Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 22 (31.5.1929)
- Date
- 1929-05-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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nilill|nimil111iniffllllTiniiniIlllllin|ii^iiiiiiiiuiiiiiiiinmniiniHiiiiiiiiimiimm Seite 13 Henry Ford — ein deutscher Jude! In den „Blättern des Berliner Theaters" war in einem Artikel „Die Völkerstadt New York" von Ossip Dymow zu lesen: „Dreißig Prozent der Bevölkerung von New York sind Juden! Aus aller Welt sind sie gekommen: aus Deutschland und Rußland, aus Polen und aus der Türkei . . . Von ihnen sind die deutschen Juden als erste eingewandert: sie haben sich längst akklimatisiert und sind ganz und voll in das amerikanische Leben eingegangen. Guggenheim, Wertheim, Schiff, Strauß, Schwab, Ford, Ochs (der Herausgeber der „Times"), O. Kahn, Rosenwald, B. Baruch sind heute genau so gut amerikanische Namen wie Vanderbilt und Morgan." Sollte die Leitung der „Blätter des Berliner Theaters" wirklich glauben, daß Henry Ford, der sich durch sein Buch „Der internationale Jude" in den Ruf eines starken Judengegners gebracht hatte; bis er allerdings in einer Erklärung seine früheren Behauptungen als Irrtümer zurücknahm, Jude ist? Das hat sich Henry Ford sicherlich niemals träumen lassen! Ein Wahlkuriosum in Tel-Aviv. Vor einiger Zeit wurden, wie schon berichtet, nach vorangegangenen schweren Wahlkämpfen die neuen Stadtväter von T e I - A y i v nominiert. Dabei ergab sich eine merkwürdige Situation. In dieser rein jüdischen Stadt wohnen nämlich einige arabische Familien, und als vollberechtigte Bürger der Stadt genießen auch sie die Segnungen des Wahlrechts Tel-Avivs. Irgend efti eifriger Agitator, so wird erzählt, hat es auch verstanden, diese braven Moslems für die Wahlen zu interessieren, und zwar ausgerechnet für die Liste des „M i s r a c h i", der zionistischen Orthodoxie. Nun aber hatte einer von ihnen das Pech, vor der Wahlurne zu bemerken, daß er seinen Stimmzettel zu Hause vergessen habe. Was tun? Lesen konnte er nicht, und hebrä'sch lesen schon gar nicht — er ließ sich also alle Zettel vorlegen, um aus deren Form und Farbe wiederzuerkennen, welches „seine" Liste war. Schließlich gelang die Identifizierung und befriedigt zog unser Mann heim — um nach einer Stunde unter großem Skandal wiederzukehren: es war doch eine falsche Liste gewesen, die er abgegeben und die er nun wieder aus der Urne zurückzuerhalten verlangte. Und er beruhigte sich erst, als man ein Protokoll mit ihm über den Fall aufnahm (das er nach landesüblicher Art mit seinem in Tinte getauchten Daumen unterzeichnete) und das „Dokument" an die Wahlleitung weiterzugeben versprach... Dr. K. Sic transit... Nachdem die Israelitische Gemeinde in Brombach sich bis auf eine Familie aufgelöst hat, wurde die Synagoge von der politischen Gemeinde erworben und in ein — Spritzenhaus umgewandelt... Kumt und Literatur Sium-Feier im Maimonides-Institut. Anläßlich des Abschlusses der seit vielen Jahren von Rabbiner Dr. A. Kaminka gehaltenen Vorträge über „More Nebuchim" wird vom Vorstande des Instituts Montag, den 10. Juni, 6)4 Uhr abends, Darwingasse 21, eine solenne Sium- Feier veranstaltet, bei der sämtliche Dozenten Ansprachen halten werden. Im Anschluß daran findet am selben Abend um 8 Uhr ein Bankett für geladene Gäste im Restaurant ßarschak statt. Freunde des Institutes, welche auf eine Einladung reflektieren, wollen dies bis zum 4. Juni der Leitung (III., Obere Weißgärberstraße 24) mitteilen, da die Zahl der in Aussicht genommenen Teilnehmer eine beschränkte ist. Handwörterbuch für Politik und Wirtschaft der Gegenwart, von Regierungsrat J. Kreppel, Lieferung 5: Beira-Bevölkerungsbewegung. Verlag „Das Bu ch", Wien I., Postamt 9/22, Preis per Lieferung Mk. 3.—, Subskriptionspreis für das ganze Werk (24 Lieferungen in drei Leinwandbänden) Mk. 40.—. Die vorliegende Lieferung 5 des großangelegten Handwörterbuches reiht sich den bisherigen würdig an. Mit besonderer Ausführlichkeit ist der Artikel „Belgien" gehalten, der alle politischen und wirtschaftlichen Probleme dieses Staates eingehend behandelt, besonders die flämische Frage, das Scheideproblem, die jüngsten Enthüllungen über den belgisch-französischen Geheimvertrag usw. Sehr interessant und ausführlich sind auch die Artikel Beirut, Belagerungszustand, Berlin, Besetztes Gebiet. Beßarabien. Berufszählung, Bevölkerungsaustausch, Bevölkerungsbewegung, ferner die zahlreichen Biographien und einige größere geographische Stichworte. ... Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland. Philo-Ver lag-Be rlin. 1. Heft April 1929. Jahresabonnement Mk. 10.—. Einzelheft Mk. 2.75. Das erste Heft der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" stellt eine beachtenswerte Bereicherung der deutschen Geschichtswissenschaft dar. Es wird in allen interessierten Fachkreisen und danüiber hinaus in den Reihen derer, die eine Betrachtung der Gegenwart gern auf der Grundlage eines sicheren historischen Wissens vornehmen, mit lebhafter Freude begrüßt werden, daß nach jahrzehntelanger Pause für die Bearbeitung dieses wichtigen Gebietes der deutschen Geschichte wiederum ein selbständiges Forschungsorgan zur Verfügung steht. Drei angesehene und bewährte Gelehrte, Professor J. E1 b o g e n, Professor A. Frei mann und Rabbiner Dr. M. Freudenthal geben die Zeitschrift unter Mitwirkung von Guido Kisch, Halle, Richard Köbner, Breslau, Wilhelm Levison, Bonn. Samuel S t e i n h e v z, Prag, Moritz Stern, Berlin. Alfred Stern, Zürich, Eugen T ä u b 1 e r, Heidelberg, Adolf Warschauer. Berlin, heraus. Bereits das erste Heft mit einem überaus reichen Inhalt zeugt von dem wissenschaftlichen Ernste, mit dem die neue Zeitschrift ihre Arbeit begonnen hat und beweist, weiche fruchtbringenden Ergebnisse von ihr erwartet werden können. R. S t r a u s stellt ein großzügiges Programm für die Zeitschrift auf. A. Kober wirft einen Rückblick auf die Ergebnisse, die auf dem Gebiete der Geschichte der deutschen Juden in den letzten Jahrzehnten gezeitigt wurden. Das schwierige Problem der ersten Ansiedlungen von Juden in der germanischen Frühzeit schneidet S. Levi unter Mitwirkung erstklassiger christlicher Gelehrter, wie Blau fuß. Nürnberg, Behrens, Mainz, N e e b, Mainz und 0 s t e, Krefeld, in der Arbeit „Frühgeschichtliche Spuren der Juden in Deutschland" an. J. E1 b o g e n berichtet über hebräische Ouellen des deutschen Frlühmittelalters zur Rechts- und Wirtschaftsgeschichte. Eine iri rechtsveriassnngs- und -verwaltungsgeschichtlicher Hinsicht wichtige. Quelle aus dem Staatsarchiv Nürnberg erschließt M. Freudenthal. Auf die großen Beiträge folgen Rezensionen. Notizen, sowie eine von Professor Heinrich Loewe sorgfältig zusammengestellte Biographie, die fortgesetzt wird. Der Ertrag des ersten Heftes der neuen Zeitschrift kann also als recht erfreulich bezeichnet werden. Die Einschreibungen in die jüdische Volks- und Hauptschule für Knaben und Mädchen mit Oeüentlichkeitsrecht, IL, Malzgasse 16, finden vom 9. bis inklusive 13. Juni zwischen 9 und 11 Uhr vormittags in der Kanzlei der Schule, IL, Malzgasse 16, statt. Gleichzeitig finden die Anmeldungen für die rituelle Schülerausspeisung statt. DR. KRÜGER-HEIM (frfiher ELISABETH-HEIM) für Lehrmädchen und jugendliche Arbeiterinnen Tel. R 43-5-40 WIEN II., MALZGASSE 7 Tel. R 43-5-50 Einzige, jüdische Privat - Frauengewerbeschule Für Wei&näSsen und Kleidermachen mit Offentlichkeitsrecht Staatsgültige Zeugnisse — Gehilfinnenrecht — Internat (streng ritueller Haushalt) Unterrichtsgegenstände: Praktische: Weißnähen, Kleidermachen, Schnittzeichnen, Dekoratives Zeichnen. — Theoretische: Deutsch, Rechnen, Materialienkunde, Bürgerkunde, Gesundheitslehre, Singen, rhythmisches Turnen, jüdische Ethik Externe Schülerinnen zahlen: Schulgeld per Jahr S 260'— in 10 Monatsraten ä S 26*—. Einmalige Einschreibgebühr S 20.— Interne Zöglinge zahlen: Internat ohne Schule S 105*-, Internat mit Schule S 130'— per Monat Die befähigten Absolventinnen haben die Möglichkeit als kollektivmaflig bezahlte Angestellte in unserem Atelier für einfache bis feinste Damenbekleidung welches wir gleichzeitig den p. t. Damen empfehlen, eine weitere Ausbildung (bis zum Meisterrecht) zu erlangen. Rechtzeitige Einschreibungen dringend geboienl Einschreibungen täglich 10—12 und 3—5 (exklusive Samstag)