Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 26 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3064197-3064222--17275-3087389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Dlfe WAHRHEIT t*®^ Seite 9 das Bundeskanzleramt gewendet, Beschlüsse gewisser Sommerfrischen, jüdischen Gästen das Aufenthäl tsrecht zu entziehen, als gesetzwidrig aufzuheben. Es braucht wohl nicht betont zu werden, daß das Vorgehen dieser Sommerfrischen, jüdische Gäste fernzuhalten und zwischen Erholungsuchenden konfessionelle Unterschiede zu machen, nicht nur den Staatsgrundgesetzen und dem guten Geschmack widerspricht, sondern auch geeignet ist, den Fremdenverkehr auf das schwerste zu schädigen. Während in ganz Oesterreich alles aufgeboten wird, um den Fremdenverkehr zu heben, werden gerade von kleinen Sommerfrischen, die auf Gäste dringend angewiesen sind, solche unvernünftige Beschlüsse gefaßt, die nicht genug gebrandmarkt werden können. Wir sind nun neugierig, ob diese Resonanz, die die Aktion der „Union deutsch österreichischer Juden" in der Auslandspresse und bei wichtigen Blättern des Inlandes gefunden, das Bundeskanzleramt veranlassen wird, die Sache mit der nötigen Energie zu betreiben. Bisher ist eine Antwort von dort nicht erfolgt. Praterzusammenkünfte der „Union". Donnerstag, den 20. d. M., fand die erste der für den Sommer alle vierzehn Tage geplanten Praterzusammenkünfte der „Union" statt. Zahlreiche Mitglieder und Freunde der „Union" hatten sich im 1. Cafehaus eingefunden, wo ein reservierter Gartenteil die Gäste aufnahm. Die Teilnehmer an der Zusammenkunft unterhielten sich sehr lange in angeregtem Gespräche und allgemein war die Meinung vertreten, daß diese Veranstaltungen geeignet seien, den Kontakt zwischen den Mitgliedern auch während der Sommermonate aufrecht zu erhalten. Die nächste Zusammenkunft findet Donnerstag, den 4. Juli, 8 Uhr abends, im gleichen Etablissement statt und soll diesmal Vorsorge getroffen werden, daß auch die Möglichkeit für Ansprachen führender Herren der „Union" und eine öffentliche Diskussion über aktuelle jüdische Fragen geschaffen wird. Die Vereinslieitung hofft deshalb mit Bestimmtheit darauf, daß ihrer Einladung für diese zweite Zusammenkunft wieder recht viele Mitglieder und Freunde der „Union" Folge leisten werden. KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HERn/INN EBENSF/IWQER WIEN IX., LATSCHKAGASSE 4 / TEL. A16-5-15 ZGritAafatnarffe» Ungarische Nationalhelden. Graf Bethlen hat seinerzeit die von dem Abgeordneten Paul Sandor vorgebrachte Beschwerde, daiS bei den nach tausenden zählenden „fieldenernennungen", die mit der Verleihung eines „fleldengutes"' verbunden sind, die jüdischen Frontkämpier vollständig übergangen wurden, mit der Erklärung beantwortet, er werde sich bemühen, Remedur zu schaffen. Es ist ihm dies nicht gelungen. In dem Horthy-Ungarn, das an das Gewissen der Welt appelliert, um Gerechtigkeit für seine in fremden Staaten lebenden Minoritäten zu finden, glaubt man offenbar, man habe die jüdischen Staatsbürger für diese ihnen zugeführte kleine Beeinträchtigung reichlich durch mehrfache Bevorzugung in anderer Beziehung entschädigt. Es wurde nämlich dokumentarisch festgestellt, daß nicht, wie schuftige Lügner in Wort und Schrift verbreiteten, bloß 500 jüdische Frontsoldaten den Heldentod für das Vaterland fanden, sondern eine das perzentuelle Verhältnis übersteigende Zahl von mehr als 10.000. Es wurde festgestellt, daß der König Karl, Erzherzog Josef und die namhaftesten ungarischen Generale während des Krieges wiederholt in der rückhaltlosesten Weise das höchste Lob der Tapferkeit den jüdischen Soldaten gezollt hatten. Es wurde festgestellt, daß zu der Bodenabgabe (aus der die „Heldengüter" stammen), jüdische Gutsbesitzer in einem weit das perzentuelle Verhältnis übersteigendem Maße herangezogen wurden. Es ist schließlich festgestellt worden, daß unter den mit den höchsten Tapferkeitsmedaillen ausgezeichneten Soldaten die jüdischen Offiziere in einem das perzentuelle Verhältnis außerordentlich übersteigenden Maße vertreten sind. Damit könnten wirklich die Juden, wenn sie nur ein wenig Bescheidenheit gelernt hätten, mehr als zufrieden sein. Herr v. Horthy lienorah Kerzen sowie Menorah Jahrzeiilidif IIWIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIIIM "nnwh (garantiert 24 ständige Brenndauer) Beste anerkannte Qualität In allen einschlägigen Geschäften zn haben Man achte genau auf die gesetzlich geschützte Menorah als Fabriksmarke Mendel rrledmonn d Sohn, Wien II., Proterstrafle 66 Telephon tt 40-8-17 Die jüdische Kultusgemeinde in Subotica sucht einen Oberkantorstellvertreter-Chordirigenten, der ein musikalisch gebildeter Sänger ist. Reflektanten, nur unter 40 Jahren, müssen als Oberkantor-Stellvertreter, auch als Bai Tefillah und Bai Kore wirken können. Reflektanten, die die Schechita verstehen, haben Vorzug. Die mit glaubenswürdigen Zeugnissen versehenen Offerte sind bis 1. August 1929 an die Adresse „Jevrejska Veroispovedna Opstina, Subotica", einzusenden. Gehalt und die üblichen Einkommen laut üebereinkunft. Die diesbezüglichen Ansprüche sind in dem Gesuche anzugeben. Subotica, 16. Juni 1929. Dr. Emmerich V i d o r, Sekretär. Dr. Adolf Klein, Präsident. m