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Die Wahrheit · 1929-06-14 · Heft 24 (14.6.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 24 (14.6.1929)
Date
1929-06-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 0 wtffentliehuiu&ix der Uiiicndeutfc/vcVtevvcicKifcKec Oucle* r?Wi AimJkm*>jketö*UXe*IX. 'Berggaffo 4%Ufc*l9J2-77 Rechenschaftsbericht. (Schluß.) Wenn wir uns nun den Verhältnissen im innerjüdischen Leben zuwenden, so müssen wir feststellen, daß in Wien der innerjüdische Streit bedauerlicherweise Formen angenommen hat, wie sie bisher nie zu verzeichnenwaren; überdies sind unsere Gegner selbst untereinander gespalten. Für die für den 2. Dezember v. J. anberaumte Wahl in den Wiener Kultusvorstand setzte schon früh eine ungemein heftige Wahlbewegung, wie sie in Wien noch nie beobachtet wurde, ein; fünf wahlwerbende Parteien traten in den Wahlkampf. Die „Union" sah sich einem Verleumdungsfeldzuge gegenüber, welcher an Häßlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Das äußere Bild, das unsere Versammlungen boten, konnte den Eindruck erwecken, daß es sich nicht um eine Kultus-, sondern um eine politische Wahl handelte, so lebhaft ging es in unseren Versammlungen zu, die wahrhafte Massenversammlungen waren und sich dank den intensiven Bemühungen unserer Bezirkskomitees über alle Wiener Gemeindebezirke erstreckten. Jugendliche Ruhestörer, welche scheinbar von einer gemeinsamen Zentrale aus in die Versammlungen der „Union" zu Sprengungszwecken dirigiert worden sind, versuchten oft den ruhigen Fortgang der Versammlungen zu hindern. Unter solchen Umständen war die Aufgabe aller, die uns bei diesen bedeutungsvollen Wahlen mitgeholfen haben, eine schwere. Die Obmänner und Mitglieder der Spezial- und Bezirkskomitees, Versammlungsleiter und Agitatoren, sie alle hatten eine aufreibeide Arbeit zu leisten, welche größte Anerkennung verdient. Insbesondere unsere Versammlungsredner waren geradezu unermüdlich tätig, um Aufklärung in die weitesten Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung zu tragen. Trotzdem also die Gegenparteien alle Mittel des Wahlterrors, wie sie selbst bei politischen Wahlen kaum mehr geübt werden, zur Anwendung brachten, während Versammlungssprengungen und unlautere Machinationen vor und am Wahltage an der Tagesordnung waren, ist wieder die Mehrheit der Wähler der Fahne der „Union" gefolgt und hat mit dem Stimmzettel in der Hand zu erkennen gegeben, daß sie in der von der „Union" ausgegebenen Parole „Ausschaltung jeder Politik aus der Kultusstube " die einzig mögliche Basis eines gedeihlichen Zusammenarbeitens in der Kultusgemeinde sieht. Wohl hat die „Union" gegenüber ihrem früheren Mandatsbesitze eine Einbuße erlitten, indem sie ein Mandat verlor, im großen und ganzen hat sie aber ihre Stellung innerhalb der Kuitusgemeinde behauptet, was einen um so größeren Erfolg darstellt, als sich die übrigen Parteien im Angriffe, die „Union" aber in der Verteidigung befand; denn unsere Gegner sind mit der Absicht in den Wahlkampf gezogen, die Kultusgemeinde zu „erobern". Nun, aus der „Eroberung" der Kultusgemeinde ist die Eroberung eines einzigen Mandates geworden. Am wenigsten aber haben die Zionisten Grund zum Jubel; denn ihr hauptsächlichster Gewinn geht auf Kosten der mit ihnen eng liierten misrachistischen Gruppe, der die zionistische Liste ein Mandat wegnahm. Während die Stärke dieser beiden vereinigten Parteien im früheren Kultusvorstande elf betrug, stellt sie sich jetzt auf zwölf Mandate. Ueberdies konnten die Gegenparteien durch eine energische Agitation ihren letzten Mann zur Urne bringen, während zahlreiche Wähler, die wir wohl als Anhänger der „Union" betrachten können, entweder aus Indolenz oder angewidert durch den wüsten Terror der Gegner sich an der Wahl nicht . beteiligten. Es wird jetzt Sache der „Union" sein, diese Wählerkreise aufzuklären, welche schwere Verantwortung sie durch die Unterlassung der Ausübung ihres Wahlrechtes auf sich laden würden, wenn durch Lässigkeit und Säumigkeit unserer Anhänger anderen Parteien die Möglichkeit zur Befriedigung ihrer parteipolitischen Ziele gegeben werden würde. Daß diese Parteipolitik Hauptziel unserer Gegner ist, hat auch der bekannte Konflikt nach der ersten Konstituierung des Kultusvorstandes bewiesen, bei dem das energische Auftreten des Klubs der unionistischen Partei gegenüber der Einheitsfront aller anderen Parteien im Kultusvorstande die Wirkung gehabt hat, daß diese einsehen mußten, daß der Klub der unionistischen Partei nicht gewillt ist, sich den Willen der anderen Parteien zum Schaden der Gemeinde aufzwingen zu lassen. Die Wahlbewegung war geeignet, das Interesse für unsere Vereinstätigkeit zu intensivieren, so daß wir mit Freuden konstatieren können, daß unserem Vereine besonders in letzter Zeit sehr viele neue JAC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II., GlOCkengasse 24 Telephon R 48-4-79 Auch Detailverkauf zu Fabrikspreiseiii Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ „ „ 150.— Herrenhose „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! Kein Kaufzwangl Freie

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