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Die Wahrheit · 1929-06-28 · Heft 26 (28.6.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 26 (28.6.1929)
Date
1929-06-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 DIE WAüfeHM n riStfentUckuncieix der Uttictt eleutecKcet QVve i clxiscKcv Ott elvi* __ KT JieMöbWtoilX.'BevgQarra 4 Telefon 19J2-77 Gegen die „judenreinen" Sommerfrischen. Die Eingabe der „Union deutsch österreichischer Juden" an das österreichische Bundeskanzleramt wegen der „judenreinen" Sommerfrischen, die wir jüngst in unserem Blatte vollinhaltlich wiedergegeben haben, hat in der Oeffentlichkeit ein Echo gefunden, wie es die: Kundgebung einer jüdischen Körperschaft schon lange nicht ausgelöst hat. Die freiheitliche und die jüdische Presse hat eingesehen, um welch' wichtige staatsbürgerliche Prinzipien der Gleichberechtigung hier der Kampf geht und die Eingabe mit richtigem Verständnis behandelt. Durch die Jüdische Telegraphen- Agentur wurde ihr Inhalt der jüdischen Presse des Auslandes bekanntgegeben, die von dieser Nachricht starken Gebrauch machte. Aber auch das führende bürgerliche Blatt Wiens, die „Neue Freie Presse", hat im Abendblatt vom 21. d. M. die Angelegenheit* in einem Leitartikel zum Gegenstand folgender Erörterungen gewählt: Gegen den Antisemitismus in der Sommerfrische. Eine Kundgebung für die bürgerliche Gleichberechtigung. Die Vorgänge an der Universität beweisen, daß die Seuche des Antisemitismus in Oesterreich noch keineswegs ausgestorben ist. Die Zumutung an den Rektor, die Ordnungsgewalt aus der Hand zu geben, die . Radauelemente von jeder Strafe freizusprechen und einem Ultimatum mit der Frist von einer halben Stunde zu gehorchen, muß geradezu Erstaunen erwecken. Das sind Verhältnisse, die unbedingt und so rasch als möglich abgestellt werden müssen. Es ist traurig genug, daß der Rektor gezwungen war, Polizeiassistenz in Anspruch zu nehmen, und daß die Rampe, also schon beinahe akademischer Boden, von der Sicherheitswache hat besetzt werden müssen. Ein weiteres Kapitel des Antisemitismus wird berührt durch eine Kundgebung der „Union deutschösterreichischer Juden". Dieser Verein protestiert in sehr ernsten Worten gegen die Unsitte mancher Sommerfrischen, das Publikum konfessionell einzuteilen und je nach dem Glaubensbekenntnis als erwünscht oder als „unerwünscht" zu bezeichnen. Dabei macht es keinen Unterschied* ob man brutal mit einem Verbot vorgeht und direkt ein Privilegium für bestimmte Staatsbürger zu Ungunsten der anderen schafft, oder ob vorsichtigere Redensarten gebraucht werden, die doch denselben Effekt haben. Wir glauben, daß in diesen Zeiten schwerster wirtschaftlicher Not wirklich die Gemeinden andere Sorgen haben sollten als die Abschreckung der Sommergäste. Den Gemeinden in Oesterreich geht es so schlecht, daß sie tatsächlich die Gäste sehr notwendig brauchen, mögen sie nun dieser oder jener Konfession zugehören. Wir glauben auch, daß es keineswegs in der Tendenz dieser Gemeinden liegen kann, gerade solche Besucher zu kränken, die eher zu Geldausgaben geneigt sind. Wozu also eine gehässige Politik, die doch immer nur den Unschuldigen trifft und niemals ihren Zweck wirklich erfüllen kann? Wozu also eine Verletzung der Staatsgrundgesetze, wie sie in der Beschwerdeschrift der „Union deutschösterreichischer Juden" mit Recht gegeißelt wird? Die Armut und die Entgüterung sind interkonfessionelle Erscheinungen in Oesterreich. Die Reichen und Protzigen werden sicherlich nicht Orte wählen, die, abseits vom großen Weltverkehr in ziemlicher Einsamkeit gelegen, keineswegs jene Gelegenheiten mondäner Vergnügungen enthalten wie die großen Kurorte und die beliebten Karawansereien. Wer sich einen solchen österreichischen Ort zum Sommeraufenthalt wählt, tut dies deswegen, weil er muß und weil er durch die Geringfügigkeit seiner Mittel und das Wirtschaftselend zu einem Lebensstandard gezwungen ist, der gerade noch die Möglichkeit eines Erholungsurlaubes einschließt. Die Zeit dieser beruflichen Entspannung sollte wirklich nicht verbittert werden durch solche ganzunnöti geBeleidigungen. Die österreichische Landschaft ist so friedlich, die Bewohner dieser Ortschaften sind im allgemeinen so sehr geneigt, die Lebensdinge ohne Aufregung und ohne Nervosität zu betrachten, daß jedes Haberfeldtreiben als etwas Künstliches wirkt, als etwas, was von außen her aufgepfropft wird. Dabei sind konfessionelle Engherzigkeiten sehr schädlich, sie bringen viel größere Nachteile als Vorteile. Die Schönheit des kleinen Oesterreich sollte wirklich nicht entstellt werden durch Elemente des Hasses .... Im Anschluß an diesen sicherlich scharfen Artikel brachte die „Neue Freie Presse" einen Auszug aus der Eingabe und eine genaue Wiedergabe des Begehrens der „Union" an das Bundeskanzleramt. Auch das „Neue Wiener Journal" beschäftigte sich am 22. d. M. in folgender „Antisemitismus und Sommerfrische" überschriebenen Notiz mit der Eingabe: Die „Union deu t s ch ös t er r ei chiK scher Juden hat sich mit dem Ansuchen an

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