Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 24 (14.6.1929)
- Date
- 1929-06-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT mmmmmmm^mm^^m^nmm Freunde schmerzbewegt Abschied. Vorstandsmitglied Max Spitzer schilderte erschüttert die großen Verdienste, die sich der verstorbene Ehrenpräsident und Präsident in jahrzehntelanger treuer und hingebungsvoller Arbeit um den Tempelverein Wieden-Margareten erworben. Nun widmete Präsident Dr. Jakob O r n s t e i n namens der „Union deutschösterreichischer Juden" seinem langjährigen Mitarbeiter warme Worte des Angedenkens iür seine uneigennützigen Dienste, die er der „Union" geleistet. Es sprachen noch die Herren Jakob S. Straßberg und Chewra-Detegierter S. Mandl herzliche Worte des Dankes und Abschiedes. Die -Bahre wurde hierauf von den Vorstandskollegen des Verstorbenen zu dem von der Israel. Kultusgemeinde gewidmeten Ehrengrabe getragen, wohin sich der endlose Zug bewegte. — Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Israel K a t z unter großer Assistenz in hervorragender Weise. _ L. H. Wien zur Nachahmung empfohlen. Der Gedanke .des Weltfriedens und der menschlichen Beziehungen zwischen den Nationen, der sich auf Freundschaft und guten Willen gründet, ist im wesentlichen jüdisch. Die Römer übernahmen ihn von den Juden; denn es steht wohl außer Zweifel, daß Virgils sogenanntes „Messianisches Hirtengedicht" auf Grund der Gesänge des Propheten Jesaia entstand. Es war nun ein glücklicher Gedanke der Londoner „Union der jüdischen Frauen", an alle jüdischen Prediger den Aufruf zu erlassen, auf der Kanzel an einem bestimmten Tage alle ihre Kräfte für den Friedensgedanken einzusetzen. Viele kamen diesem Aufruf nach, und es war erfreulicherweise zu beobachten, wie so in diesen Tagen über das ganze Land eine Friedensbewegung ging; Frieden — als das Ideal des jüdischen Volkes. jJmthcke l^lauttarungenr d&lmzelütelienku^^ Z. 3949 ex 1929. Wien, 10. Juni 1929. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien beabsichtigt, für die jüdischen Bewohner des 21. Bezirkes eine Koscherfleischbank unter Aufsicht des Rabbinates der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu stellen. Fleischhauer, welche bereit wären, ihre Fleischbank unter ritueller Aufsicht der Kultusgemeinde zu betreiben, mögen ihre Gesuche an den Kultusvorstand, Wien I., Seitenstettengasse 4, bis spätestens 28. d. M. richten. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Danksagung. Anläßlich unserer goldenen Hochzeit sind uns so viele ehrende und hocherfreuende Beweise von Freundschaft zugekommen, daß wir außerstande sind, hiefür jedem einzeln geziemend Dank zu sagen. Wir sprechen daher auf diesem Wege dem verehrlichen Präsidium der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, dem Vorstande des Tempelvereins „Aeschel Awrohom" sowie allen unseren Freunden und Bekannten unseren wärmsten Dank aus. Wien, im Jnni 1929. Josef und Rosa Kessler. Seite 5 Jüdische Bühnenkünstler. Adolf Sonnenthal zum Gedenken* (Vortrag von Prof. Heinrich Gliicksmann auf dem 12. Sprechabend der „UnPon") (Schluß.) Der Triumphator Sonnenthal seiist konnte sich aber nicht recht freuen. Wieder war es seine Güte, die ihn daran hinderte. Der Tod des Zaren hatte nämlich Lewinskys russische Kunstfahrt zunichte gemacht, und Sonnenthal kränkte sich tief darüber, daß er nicht mehr zur'üfck konnte und durfte und daii er nun dem alten Kameraden den Schmerz des Verlustes dieser Rolle zufügen mußte. Denn jetzt, nach dem ungeheuren Erfolge ließ ihn Burckhardt nicht mehr los, und am 23. Jänner 1895 zog sein Nathan auch ins Burgtheater ein, um noch 14 Jahre lang zu den Kleinodien seines Kunstbesitzes zu gehören. Güte war der Grundzug seines Nathan wie seiner sedbst. Aus dieser Güte heraus wurde er vor Gericht aus dem Zeugen und Privatbeschädigten der flammende Verteidiger seines alten Ankleiders, der seine Garderobeschränke geplündert hatte, aus dieser üüte heraus gewann er, der sieghaiteste Liebhaber der Bühne, der zaghafteste im Leben, die Kraft, seine Schüchternheit zu überwinden und sich die Geliebte dies Herzens zu erobern. Er hatte schon lange in der sehr reichen Familie verkehrt, und seine Neigung zu der älteren Tochter des Hauses war niemand ein Geheimnis, aber er scheute die Erklärung, weil ihm davor bangte, in den Schein des Mitgiftjägers zu kommen. Da warf ein Unglückstag die stolze Geschäftsfirma über den Hauten, der nackte Bankrott war da, der vollständige Ruin. Nächsten Morgen trat Sonnenthal: vor den gramgebeugten Vater und erbat die Hand des Mädchens. Der eine Zug enthüllt den ganzen Sonnenthal, diesen E d e 1menschen, diesen Edel j u d e n. Schade, sehr schade, daß er nicht mehr dazu kam, den schon mit größter Hingebung studierten Shylock darzustellen. Er hätte wohl bewiesen, daß dieser gehetzte und in der Hetze von dem christlichen Verführer auch um die Liebe des einzigen Kindes geprellte Jude, dieser Künder des „Aug' um Aug1 und Zahn um Zahn" keine Bestie ist, sondern nur der sich autbäumende, getretene Wurm, in dessen Wesen auch Güte schlummert, aber von Haß und Tücke plattgehämmert und zerdrückt .... Sonnenthal war der Schauspieler des Herzens, er war das Herz der Schauspielkunst seiner Zeit. Die Gefiiihlswärme, der Ueberschwan>g des Empündensv lodernde Leidenschaftlichkeit, Enthusiasmus für das Erhabene, das sind die Wurzeln der besonderen Begabung deir Juden für die Bühne, unter deren Säulen und Zierden sie mit einem starken Prozentsatz stets vertreten waren und sind. Das Sprechen mit den Händen, das vom Voikswitz zumeist von gegnerischer Verspottungssucht als spezifisch jüdisch bezeichnet wird, ist eine hohe schauspielerische Qualität. Die Geste ist die stärkste Ausdruckskraft des Mimen, und sie beherrscht der Jude von Natur aus. Darum nennt ihn Arnold Zweig mit Fug und Recht den geborenen Schauspieler. Irgendwie hängt dies gewiß mit der Geschichte des Judentums, mit seiner Leidensgeschichte zusammen, diei ihm so oft die Straße zur Heimat machte, es von den anderen Völkern abschloß, es zwang, sich untereinander durch eine Art mimischer Geheimsprache zu verständigen, vor jenen anderen, den Feinden, den Verfolgern, Masken anzunehmen und die aus dem Leid heraus Aus Anlaß meines 35jährigen Dienstjubiläums sind mir zahlreiche Gratulationen, Aufmerksamkeiten und Anerkennungen zuteil geworden, wofür ich Allen auf diesem Wege meinen herzlichsten Dank ausspreche. Insbesondere danke ich dem verehrlichen Präsidium der Israelitischen Kultusgemeinde, dem geehrten Präsidenten des Bethausvorstandes sowie dem gesamten Vorstand, den liebenswürdigen Oberkantoren Math y a s und Fischer, als auch meinen lieben Mitarbeitern und Kollegen vom Chorpersonal, und allen Freunden und Gönnern. Wien, im Juni 1929. Jose! Zellnik, Chordirektor der israelitischen Kultusgemeinde.