Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 25 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 13 TJoiiWoAezaVDoJu mssmtmm^^'^ Gedächtnisfeier für Oberkantor Josef Goldstein. im großen Leopoldstädter Tempel fand Montag, den 17. d. M., V2I Uhr abends, eine vom Bethaus vorstände veranstaltete Gedächtnisfeier für den vor 30 Jahren verstorbenen Oberkantor Josef Goldstein statt. Ein zahlreiches Publikum füllte das schöne Gotteshaus, dessen Altar schwarz verhängt war. Man bemerkte unter anderen den Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. A. P i c k in Begleitung mehrerer Kultusvorsteher und des Amtsdirektors Regierungsrat Guido F u c h s g e 1 b, den gesamten Bethausvorstand mit Präsidenten Doktor E. Münz an der Spitze, Familienmitglieder des Verblichenen, darunter seine Söhne, die bekannten Autoren Arnold und Emil G o 1 z. Die würdige Feier nahm ihren Anfang mit dem von Goldstein selbst komponierten Requiem (Psalm 49), das von Oberkantor I. Margulies meisterhaft vorgetragen wurde, wobei ihn ein verstärkter Chor unter der glänzenden Leitung des Herrn Oberkantor I. L ö w i t stimmungsvoll begleitete. Hierauf hielt Rabbiner Prof. Dr. I. M. Bach die Gedenkrede, die vom Herzen kam und zu aller Herzen ging, so fesselnd wußte er den andächtigen Zuhörern die große Persönlichkeit des Toten zu schildern. Er rühmte seine hervorragende Sangeskunst, sein immenses kantorales Verständnis, vor allem aber sein gutes Herz, das in seinem wunderschönen Gesänge zum Ausdruck kam. Deshalb war das Wort, das nun auf seinem Grabstein zu lesen ist, „Josef enenu" (Josef ist nicht mehr), eine Schreckensbotschaft für das jüdische Wien, das unendlich viel in Josef Goldstein verloren hat. Sodann rezitierte Oberkantor I. Margulies noch ein „El mole rachamim" und sang zum Schlüsse das Schiwissi, wieder begleitet von dem schönen Chor. Es war eine erhebende Feier, die den Toten ehrte, aber auch die Lebenden, die seiner in so würdiger Weise gedachten. Aufdeckung einer altjüdischen Begräbnisstätte. Auf dem sogenannten Burgwall in Znaim wurden vor einiger Zeit beim Bau eines Hausese einige altjüdische Grabsteine entdeckt, d;>e. es wahrscheinlich erscheinen lassen, daß man es mit der mittelalterlichen Begräbnisstätte der jüdischen Einwohner zu tun hat Der Znaimer Oberrabbiner Dr. Kahan entzifferte über Ersuchen der Museumverwaltung den altjüdischen Text der Grabsteine. Die Inschriften stammen aus dem 14. Jahrhundert. Ein Grabstein soll ins Museum kommen, einer an der Fundstelle aufgestellt, der Rest der Kultusgemeinde überlassen werden. Das Maimonidesinstitut hatte am 10. d. M. die seltene Gelegenheit, eine Sijum-Feier, und zwar anläßlich der Vollendung eines durch zehn Semester, also durch fünf Jahre betriebenen Studiums des More Nebuchim zu veranstalten. Zu dem Schlußvortrage, den der unermüdlich an seinem Lieblingswerke tätige Dr. A. K a m i n k a in gewohnt geistvoller und von Begeisterung getragener Weise gehalten, waren außer den getreuen Teilnehmern an den Lehrstunden und den Mitgliedern des Vorstandes des Institutes die beiden Vizepräsidenten des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde erschienen. Daß die Bemühungen um die Popularisierung der enormen Geistesschätze, welche der Wissensgewaltige uns und der Welt hinterlassen, zu den verdienstvollsten gehören, ist außer durch den Vortragenden noch von Rabbiner Horov i t z und Dr. Bauer betont worden. Bei dem im Anschluß daran im Restaurant Barschak abgehaltenen Festabend, der eine große Zahl von Mitgliedern und Freunden des Institutes, auch Damen, vereinigte, nahmen alle Redner, u. a. Herr Rabbiner Dr. T a g I i c h t, Dr. Frankfurter, die Herren I n t r a t e r. Dr. VValdmann, Professor Rath und der Referent die Gelegenheit wahr, die großen Verdienste des Institutsleiters Herrn Dr. K a m i n k a s, die hohe Bedeutung der durch das Institut geförderten Verbreitung jüdischer Wissenschaft in weiteste Kreise, namentlich durch die von dem Leiter inaugurierten Vorlesung an der Universität, sowie die Notwendigkeit der Schaffung eines eigenen Heimes für die Lehrzwecke desselben zu würdigen. Mit einer gesanglichen Bravourleistung seitens des Herrn Dozenten Dr. Stern, der dem Vorstande angehört, schloß der anregende, wohlgelungene Abend. Med.-Rat Dr. H. Haase. Mädchenkonfirmation. Wer am Sonntag, den 17. d. M., der im Wiener Stadttempel abgehaltenen Mädchen-Konfirmationsfeier beiwohnte, konnte vom Erfolge dieser seit Mannheimers Tode nun wieder eingeführten und bereits 45 Jahre bestehenden Feier für unsere herangewachsene weibliche Schuljugend sich überzeugen. 25 Mädchen, darunter auch Mittelschülerinnen, nahmen heuer an der Tempelfeier teil. Herr Oberkantor M a t y a s, assistiert vom Stadttempelchor unter Leitung des jubilierenden Chordirigenten Zellnik, trug das Sulzersche Ma-tauwu herrlich vor und Herr Rabbiner Dr. T a g l i c h t sprach in ergreifenden Worten zur Jugend über die Bedeutung unseres alten Glaubens. Der Segen wurde dann vom Chor nachgesungen und mit dem „Adon-olam" schloß die wirkungsvolle Feier. Beschenkt vom Kultusvorstande mit dem Mannheimer-Gebetbuch verließ die junge Schar den noch von Schwuos mit Laub und Blumen stilvoll gezierten Tempel. Mädchenkonfirmation im Ottakringer GetneindetempeL Sonntag, den 16. Juni, fand die feierliche Konfirmation der Mädchen statt. Unter Harrnoniumkl^ngen hielten die jungen Mädchen in das festlich beleuchtete und geschmückte Gotteshaus ihren Einzug. Herr Professor Dr. Heinrich Pollak hielt an die Mädchen eine geistvolle, warme Rede, worauf dieselben ihr Pensum mustergültig vortrugen. Der gesangliche Teil wurde von Herrn Oberkantor Kogan und dem Tempelchor unter Leitung des Chordirigenten Herrn Perl in erhebender Weise ausgeführt und nahm die schöne Feier einen sehr würdigen Verlauf. Salzburg. Sonntag, den 16. d. M.. fand im festlich geschmückten Tempel der Salzburger Kultusgemeinde die Trauung des Herrn Rudolf O r n s t e i n, Gesellschafter der Firma L. Ornstein, Salzburg, mit Fräulein Edith Braun aus Wien statt. Herr Ornstein ist — erst im 27. Lebensjahre stehend — bei den letzten Kultuswahlen in., den Kultusrat berufen und wegen seines großen Interesses für Wohltätigkeit mit dem .Armenreferate betraut worden. Den Trauungsakt nahm Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Manfred Papo vor, der zu diesem Zwecke eigens aus Wien berufen wurde, während die kantoralen Funktionen von dem langjährigen Kantor der Salzburger Gemeinde Herrn Hermann Kohn in bestbewährter Art versehen wurden. Die überaus zahlreiche Teilnahme an der Hochzeitsfeier zeugte von der allgemeinen Wertschätzung und Hochachtung, der sich das Brautpaar erfreut. TREFFPUNKT A L CAFEHAUS __ PRAfER (HAVPf der vornehmen jüdischen Gesellschaft Besitzer: Edelstem &Nato«ie. erstklassige Bedienung