Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 26 (28.6.1929)
- Date
- 1929-06-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 regnet". Der „Dötz" steht da schon das Idealbild jenes anderen Zeit genossen vor Augen, der, nach dem Empfange einer mächtigen Ohrfeige, lächelnd stolz erzählte, man habe zärtlich seine Wange gestreichelt. Ego. Die Weltkonferenz jüdischer Frauen in Hamburg. Von John Jacobson«, Hamburg. (Schluß.) Frau Paula Ohlendorf!, als erste Referentin der nächsten Sitzung, verbreitet sich ausführlich über die soziale Frauenarbeit in den verschiedenen Ländern. Die Not ist heute international, deshalb bedarf sie internationaler Lösung. Ein doppeltes Schicksal hat die Frau, die zugleich Mutter ist Keine „Wohltätigkeit" wollen wir, sondern Selbsthilfe. Das Judentum kennt den jabrtausende alten Begriff „Zedakah", nicht aber den Begriff des Wohltätigkeitsfestes. Eine solche Veranstaltung ist im jüdischen Sinne irrelevant. Der Not, der am ersten zu steuern ist, ist die Wohnungsnot, denn sie ist der Infektionsherd, die Quelle allen physischen und psychischen Elends. Unseren Töchtern haben wir hauswirtschaftliche Erziehung angedeihen lassen zum Aufbau der jüdischen Häuslichkeit. Auch der Gesundheitsfürsorge verleihe man größte Aufmerksamkeit. Frau Guggenheim, Basel, spricht von den Schwierigkeiten der Tuberkulosenfürsorge in der Schweiz; Frau Geheimrat Auerbach, Köln, lobt die deutsche Organisation; Frau K o h u t erwähnt die Wichtigkeit der Förderung des Handwerks unter den Kindern in Polen; Frau Lindheim, New York, weist auf die Hadassah, ihre Gründung, empfehlend hin; Frau Bondi, Wien, gibt eine ergreifende Schilderung des Wiener Elends; Frau Rosenblüth, Palästina, verbreitet sich über die moderne soziale Arbeit im Heiligen Lande; Frau Ottilie Schönewald, Bochum, verficht in einem formvollendeten Referat die Forderung der Gleichberechtigung der Frau. Mrs. P o 11 a k (New York): Noch immer schließt man vielfach das jüdische Mädchen von gewissen Stellungen aus. Vielfach geschieht es nur wegen ihrer Einhaltung des Sabbats und der jüdischen Feiertage. Leider müsse man dies sogar jüdischen Arbeitgebern zum Vorwurf machen! Mrs. S. Cohen, Beisitzende des Beratungskomitees des Völkerbundes gegen Mädchen- und Kinderhandel, spricht über den Völkerbund und das Frauen- und Kinderschutzgesetz. Diese Materie wird interkonfessionell behandelt. Frau Wissenbeck-Franken, Holland, spricht über Völkerbund und Juden. Frau Anita Müller-Cohen, Wien, *) hebt die Bedeutung Palästinas hervor. Auch die volle Besiedlung Palästinas werde das „Golus" nicht aufheben, aber der Jude müsse eine Ruhstatt haben, dahin er sich flüchten könne. Hier ist der Boden, wo in der neuen jüdischen Frau die jüdische Frau im Sinne des Judentums wiedererstehe. Neuen Lebensül gewähre die Bodenreform, die ein neues gesundes Geschlecht hervorbringt. Politisch läßt sich eine Verständigung erzielen, für die moralischen Voraussetzungen gäbe es keine Verhand- *) Zu diesem Referate bemerkte die „C. V. Zeitung" in ihrem Tagungsberichte mit Recht: „Die Bedeutung der Kulturarbeit in Palästina hatte zweckmäßig, wie die Referentin Frau Anita Müller-Cohen, Wien, eingangs sagte, nicht nur von Zionistinnen, sondern auch von Anhängerinnen anderer Weltanschauungen gewürdigt werden sollen, um die Frage der sozialen und charitativen Arbeit in Palästina jedes leidenschaftlichen zionistischen Bekenntnisses zu entkleiden." hingen. Frau Helene Thon, Palästina, berichtet sachlicher und instruktiver über die kulturelle Tätigkeit in Palästina. Frau L i n d h e i m, New York, spricht über die „Jewish Agency". Frau B i a 1, Breslau, widerspricht vom Standpunkt der sich als deutsche Staatsbürgerin fühlenden jüdischen Frau der Propaganda von Mrs. Lindheim, die geeignet sei, Empfindungen andersdenkender Frauen zu verletzen. An der Debatte beteiligen sich Frau Dr. R a p a p o r t, Wien (propalästinensisch), Frau Schwimmer, Amsterdam, und Frau Dr. Hofmann, Wien. Frau Paula 01 le n d o r f f plädiert für die Einigkeit aller, die den verschiedensten Richtungen zum Trotz als höchster Grundsatz bestehen müsse. Resolutionen: 1. Alle Kräfte sind einzusetzen für das Friedenswerk unter den Völkern gemäß dem Friedensideal des Judentums. 2. Das Hilfswerk für die Schulen aller Länder ist so lange aufrechtzuerhalten, bis die betreffenden Länder selbst zur Unterhaltung ihrer Schulen beizutragen in der Lage sind. 3. Zum Weltverband „Schomre Schabbos" delegiert der Weltbund jüdischer Frauen drei Mitglieder 4. Hauptaufgabe der jüdischen Frau wird es sein, die jüdische Jugend durch zeitgemäßen Unterricht mit den geistigen Gütern des Judentums vertraut zu machen. 5. Mit Bedauern stellt der Weltverband fest, daß die Forderung vom Jahre 1913 auf eine Mitarbeit der Frau in den Gemeinden noch in keinem Lande verwirklicht ist. 6. Eine Konferenz orthodoxer Rabbiner wird gefordert zwecks Revision des jüdischen Eherechts (Scheidungsgesetz). 7. Der Weltverband jüdischer Frauen anerkennt das Aufbauwerk Palästinas als bedeutsam für die Juden der ganzen Welt. Er fordert zur Mitarbeit an diesem Werk auf. 8. Der Weltverband protestiert gegen den Ausschluß jüdischer Studenten von den Hochschulen (numerus clausus) und verlangt Gleichberechtigung für die Studierenden albr Länder. Weitere Resolutionen fordern Kinderschutz, Bekämpfung des Mädchenhandels, Jugendorganisationen, bevölkerungspolitische Maßnahmen. Frau Estelle M. Sternberge r, New York, befaßt sich in ausgezeichneter Rede mit den Problemen des Judentums, der Frauenwürde und mit dem geistigen Leben der Menschheit überhaupt. Bei der Beratung der vorgeschlagenen Satzungen setzte sich die Meinung durch, daß deren spezifisch amerikanische Schematisierung eine Annahme leider nicht ermögliche. Für die Beratung der Satzungen wird eine besondere Kommission eingesetzt. Unter brausendem Beifall wird die Gründung des Weltverbandes der jüdischen Frauen einstimmig angenommen. In einem Schlußwort hob Frau K o h u t nochmals die Bedeutung des soeben gegründeten Bundes für die ganze Judenheit hervor; diesem Werk habe sie ihr Leben gewidmet. Zur ersten Vorsitzenden wird Frau Rebekah Kohut gewählt, zu Vizepräsidentinnen: Frau Anita Müller-Cohen, Wien, Frau Klaften, Polen, Frau Paula Ollendorff, Breslau, Lady Herbert Samuel, London, Myfrouw Wissenbeck-Frankon, Amsterdam. Zur Schriftführerin: Mrs. Estelle Sternberger, New York; zur Schatzmeisterin: Frau Sophie Abraham, Zürich. Die Exekutive besteht aus: Frau Brenner, Deutschland, Frau Eichholz, England, Frau Arons, Frankreich, Frau Sarphati, Belgien, Frau Prof. Minz, Lettland, Frau Dr. Thon, Palästina, Frau Steiner, Tschechoslowakei, Frau Barracz, Ungarn, Frau Reading, Australien, sowie eine noch zu ernennende Vertreterin Kongreß-Polens. Frau Eschelbacher dankt im Namen der deutschen Frauen der Präsidentin und hob die historische Bedeutung dieser Konferenz hervor. Die Konferenz ist beendet. Möge das in aller Deutlichkeit enthüllte Bild des Judenelends die jüdische Welt zur Einkehr bewegen! BAD ISCHL m Pension Jupiter Salzkammergut Lindaustrafie 18 Prächtige Lage Ruhig, vornehm Streng ritueller Kflfhenbetrleb unter Leitung von D. SPIEGEL. Ausgezeichnetes Mittagsmenfl auch ä la Carte Komfortabel eingerichtet, beste französische und Wiener Küche, jede Diät, Fam.-Arrangement, Garage, Telephon. Bäder im Hause. Prosoekte ■»■• »O. 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