Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 23 (7.6.1929)
- Date
- 1929-06-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 iiinuiniHHDifflnHni DIE WAHRHEIT VfcluikeibntQafl5g* „Bodenständigkeit." Dr. Richard S t e i d 1 e, der erste Bundesführer der „Heimwehr" hat sich bekanntlich in seinem Aufsatze im „Neuen Wiener Journa 1", dessen judenfreundiiche Tendenz inzwischen durch die antisemitischen Erklärungen seines Kollegen Doktor Pf r im er ad absurdum geführt wurde, vor allem an die „bodenständigen" österreichischen Juden im Gegensatz zu den lästigen Einwanderern aus dem Osten gewandt. Er hat damit ein Wort angewendet, das im politischen Sprachschatz Oesterreichs einen sehr üblen Klang besitzt. Wird es ja auch von den Judenfeinden zur Betonung ihrer Besonderheit gebraucht. Und so finden wir es auch in einem Inserate in dem Organ der Wiener Heimwehr „Die Heimat". Dieses Inserat erledigt alle von gewisser Seite ausgehenden Einflüsterungen, als ob die „Heimwehr44 nicht nur nicht antisemitisch, sondern sogar judenfreundlich sei. Es sei daher auch manchen Juden zur Berücksichtigung hierher gesetzt: $ns Sugbfott Der $eimtoel)r< ftCtOCQtlltf) tt einaio traft allem feie &eitfyd)öiferretdMfcfte gagesaettwig (&m 6te fömpft ©djutter an €d)ulter mit ber £eimroef)r fitr freUjett tat* Italft *e* frtfrtnff&tfrfgeif $Mk**- Das wüsteste Judenhetzblatt Wiens wird hier als „Tagblatt der Heimwehrbewegung einzig und allein" empfohlen! Wem das nicht zu denken gibt, dem ist nicht zu helfen! Der „Preußische Landesverband" nicht anerkannt. In Preußen besteht bekanntlich bereits seit mehreren Jahren ein „Landesverband jüdischer Gemeinden", welche Institution unsere Zionisten zum Vorbilde wählen wollten, als sie in Oesterreich die Schaffung einer ähnlichen Körperschaft anstrebten, was aber unterblieben ist. Daß die Verhältnisse in den preußischen jüdischen Gemeinden, die beinahe alle gleich groß sind, ganz andere sind als bei uns, wo der Großgemeinde Wien nur mittlere und Kleingemeinden gegenüberstehen, hat unsere Jüdischnationalen bei ihrem Plane nicht gestört, der ihnen hauptsächlich neue Gelegenheit zur Parlamentspielerei geben sollte. Nun kommt vom Großen Rat des „Preußischen Landesverbandes", der vor kurzem in Berlin tagte, eine interessante Nachricht, die auch hier in Wien Beachtung finden mag. Dieser schon so lange existierende „Landesverband" ist von der Preußischen Staatsregierung trotz aller Bemühungen noch immer nicht anerkannt. Denn S. Griiners 353 Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1.60 VorzOgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Köche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. als Körperschaft des öffentlichen Rechtes hat die Staatsregierung an ihn die Forderung gestellt, daß die Mitglieder des Rates die preußische Staatsbürgerschaft haben müssen. Dazu ließ die jüdischnationale Volkspartei durch ihren Redner, Dr. Kl e e, die Erklärung abgeben, daß für sie eine irgendwie geartete Beschränkung der Wahl ausländischer Glaubensgenossen, die in Deutschland ihren Wohnsitz haben, vollkommen unannehmbar sei. Lieber würde die Volkspartei auf die Anerkennung desLandes verbandesalseineröffentlich-rechtlichen Körperschaft verzichten, als eine solche Bedingung in K a u f z u n e h m e n. Es ist die Frage, ob sich die preußische Staatsregierung durch solche Drohungen des Zionisten Dr. Klee einschüchtern lassen wird. Um die Jewish Agency. Dr. Hugo Hermann, der/ Generalsekretär des bevorstehenden 16. Zionistenkongresses, gewährte anläßlich eines Besuches in Bielsko dem dortigen „Jüdischen Volksblatt" eän irecht interessantes Interview lüber die Jewish Agency, das einige Stellen enthält, die auch wir aufgreifen wollen. So sagte Dr. Hugo Hermann u. a.: „Nach den Kon>greß>- beschllüssen kann der Council der Jewish Agency erst zusammentreten, wenn Repräsentanten einer bestimmten Anzahl von Ländern vertreten sind, und es ist schon dadurch die Sicherheit gegeben, daß an ihm vom ersten Augenblick an auch Vertreter der wichtigsten jüdischen Zentren von Mittel- und Osteuropa teilnehmen werden. Es ist gar kein Zweifel, daß in einer ganzen Reihe von Ländern (England, Deutschland, Tschechoslowakei') die Vertreter für den Council rechtzeitig gewählt sein wenden." Wir gestatten uns, daran zu zweifeln; daß „gar kein' Zweifel" an der .rechtzeitigen Wahl dieser Vertreter besteht. Wenn man bedenkt, mit welcher Laxheit seitens' der; österreichischen zionistischen Organisation diese Frage seit Monaten behandelt wird, wird man diese unsere Zweifel für berechtigt halten. Als wir vor einiger Zeit auf Grund einer angeblich f alschen J. T. A.¬ Nachricht Forderungen an die Herren erhoben, die darin gipfelten, daß man sich bei den Unterhandlungen an die wirklich kompetenten nichtnationalen Organisationen wende, da wurden wir mit Hohnlächeln darüber belehrt, daß das einzig Sache der Zionisten sei,, die schon wissen wiüirden, wie sie sich zu verhalten hätten. (Wir erinnern uns, daß die misrachistische „Jüdische Welt" uns recht entschieden in diesem Zusammenhange zurechtgewiesen hat.) Seit damals ist sehr viel Zeit verstrichen und man hat nicht gehört, daß die Angelegenheit weiter gediehen wäre, woran wohl nur die etwas hochmütigen Jüdischnationalen schuld tragen. Wohl kann man sich auf den Standpunkt steüen, daß eine Vertretung unseres armen Oesterreich in der Jewish Agency nicht gar so wichtig ist — und wir wollen mit diesen kritischen Betrachtungen absolut nicht einer Entscheidung seitens der hiesigen Nichtzionisten vorgreifen, — aber geschehen sollte endlich etwas in dieser Angelegenheit, schort deshalb, weil die Einberufung dies Councils ja fün den Sommer d. J. geplant ist. In dem Lande, in dem „Es muß was geschehen" eine beliebte Forderung ist. geschieht in Wirklichkeit nichts, in dieser Hinsicht haben sich auch unsere Jüdischnationalen assimiliert. Oder wollen sie nicht, daß die Frage endlich bereinigt wird? So wichtig: wie die Tschechoslowakei mit ihren 350.000 Juden sind wir am Ende auch, außer man bevorzugt diese darum, weil sie eine starke zionistische Domäne ist. Und das ist doch schließlich füiir uns nicht entscheidend. Judische Generale in Australien. General Monash, den Kommandeur der austräftchen Armeei im Kriege, der Jude ist, marschierte im Rahmen einer