden, nahm Wilhelm Kahl Gelegenheit, in öffentlicher Versammlung gegen diese Schande zu protestieren und jeden, der für das Vaterland ins Feld gezogen war, als einen bewährten Deutschen anzuerkennen. Staatliche Beihilfe für die jüdische Konfession in Jugoslawien. Das neue Budget des jugoslawischen Königreiches enthält die folgenden Posten für Zwecke den jüdischen Konfession: für das Großrabbinat und 13 Rabbiner 221.000 Dinar. Teuerungszulagen für jüdische Seelsorger, deren Witwen und Waisen 810.120 Dinar. Subventionen der jüdischen Theologischen Anstalt 100.000 Dinar. Die Beträge werden dem JuV dischen Gemeindebund zur Verfügung gestellt. Der Gesamtbetrag der staatlichen Beihilfe im Zeiträume 1. Mai 1929 bis 30. April 1930 für die jüdische Konfession ist 1,131.220 Dinar. Auch DetaU verkauf zu Fabrikspreisen! 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