Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 24 (14.6.1929)
- Date
- 1929-06-14
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 13 Die Ortsgruppe Leopoldstadt der „Union deutschösterreichischer Juden" veranstaltete als letzten ihrer heurigen Sprechabende am 10. d. M. wieder einen Vortragsabend im Prater, der sehr gut besucht war. Obmann T o n e 11 o gab deshalb auch mit Recht seiner besonderen Befriedigung über diesen guten Besuch Ausdruck. Dr. , Ernst Feldsberg referierte in ausgezeichnet sachlicher Weise über die Jewish Agency. Nach einem gediegenen historischen Ueberblick über die politischen Verhältnisse in Palästina in den letzten zwanzig Jahren, der so recht vor Augen führte, wie egoistisch die englische Politik immer gewesen, kam er zu dem Hauptteil seiner Ausführungen, dem jetzigen Stande der Agency-Frage und sprach hiebei in gleichem Sinne, wie er dies in seinem an anderer Stelle dieser Nummer befindlichen Artikel über dieses aktuelle jüdische Problem tut. Er kam zu dem Schlüsse, daß die Agency in ihrer heutigen Form abzulehnen sei, und betonte die Wichtigkeit der Erhaltung des Judentums auf traditioneller Grundlage. Sein Referat fand großen Beifall. Hof rat Ing. Josef Löwy, den der Vorsitzende unter lauter Zustimmung der Anwesenden als neuen Vizepräsidenten der „Union" begrüßte, erörterte in seiner gewohnt geistreichen Weise aktuelle jüdische Fragen, wobei er einleitend ausführte, daß die jüdische Geschichte beweise, daß immer dieselben Fragen im Judentum aktuell waren. Die jüdischen Charaktereigenschaften sind eben hier schicksalbestimmend, vornehmlich der individualistische Charakter der Juden. An Hand des Beispieles von Josef in Aegypten erörterte der Referent die Frage der Einstellung der Juden zum Staate und zur Umgebung, die dabei vor allem dem Grundsatz huldigen müßten, niemandem zuleide, jedem womöglich zur Freude zu wirken. Er besprach hierauf unsere Einstellung zum Zionismus, der bei allem Idealismus dieser Idee doch in seinen politischen Auswirkungen dahin führe, daß eine Scheidewand zwischen uns und den übrigen Staatsbürgern dort errichtet werde, wo wir gleiche Rechte verlangen können. Die Schlußausführungen des Herrn Hofrat Ing. Josef Löwy über die letzten Vorfälle an der Wiener Universität lösten eine intensive Debatte aus, an der sich die Studenten Herbert Stein, Hans Schlesinger, Hans Arnstein und Herr Dr. Karl Steiner beteiligten. Fürsorgerat Josef B r o d i sprach über das Verhältnis der Juden zur Sozialdemokratie, die Herren Heinrich Kammer und Leopold Glaser über die Forderungen der im Prater lebenden Juden an die Kultusgemeinde. Nachdem noch Herr Hofrat Ing. Josef Löwy auf verschiedene in der Debatte vorgebrachte Argumente geantwortet hatte und Herr Dr. Ernst Feldsberg in beredter Weise den Appell an die Versammlung gerichtet hatte, auch weiter für die „Union" zu arbeiten, schloß Obmann Oskar Tone 11 o die schön verlaufene Versammlung. VmlBxkßamlDx&e Gedächtnisfeier für Rabbiner Dr. S. Funk. Mittwoch, den 19. Juni (11. Siwan), findet um 7 Uhr abends im Tempel, IL, Pazmanitengasse 6, eine Gedächtnisfeier anläßlich des ersten Jahrzeitstages Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. S. F u n k s. A. statt. Grabsteinstellung. Am Montag, den 17. d. M., wird um 1 U h r mittags am neuen Wiener Zentraltriedhoi, IV. Tor, Abt. 10 B der Grabstein tür den im Vorjahre hier verstorbenen Religionsprofessor Markus A. Landau aus Wiener- Neustadt aufgestellt, bei welcher Gelegenheit der in Wien weilende Oberrabbiner von Südafrika Prof. Dr. J. L. Landau, ein Bruder des Verblichenen, einen Naehruf halten wird. Geschichte der mährischen Juden. Da viele meiner Bekannten glauben, daß ich jener L. M. sei, dessen Besprechung des großen Sammelwerkes über die mährischen Juden „Die Wahrheit" neuerlich zurückwies, lege ich Wert auf die Feststellung, daß ich mit dieser Besprechung nichts zu tun habe. Ich habe das genannte Werk schon deshalb nicht besprochen, da ich von der Verlagsfirma kein Rezensionsexemplar erhielt. L. Moses. Goldene Hochzeit. Am 10. Juni jährte sieh zum fünfzigsten Mal der Tag. an dem das Ehepaar Josef und Rosa Kessler, geb. Kehn, vor den Traualtar getreten sind, um ein Bündnis für das ganze Leben zu schließen. Aus diesem Anlaß fand Samstag, den 8. Juni, während des Gottesdienstes im Tempel Pazmanitengasse eine solenne Feier statt, zu der sich zahlreiche Verwandte und Freunde der Familie Kessler eingefunden haben. Der Jubilar, Herr Josef Kessler, wurde in feierlicher Werste als „Maftir" zur Thora gerufen und nachdem Oberkantor I. Müllen? einen von ihm für diesen Anlaß verfaßten hebräischen Segenspruch stimmungsvoll rezitiert hatte, hieit Sr. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Heinrich Hillel Weiss aus W i e n e r - N e u s t a d t eine überaus gewährend der Sommermonate will die „Union deutschösterreichischer Juden", um den Kontakt zwischen ihren Mitgliedern in (fieser Zeit aufrechtzuerhalten, regelmäßige Zusammenkünfte im Prater veranstalten. Diese Zusammenkünfte, die auch der Erörterung aktueller jüdischer Angelegenheiten dienen sollen, finden jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat, 8 Uhr abends, im E r s t e n Kaffeehaus (Hauptallee) statt. Der erste dieser Abende ist für D o n n e r s t a g, den 20. J u n i, 8 Uhr abends, angesetzt, und hofft die Vereinsleitung, daß ihrer Einladung sehr viele Mitglieder und Freunde der „Union" Folge leisten werden. Im Falle schlechten Wetters findet die Zusammenkunft im großen Saale des gleichen Etablissements statt. TREFFPUNKT AI. CAFEHAUS der vornehmen jüdischen Gesellschaft PRATER fH/MHP17lEEEEl Besitzer: Edelstein «Natovic - ErSlhlaSSlg€ ÖCträDHC