Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-06-14 · Heft 24 (14.6.1929) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 24 (14.6.1929)
Date
1929-06-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064220--17239-3087351
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

DIE WAHRHEIT Seite 1 QlerTen,. Der Vorsitzende im Prozeß Gärtner, Hofrat Czerny, hat in seiner den Qeschwornen erteilten Rechtsbelehrung an den von dem flammenden Sinai der Welt verkündeten Dekalog erinnert, der der Menschheit zuerst den Schutz des höchsten Rechtsgutes, des Menschenlebens garantierte. Daß Israel es ist, das der Kulturwelt den Dekalog gebracht hat, wird anerkannt. Schade nur, daß man selbst in angeblichen Kultur- und Rechtsstaaten gegenüber den Juden Gebote des Dekalogs so oft ungestraft verletzen darf. Man denke nur an die antisemitische Presse, die z. B. bloß davon lebt, daß sie lügen und verleumden darf. ' * * * Die Fortsetzung der schmachvollen antisemitischen Exzesse gegen jüdische Studenten ist, wie zu erwarten war, pünktlich erfolgt. Dank der fürsorglichen Maßnahmen der Universitätsbehörden, die natürlich nur darauf bedacht waren, die Wiederholung des Skandales in der Aula zu verhüten, beschränkte sich die Bekundung des hakenkreuzlerischen Idealismus auf die Rampe der Universität. Dort durfte sich also die programmatische Pogromstimmung einer übermächtigen Mehrheit zunächst zügellos austoben. Wieder erlebte man das empörende Schauspiel, daß Schutzleute, ihrer harten Pflicht gehorchend, ruhig zusehen mußten, wie aus irrsinnigem Respekt auch vor der geschändeten Autonomie der Universität, heilige Menschenrechte besudelt wurden, wie nämlich hunderte brutaler Burschen in der Mißhandlung eines kleinen Häufleins jüdischer Studenten nicht gehindert werden durften. Auf der Rampe der Universität gilt noch immer die wahrlich längst verwirkte Autonomie der Universität mehr als das noch heute geltende Staatsgrundgesetz und selbstverständlich noch viel mehr als die ewigen Gesetze der Humanität. * * * Erst nach Absolvierung der neuerlichen empörenden Exzesse erfolgte, wie man das nun schon seit Jahren aus der Praxis der österreichischen Universitäten kennt, die übliche Erklärung des Rektors. Sie richtete sich natürlich nicht etwa gegen die exzedierenden Hakenkreuzler im besonderen, sondern gegen die Studenten im allgemeinen, die zur Ruhe und Besonnenheit gemahnt werden, „da er sonst mit den schärfsten Maßregeln, wie Farbenverbot und allfälliger Schließung der Universität vorgehen müßte." Man kann sich auch bei Mangel jedweder Phantasie vorstellen, mit welchem verständnisvollen Lächeln der p. t. Hakenkreuzler diese Erklärung begrüßt. Es wäre eine schnöde Ungerech- DER NEUE tonn- APPARAT Nr. 112a LEBEND TON GRAFONOLA MODELL 1929 5 300.- S 40.— Anzahlung und 12 Monatsraten ä S25.— MUSIKHAUS EXCELSIOR INHABER: RICHARD HERZOG Wien I., Adlergasse Nr. 5 — Telephon R 23-4-90 Wien II., Kl. Pfarrgasse 28 — Telephon A 41-6-24 WKF.KTINP - WERBE - W0QHE3T tigkeit, dem gegenwärtigen Rektor der Wiener Universität, Herrn Hofrat Innitzer, das ehrende Zeugnis zu versagen, daß er sich in seiner persönlichen Haltung wesentlich von manchem seiner Vorgänger unterscheidet, der geradezu wie ein Diener der Hakenkreuzler erschien. Die Rektoren unterscheiden sich, aber die Formulare der Rektorserklärungen sind dieselben geblieben, wie auch die Exzesse und die außerhalb der Universität stehenden Schützer und Drahtzieher dieselben sind. Ruhe und Besonnenheit sind wahrhaftig auch jedem dringend zu empfehlen, der sich angesichts der jüngsten wie auch aller bei früheren Gelegenheiten erflossenen Erklärungen der Universitätsbehörden vor Augen hält, daß noch von keiner derselben die notorischen Exzedenten direkt getroffen wurden. Ein Fremder, der unsere Universitätsverhältnisse nicht kennt und keine anständige Zeitung, sondern zufällig die „Dötz" in die Hand bekäme, könnte wirklich einmal auf die vertrottelte Vermutung kommen, daß an der Universität von Zeit zu Zeit die jüdischen, Studenten über die braven Hakenkreuzler herfallen und sie mißhandeln. In der jüngsten Erklärung des Herrn Rektors, sie gleicht, wie gesagt, genau denjenigen, die schon durch so viele in ihrer Inszenierung wie in ihrem Verlaufe sich gleichenden Exzesse hervorgerufen wurde, wird eventuell auch mit einem Farbenverbot gedroht. Welch furchtbare Drohung für Raufbolde! Wäre es nicht vielleicht zweckmäßiger, Schwer kranke Frau deren Mann arbeitslos ist, bittet edle Menschenfreunde um einen MEGE91IIH1 Auskunft durch die Verwaltung _des Blattes, Telephon R 42-2-16_ j Kleiderkredit SK^"> "■»» ■ Sämtliche Herren- und Damenklakfor 5 Nor Qualitätsware! «ach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preiset ■ KLEIDERHAUS WERTER, WIEN XVI., ■ Telephon A 1-501 OttekrlnffenrtnÜte 17 Telephon A 1-501

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.