Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 25 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 11 Wcdwhrifa%v>om€fay& In eigener Sache. „Der jüdische Arbeiter", ein mit Ausschluß der breitesten Oeffentlichkeit nach Bedarf (seiner Macher) erscheinendes Winketblättchen, erfrecht sich in seiner vorläufig letzten Nummer, uns Vorwürfe deshalb zu machen, weil wir die Ereignisse in der „Vereinigung werktätiger Juden" in einer Weise beleuchtet haben, die den poale-zionistischen Genossen natürlich nicht angenehm sein konnte. Wir würden es unter unserer Würde halten, auf diese Notiz, die die alten Dummheiten, mit denen früher von gewisser Seite gegen unser Blatt „gekämpft" wurde, wieder frisch, aber wenig geschmackvoll aufwärmt, überhaupt zu reagieren, wenn nicht zwischen ihren Zeilen eine Gemeinheit zu lesen wäre, die wir hier anprangern wollen. Aus der Tatsache nämlich, daß uns, wie unsere Artikel zu dieser Sache hinlänglich bewiesen haben, die wahren Vorgänge bei den „Werktätigen" gut bekannt sind, aus der Tatsache also, daß wir, bevor wir etwas schreiben, uns ganz genau informieren, zieht der Preßarbeiter folgenden Schluß: „Es ist sogar der Schluß gerechtfertigt, daß die Enthüllung ihrer politischen Schlafzimmergeheimnisse von der Morizgruppe als Sukkurs direkt bestellt wurde." Wir erklären einen solchen „Schluß" als eine bodenlose Gemeinheit und sehen den Entschlüssen des „Jüdischen Arbeiter" mit guhe entgegen. _ Die Redaktion. Die Unruhen in Lemberg. In Lemberg haben bekanntlich vor kurzem sehr schwere antijüdische Ausschreitungen stattgefunden, über die wir noch einen Spezialbericht bringen werden. Nach der Prozession am Fronleichnamstag wurden Gerüchte verbreitet, jüdische Schüler hätten von einem jüdischen Gymnasium aus die vorbeiziehende Prozession verhöhnt. Die Gerüchte sind sofort als grundlos festgestellt worden, namentlich auf Grund von Bezeugungen des katholischen Geistlichen Rokicki, der die Prozession geführt hat. Trotzdem sind schwere Unruhen entstanden. Die Druckereien der jüdischen Tageszeitungen wurden vollständig demoliert, das jüdische Studentenheim zerstört; aus der Universität wurden alle jüdischen Studenten vertrieben, der gesamte Universitätsbetrieb ruhte tagelang. Innenminister Skladkowski war persönlich zur Unterdrückung der Unruhen in Lemberg eingetroffen, da der Regierung die Vorgänge sehr peinlich sind. Die Unruhen haben sich auch auf andere polnische Städte erstreckt, namentlich auf Posen. Die falschen Gerüchte entstanden bezeichnenderweise in Lemberg erst zwei Tage nach der Prozession, man ersieht daraus, daß Hetzer am Werke waren. Ein unerhörter Skandal. So betitelt der„VölkischeBeobachter" vom 10. April d. J. einen in großer Aufmachung erschienenen Aufsatz, der den Untertitel führt: „Die teuflische Methode eines jüdischen Arztes gegen deutsche Knabe n". in diesem Artikel wird auf Grund eines Aufsatzes in der Wiener antisemitischen „Deutschösterreichischen Tageszeitung" folgendes gesagt : „Vor einiger Zeit berichtete die „Heimatschutzzeitung" über einen Fall, der so unglaublich klingt, daß nur der Name des in dem betreffenden Aufsatz genannten Gewährsmannes, des Medizinalrates Dr. Krämer in Leoben, dafür bürgt, daß wir es hier mit Tatsachen zu tun haben. Ein jüdischer Arzt namens „Professor" Dr. Lust . . . hat in den steirischen Industriebezirken Flugschriften verteilen lassen, in denen er die männliche Jugend auffordert, sich einer „harmlosen Operation" nach seiner Methode zu unterziehen, bei der durch Durchtrennung des Samenleiters vollkommene Zeugungsunfähigkeit für immer erzielt wird". An diese „Tatsachen" knüpft der „Völkische Beobachter" furchtbare Betrachtungen und schließt mit dem Kassandraruf: „Keine Farbe ist grell genug, das entsetzliche Zukunftsbild zu schildern, das sich naturnotwendig ergibt, wenn dem Juden Lust nicht rechtzeitig das Handwerk gelegt wird." Der „Völkische Beobachter" hat recht, es ist tatsächlich ein unerhörter Skandal, was er da berichtete, aber aus anderen Gründen. Denn der blutrünstige Artikel ist von A bis Z e r,1 o g e n. Zunächst heißt der Professor, der die fraglichen Operationen vornahm, nicht Dr. Lust, wie er aus leicht verständlichen Motiven umgetauft wurde, sondern Dr. Schmerz und ist außerordentlicher Professor an der Grazer Universität. Er ist auch nicht Jude, sondern U r a r i e r, ehemals sogar nationaler Burschenschafter. Die Operationen, deren Berechtigung nur Mediziner zu entscheiden haben und die uns hier gar nicht interessieren, wurden an Männern und nicht an Knaben ausgeführt. Und damit das Maß der Lügen voll ist: Der als „Bürge" geführte Medizinalrat Dr. Krämer in Leoben verwahrt sich mit Entschiedenheit dagegen diesen Hetzartikeln nahezustehen, und beabsichtigt, gegen die mißbräuchliche Verwendung seines Namens und die unwahren Angaben bei dien betreffenden Zeitungen vorzugehen. MarienbadÜI Franzensbad j %T&klTATT,,Go(benerScÖlBss<>(" Grand Kestaurant „fürstenQof { -itS»S streng orthodoxe Köche "lfe>3 SllflOH R3dl) streng orthodoxeKßche-|£0