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Die Wahrheit · 1929-06-07 · Heft 23 (7.6.1929) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 23 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT niüiifiaiülfiBiiiiiinDnion Seite Ii Professor Dr. Innitzer hat wohl erst vor einiger Zeit die wissenschaftliche Begeisterung der jüdischen Studentenschaft öffentlich gewürdigt, dennoch ist es auf unserer Universität gestattet, daß akademische „Helden" straflos gegen diese jüdische Studentenschaft losgehen, wie die letzten Ereignisse wieder bewiesen haben. In diesem Berichte müssen wir auch des furchtbaren Unglücks gedenken, das unsere Stadt am unseligen 15. Juli 1927 heimgesucht hat. Sofort nach diesem Unglückstage log die antisemitische Presse, daß das entsetzliche Geschehen „Judas Werk" gewesen sei; da gab es für uns zur Widerlegung dieser Lügen viel Arbeit. In überaus dankenswerter Weise hat unser deutscher Bruderverein, der „Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" unsere Arbeit ergänzt und gefördert. Zu der vorjährigen Hauptversammlung des „Centraivereines" hat der Zentralvorstand der „Union" eine persönliche Einladung des I. Vorsitzenden, Justizrat Dr. Brodnitz, erhalten, welcher er aber zu seinem Bedauern nicht Folge leisten konnte. Dagegen gereichte uns zu besonderer Befriedigung die überaus herzliche Aufnahme unseres Sekretärs, der im November 1927 einige Tage zu Studienzwecken, welchen er insbesondere beim „Centralverein" oblag, in Berlin weilte. Wir können auch unsere Berliner Freunde zu dem Ausgange der vorjährigen deutschen Reichstagswahlen beglückwünschen, die eine schwere Niederlage der antisemitischen Rechten und einen überwältigenden Sieg der deutschen verfassungstreuen Partei erbrachten. Wir haben uns weiters an dem schärfsten Proteste gegen die unter den Augen der früheren rumänischen Regierung verübten antisemitischen Exzesse beteiligt. Die verfassungs- und rechtswidrige Behandlung unserer Glaubensgenossen in Rumänien machte es auch dem österreichischen Judentum zur Pflicht, laut und vernehmlich seine Stimme zu erheben, um die Abstellung der unhaltbaren Zustände in Rumänien im Namen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit, aber auch auf Grund der internationalen Verträge zu fordern. Ein aus prominenten Vertretern der Wiener Judenschaft gebildetes Komitee, dem von unserer Vereinigung die Herren Präsident Dr. J. Ornstein, die Vizepräsidenten Karl Fröhlich und Hof rat Dr. J. Löwner angehörten, veranstaltete ein Massenmeeting, zu dem mehr als tausend Personen erschienen. Nach dem seither verstorbenen Oberrabbiner Dr. Chajes begründete Dr. Ornstein in einer eindrucksvollen Rede die einstimmig angenommene Protestresolution. Der unermüdliche, mit allen Waffen der Wissenschaft geführte Kampf der „Union" um die Anerkennung des Optionsrechtes jener Juden, welche bereits vor dem Umstürze in einem der späteren Nachfolgestaaten heimatberechtigt waren, hat wohl schon vor mehreren Jahren infolge der Waberschen Interpretation des Art. 80 des Friedensvertrages und deren Billigung durch den Verwaltungsgerichtshof seinen Abschluß gefunden. Aber nach so vielen Jahren zeigte wieder ein Mann der Wissenschaft, Univ.- Dozent Dr. Liermann die Unrichtigkeit der Rechtsprechung dieses Gerichtshofes auf, wie unser Präsident in der „Wahrheit" in einem die Abhandlung des Dr. Liermann behandelnden Artikels darzulegen vermochte. Dr. Ornstein hat ebenso an den Favoritner Bezirksrichter Landesgerichtsrat Dr. Langer, der bei einer Ehrenbeleidigungsverhandlung eine gänzliche Unkenntnis des fundamentalen Satzes unserer Bibel: „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst" bewies, ein aufklärendes Schreiben gerichtet. Zusammenfassend können wir sagen, daß wir auch weiter alle Abwehrkräfte bereithalten müssen, denn der Antisemitismus, mag er auch äußerlich weniger in Erscheinung treten, vergiftet nach wie vor unser politisches und geistiges Leben. Man beachte nur die Einführung des Arierparagraphen im „Oesterreichischen Skiverband" oder die Boykottpropaganda Dr. Walter Riehls anläßlich des vorjährigen Sängerfestes. Wie notwendig eine starke Abwehrorganisation ist, brachte uns der Tod Leopold Hilsners in Erinnerung, des unglücklichen Opfers eines entsetzlichen Irrwahnes. Wir haben seinerzeit den Kampf gegen die ungeheuerliche Blutbeschuldigung unermüdlich geführt; besondere Verdienste in demselben haben sich unser treuer Beirat Dr. Julius Ofner und unser verewigter Sekretär Siegfried Fleischer erworben. (Schluß folgt.) Union deufsdiöstcrreHhlsdier Juden Ortsgruppe Leopoldstadt Einladung zu dem Montag, den 10. Juni 1929, 8 Uhr abends im Restauraut S. Deutschberger (Gulyashütte, Ausstellungsstraße vis-ä-vis vom »Eisvogel") stattfindenden 4* Sprechabend: Dr. Ernst Feldsberg über die „Jewish Agenoy" Hofrat tag. Josef Löwy über „Aktuelle Jüdisohe Fragen". Anschließend Diskussion Gäste, auch Damen, willkommen Für den Vorstand der Ortsgruppe: Der Obmann Oskar Tonello »■■■■■» Marienbad Franzensbad Grand Ttestaurant „fürstenßof" streng orthodoxe Küchel^ SllftOU R3db 1^2 streng orthodoxe Küche "1^3 ^f^u'lNATT„GolbenerScflfüsset ■HWHHIIHUI —mW

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