Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 25 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Pentateuchs hinfällig ist und nicht die geringste verbindliche Kraft für uns besitzt. .... Das war alles schön und gut und die extremsten Liberalen konnten zufrieden sein, bis etwa vor einem halben Jahre Dr. Yahuda sein Buch über die Entstehung der biblischen Sprache im Zusammenhang mit dem Altägyptiscben veröffentlichte und nachwies, daß tausend Schwierigkeiten der pentateuchischen Schriftsprache, eine Menge als unerklärlich geltender Worte und Wendungen, Bilder und Redensarten nur durch das Altägyptische restlos und natürlich erklärt werden, so daß manche Passage wie eine direkte Uebersetzung aus der Sprache des Pyramidenlandes erscheint. Wie viel hat man sich nicht den Kopf zerbrochen über die Bedeutung des Wortes „Bereschith". Yahuda belehrt uns, daß das entsprechende Wort im Aegyptischen einfach besagt „In uralter Zeit". Der Sinn des Anfangsverses der Thora ist also: „In uralter Zeit schuf Gott Himmel und Erde." Alle Klügeleien der Kommentatoren erscheinen also überflüßig. Die Bibelkritiker vom Fach haben sich vom dem Schlag, den Yahuda ihrer Doktrin versetzt hat, noch nicht erholt, noch haben sie die Sprache nicht wiedergefunden. Von einer anderen Seite rückt dem „Higher Criticism" Dr. A. Kaminka in Wien zuleibe. Eines der Hauptdogmen der Bibelkritik ist bekanntlich, daß die Psalmen, die zu einem großen Teile dem König David zugeschrieben werden, und schon das Gesangbuch des ersten Tempels gebildet haben sollen, nachexHisch seien. Einer der stärksten Beweise für diese Theorie war bislang der 137. Psalm „An den Strömen von Babel", der doch offenbar von Exulanten in Babylon gedichtet worden sein muß. Nun veröffentlichte vor einigen Jahnen der genannte Wiener Gelehrte in einem kleinen palästinensischen Sammelbuch einen hebräischen Aufsatz, der über diesen Psalm ein ganz neues Licht verbreitete, indem er in ihm den Vers aus einem uralten Kriegsgesang nachwies und damit eine seit jeher bestehende exegetische Schwierigkeit auf eine ebenso einfache, wie geniale Weise beseitigte, was nebenbei zu einer förmlichen Ehrenrettung dieses schönen Gedichtes wurde. Aber als Beweis für die Existenz nachexiiischer Psalmen ist der Psalm für immer verdorben. Die „Wahrheit" darf für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, diesen hochbedeutsamen Aufsatz, der nicht bloß für die Exegese sondern auch für die Ideengeschichte des Alten Testamentes sowie für die Abwehr judenfeindlicher. Vorwürfe von geradezu einschneidender Bedeutung ist, ans Licht gezogen und dem breiten Publikum zugänglich gemacht zu haben. Seither ist eine ganze Reihe jüdischer Blätter gefolgt, aber die „offizielle", d. h. nichjüdisehe Bibelexegese ist noch weit davon entfernt, die geniale Entdeckung des Juden anzuerkennen, zumal durch sie den Judenfeinden eine schade Waffe aus der Hand geschlagen wird. Als einige Jahre nach dem Erscheinen der „Entstehung der Arten" Darwin ihretwegen heftige Angriffe auszustehen hatte, schrieb er: Jede neue Wahrheit muß drei Stadien durchlaufen, bis sie zur Geltung kommt, zuerst wird sie ignoriert, dann wütend bekämpft, aber wenn sie sich durchgesetzt hat, spricht die Welt: „Was ist denn Neues oder Originelles dabei? Es liegt ja auf der Hand. Das haben wir ja längst gewußt!" Kaminkas Entdeckung befindet sioh jetzt auf dem Uebergang vom ersten zum zweiten Stadium und ich finde es nur zu begreiflich, daß z. B. Herr Prof. Nivard Schlögel sie mit soviel übertriebener Hitze bekämpft. Herr Prof. Nivard Schlögel ist sehr gelehrt, er kennt unzweifelhaft die hebräische Grammatik und das Wörterbuch von Gesenius perfekt auswendig. Aber inwendig? Da liegt eben der Hase im Pfeffer! Das Verhältnis des jüdischen und das des nichtjüdischen Forschers zur Bibel und zum Hebräischen sind grundverschieden von einander. Dem ersterem wenden diese Dinge die Vorderseite zu, dem letzteren die Rückseite. Solch ein Herr Prof. Nivard Schlögel bahnt sich, die Grammatik in der Rechten und das Wörterbuch in der Linken, mit unsäglicher Mühe und heroischem Fleiß jahrelang einen unterirdischen Weg durch das Gebirge der biblischen Literatur. Die Größe des Erreichten mißt er mit dem Maßstabe der angewandten Arbeilt, die es ihn gekostet hat, er dünkt sich daher Gott weiß wie gelehrt, er ist überzeugt, sich das höchste Maß von Wissen auf diesem Gebiete angeeignet zu haben, und übersieht, daß Herren- und Damenkleider nach Maß sowie fertig lagernd, nnr Qualitätsware, billigste Preise. Eventuelle langfristige, bis zu einem Jahre währende Zahlungserleichterungen Kleider-Erzeugungs-Union, Wien VI., Kaserneng. 6 __Telephon B 20-2-15 DER NEUE MUSIKHAUS EXCELSIOR INHABER: RICHARD HERZOG Wien I., Adlergasse Nr. 5 — Telephon R 23-4-90 Wien II., Kl. Pfarrgasse 28 - Telephon A 41-6-24 WEEKEND - WERBE-WOCHEN so ein Kaminka, ein Ki n d d e s H a u s e s, •der das Hebräische und die Bibel sozusagen mit der Muttermilch eingesogen, als sechsjähriger Knabe schon dort stand, wo jener als reifer Mann nach langem, mühevollem Wandern und Klettern angelangt ist. Daher häufig der unerquickliche hochmütige und anmaßliche Ton. den so oft sonst vornehme und wohlerzogene christliche Gelehrte ihren jüdischen Kollegen gegenüber! sich herausnehmen, wodurch sie unendlich komisch wirken. Uebrigens hat Prof. Schlögel eine Schrift in lateinischer Sprache über das Buch Samuel verfaßt, die aHe Anerkennung verdient und um deren willen man ihm sogar seine sogenannte Talmudübersetzung nachsehen könnte. Indessen mag doch Prof. Schlögel versuchen, zehn Verse in den Gedichtbüchern Kaminkas, mit denen er sich den Namen als geachteter, erfolgreicher hebräischer Lyriker erworben, oder in seiner Homer-Uebersetzung zu entziffern. Franz Delizsch war der einzige christliche Hebräist, der Hebräisch wirklich beherrschte. Es darf aber über die Texte einer Sprache nur der urteilten, der sie beherrscht. Allein dieser kecke Mensch, der die alte, schon konservativ gewordene Dame Bibelkririk so respektlos beim Zopf gezaust hat, geht noch einen Schritt weiter. Neuerdings hat er ein anderes Dogma, das vom Deutero-Jesajas angefochten, — die Sache müßte einmal ausführlich behandelt werden. Natürlich maße ich mir nicht an, zu entscheiden, ob und inwiefern Kaminka endgültig recht hat. Aber es ist leicht begreiflich, daß, wenn so ein: gewöhnlicher Sterblicher, der die Evolutionen der Bibelkritik aus purer Wißbegierde verfolgt, solche Dinge liest, er in seinen hergebrachten Ueberzeugungen schwankend wird und sich sagt: „Alle diese wissenschaftlichen „Wahrheiten" reichen nicht hin, um eine religiöse und ethische Weitanschauung auf ihnen zu begründen oder von ihnen abhängig zu machen." Wir werden sehen, daß es um die naturwissenschaftlichen Wahrheiten nicht anders 'bestellt ist. (Weitere Artikel folgen.) ffievbdJlbciuwtknjuzDk fflakckzit! StmiSSpiSdllS IEBMIK BCIKI Baden bei Wien, Roiettgasse 7. Zimmer mit fließendem kalten und warmen Wasser. — Bad im Hause. — Pension in und außer Haus. _Interurban-Telephon Nr. 1032-4._