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Die Wahrheit · 1929-06-14 · Heft 24 (14.6.1929) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 24 (14.6.1929)
Date
1929-06-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 Die Zionistische Organisation «oll, solange ihre Organisation und Verfassung nach der Meinung des Mandatars angemessen sind, als diese Vertretung anerkannt werden. Sie soll im Einvernehmen mit der Königlich Britischen Regierung Schritte unternehmen, uro die Mitarbeit aller luden zu sichern, die gewillt sind, bei der Eririchtunig des jüdischen Nationalen Heimes zu helfen." Die jüdische Vertretung (Jewish Agency) wird also nur beratend bei der Verwaltung Palästinas mitwirken können, während das letzte Wort in allen die Verwaltung betreffenden Fragen weiter England zu sprechen haben wird.' Dieser Umstand allein gibt zu Bedenken Anlaß, denn man muß immer wieder zur Ueberzeugung kommen, daß die englische Politik in Palästina nicht eine jüdische Politik, sondern eine Politik Englands ist. Die jüdische Verwaltung in Palästina, das von den Juden aller Welt geförderte Aufbauwerk, die Hebung der Kultur des Landes und nicht zuletzt die finanziellen Erträgnisse des Landes sind England sehr erwünscht und die englische Regierung wird bemüht sein müssen, das Interesse der Juden für das Aufbauwerk in Palästina aufrecht zu erhalten, da durch die Förderung des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina nicht nur englische Juden, sondern Juden aller Weltteile für den Aufbau Opfer bringen und dadurch indirekt die englische Politik und den englischen Staatshaushalt in Palästina unterstützen. Es erscheint also der Wunsch Englands vom englischpolitischen Standpunkte aus vollkommen gerechtfertigt, daß in der Jewish Agency alle Juden der Welt mitarbeiten. Die zionistische Organisation soll einstweilen bis zur Gründung der Jewish Agency deren Interessen bei der britischen Regierung vertreten. Die zionistische Organisation ist bestrebt, die im Artikel 4 des Mandates verlangte Jewish Agency ins Leben zu rufen, und glaubt annehmen zu können, daß sie in dieser Jewish Agency eine bevorrechtete gJaubans ist das Haus. Im Hause muß das Licht des Glaubens aufgehen, hier muß die Religion gelehrt, gepflegt — und gelebt werden, soll sie unsern Kindern erhalten werden, d. h. ewig bestehen. Und dazu sind in erster Reihe die Stützen des Hauses, die Frauen und Mütter, berufen. Warum, so fragt der Midrasch, sollte Moses zu den Frauen zuerst sprechen? Und die Antwort lautet: Damitt sie ihre Kinder der Thara zuführen und sSie im Glauben erziehen. Frauen, so bemerkt der Midrasch. sind imstande, die ganze Thora zu zerstören und zu vernichten. Die Richtigkeit dieser Behauptung braucht wahrlich nicht erst bewiesen zu werden. „Israel stand unter dem Berge". Der Talmud bemerkt dazu: Gott stellte das Volk unter den Schutz des Berges (Sinai), wie das Faß dazu dient, seinen Inhalt zu schützen, ebenso bildet den Schutz Israels seine Thora. Und Gott sprach: Haltet ihr die Thora in Ehren, dann ist es gut für euch, dann seid ihr geborgen. Wenn nicht, dann werdet ihr dort in der Fremdie, unter den Völkern, die euch niioht kennen, unter den Nationen, die euch verkennen, zugrunde gehen. Die Thora ist euer Schutz und Schirm und darin liegt das Geheimnis eures Bestandes. „Und sie standen (aufrecht) unter dem Berge." Wir haben wahrlich keinen Grund, uns unserer Religion, unseres Glaubens, unserer heiigen Thora zu schämen. Stolz und selbstbewußt als Jude soch zu bekennen, ist die heiligste Pilioht aller, deren Vorfahren einst unter dem flammenden Sinai standen. Die erste und vornehmste Bedingung Merzu ist, sich nicht nur so zu fühlen, sondern durch seine Taten und Handlungen zu beweisen, durch sen'n Leben und Wirken zu bekunden, einem Volke anzugehören, dessen Aufgabe und Bestimmung es ist, zu sein und zu bleiben „ein einig Reich von Priestern und ein heiliges Volk." Stellung vor den Vertretern der übrigen Judenschaft wird einnehmen können. Dieser Gedanke scheint auch den Beschlüssen des 14. und 15. Zionistenkongresses zugrunde gelegen zu sein, in denen „unabänderliche" Grundlagen für die Konstitution der Jewish Agency festgelegt wurden. Es wurde also bereits von der zionistischen Organisation eine Art Programm geschaffen, das unabänderlich sein soll, auch wenn die übrigen Mitglieder der Jewish Agency anderer Meinung in dem einen oder anderen Programmpunkte sein sollten. Daß die Zionisten der Meinung sind, daß ihnen in der Jewish Agency ein Vorrecht gebühre, geht wohl am deutlichsten aus dem Beschlüsse hervor, daß der Präsident der zionistischen Weltorganisation Präsident der Jewish Agency sein müsse, während die Mandate in dieser Körperschaft zwischen Zionisten und Nichtzionisten gleich zu verteilen wären. Mit Rücksicht auf die notwendige politische Einstellung des Präsidenten scheint durch diese Maßnahme die Vorherrschaft der zionistischen Vertreter in der Jewish Agency gesichert. Es wird also für jeden Nichtzionisten notwendig, daß er sich die Frage vorlegt ob er überhaupt an der Schaffung eines jüdischnationalen Heims in Palästina mitwirken will und ob er die Jewish Agency in der von den Zionisten gewünschten Form als die Vertretung der Gesamtjudenschaft der Welt in der Frage der Verwaltung Palästinas anerkennen kann. Es ist begreiflich, daß die zionistische Organisation durch die Schaffung der Jewish Agency eine Zurückdrängung ihres bisherigen Einflusses auf den Aufbau Palästinas befürchtet, weil immerhin der größte Teil der auf der Welt lebenden Judenschaft noch nicht zionistisch eingestellt ist. Es muß aber auch den Zionisten klar werden, daß nur dann eventuell für alle Juden ohne Rücksicht auf ihre innerjüdische Politik die Möglichkeit besteht, die Jewish Agency als Repräsentanz des gesamten Judentums anzuerkennen, wenn die Voraussetzungen geschaffen sind, daß alle Sonderbestrebungen irgend einer jüdischen Partei bei der Zusammenstellung dieser Körperschaft ausgeschaltet bleiben. Solange aber die Gefahr besteht, daß die Jewish Agency nicht die Repräsentanz aller Juden, sondern vornehmlich die Repräsentanz der zionistischen Organisation darstellt, obwohl ihr, allerdings in der Minderheit Nichtzionisten angehören, solange die Frage der jüdischnationalen Politik außerhalb Palästinas nicht endgültig zurückgestellt und solange nicht einfür allemal vom Völkerbund ausdrücklich festgelegt ist, daß durch die Schaffung einer jüdischnationalen Heimstätte in Palästina die politischen Rechte der außerhalb Palästinas lebenden Juden unangetastet bleiben, wird es immer eine Gefahr bedeuten, unter allen Umständen den durch Englands Egoismus geförderten politischen Zionismus, in welcher Form er immer sich darbietet zu unterstützen. Der „kleine" Zionistenkongreß. So wird eine Tagung des zionistischen Aktionskomitees genannt, jenes höchsten zionistischen Forums, das während der Kongresse die Geschäfte der zionistischen Organisation zu führen hat. Eine solche Tagung fand in der Vorwoche in Berlin, nicht, wie in Aussicht genommen, in Palästina statt. Die Sitzung beschäftigte sich ausschließlich mit der Vorbereitung der Einberufung des Councils der Jewish Agency, die, wie wir bereits meldeten, Mitte August d. J. nach dem XVI. * Zionistenkongreß in Zürich erfolgen soll. Weizmann war

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