Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 22 (31.5.1929)
- Date
- 1929-05-31
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT mm Seite weisendes Wort zu lesen ist, ja, die sich bei vielen Anlässen sogar der schützenden Patronanz der „Reichspost" zu erfreuen hat. * , * * Die hakenkreuzlerische Provinzpresse hat bekanntlich eine Zeitlang heftige Angriffe gegen die Herren Steidle und Pfriemer mit der Begründung gerichtet, daß diese in ihren antisemitischen Reden zu zarte Töne anstimmen. Jetzt sind auch diese Angriffe auf eine mildere Tonart gestimmt worden. Wie dies zu erklären sei? Darüber zirkulieren verschiedene Erklärungen, deren Richtigkeit wir nicht zu prüfen in der Lage sind. Bestimmt unwahr erscheint mir die Version, daß die hakenkreuzlerischen Schreiber sich davon überzeugen ließen, man dürfe von den Juden nicht erwarten, daß sie auch noch radikale antisemitische Hetzreden mit ihrem Gelde bezahlen würden. * , * * Die antisemitische Hetze in Wort und Schrift hat, wie dies nicht anders zu erwarten war, ihre schädigende Wirkung auf den Fremdenverkehr in Oesterreich geübt. Die Versuche, dies zu bestreiten, sind vergeblich. Oder soll vielleicht die Frechheit, mit der die heimischen Juden in der Hakenkreuzlerpresse als „Fremde" stigmatisiert werden dürfen, als Ersatz für „Fremde" aus dem Auslande gelten? Ego? Hauptversammlung des Verbandes der mährischen Kultusgemeinden. Von Dr. Theodor Haas. Advokaten in Brünn. Wie alljährlich im Frühjahre, fand auch heuer am 5. Mai die Hauptversammlung des Landesverbandes der israelitischen Kultusgemeinden Mährens statt, und zwar im Anschlüsse an die Delegiertentagung des mährisch-jüdischen Landesmassafonds, einerseits um den auswärtigen Delegierten eine zweimalige Reise nach Brünn zu ersparen, anderseits auch aus dem Grunde, weil die Agenden dieser beiden Korporationen, insbesondere was die Subventionen an notleidende Gemeinden und deren Angestellte betrifft, immer mehr mit einander in Verbindung treten und sich ergänzen. Einleitend verwies der Vizepräsident des Landesverbandes, Herr Oberrabbiner Dr. Ludwig L e v y (Brünn), der neben dem Verbandspräsidenten Herrn Dr. Alois Hilf (Mähr.- Ostrau) den Vorsitz führte, auf den Umstand, daß das abgelaufene Jahre (1928) im Zeichen der Jubiläumsfeierlichkeiten des zehnjährigen Bestandes der Republik gestanden ist, aus welchem Anlasse am Tage des staatlichen Jubiläums in sämtlichen Tempeln der Republik Festgottesdienste veranstaltet wurden und auch verschiedene Wohltätigkeitsakte zur Ausübung gelangten, um die Loyalität der jüdischen Bevölkerung zu dokumentieren. Ungefähr gleichzeitig mit diesem staatlichen Jubiläum beging auch der Landesverband, der am 31. Oktober 1918 seine Konstituierung vorgenommen hatte, das zehnjährige Jubiläum seines Bestandes, und wurde hierbei insbesondere der großen Verdienste gedacht, welche sich Herr Dr. Hilf bei der Gründung und der von ihm seither S. Gruners 353 Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 Vorzügl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche-Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. innegehabten Leitung des Landesverbandes um diesen, sowie auch um das ganze mährische Judentum erworben hatte. In dem Tätigkeitsberichte, welcher sodann seitens der Verbandsleitung erstattet wurde, wurde unter anderem darauf verwiesen, daß die staatlichen Behörden auch im abgelaufenen Jahre die Intervention des Landesverbandes in vielseitiger Weise in Anspruch genommen haben und daß die diesbezüglich gepflogenen, teils schriftlichen, teils persönlichen Verhandlungen in den allermeisten Fällen zu einem günstigen Ergebnisse führten. In Angelegenheit der von der Regierung dem Landesverbände auch im abgelaufenen Jahre zur Verfügung gestellten Dotationsbeträge wurde dank dem Entgegenkommen der Großgemeinden, insbesondere der Kultusgemeinden Brünn und Mährisch-Ostrau, der Erfolg erzielt, daß diese auf den größten Teil der auf sie entfallenden Dotation zugunsten jener kleineren Gemeinden, in welchen Rabbiner angestellt sind, verzichteten, so daß diese Gemeinden aus den zur Verfügung gestellten Beträgen beteiligt werden konnten. Als weiteres wichtiges Ereignis des abgelaufenen Jahres ist die langersehnte Aktivierung von Rabbinatszusammenschlüssen zu verzeichnen. Bekanntlich ist bei der immer mehr abnehmenden Mitgliederzahl der ländlichen Gemeinden ein großer Teil derselben nicht in der Lage, einen Rabbiner anzustellen, wodurch das jüdische Leben sowohl auf dem Gebiete des Kultus, als auch des Religionsunterrichtes eine immer mehr um sich greifende Einbuße erleidet. Nunmehr ist es den jahrelangen Bemühungen des Landesverbandes endlich gelungen, den Zusammenschluß mehrerer bisher rabbinerlos gewesenen Gemeinden zu gemeinsamen Rabbinaten zu veranlassen sowie auch die behördliche Genehmigung hierzu zu erwirken. Weitere Zusammenschlüsse sind angebahnt und werden in kurzer Zeit durchgeführt werden. In Angelegenheit des Schutzes jüdischer Denkmäler hat sich der Landesverband mittels Rundschreibens an sämtliche Kultusgemeinden gewendet, um diese Objekte festzustellen und aufzunehmen. Ein großer Teil der Gemeinden ist bereits dieser Aufforderung nachgekommen und wurde das eingelangte Material zur weiteren Verarbeitung der Denkmalkommission übermittelt. Der wohlwollenden und sachgemäßen Intervention des staatlichen Denkmalamtes, welches sich auch in finanzieller Beziehung wiederholt an der Erhaltung von Tempeln und anderen denkwürdigen Baulichkeiten beteiligte, wurde hierbei rühmend gedacht. Behufs Erlangung der im Gesetze vorgesehenen Pensionen für Witwen von Rabbinern, welche vor dem Jahre 1926 verstorben sind, hat das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur die Vorlage von Dokumenten verlangt, insbesondere der Maturitätszeugnisse, deren Beschaffung allerdings von den zumeist im vorgeschrittenen Alter siehenden Witwen nicht leicht oder überhaupt nicht zu erzielen war. Diese Gesuche wurden trotz der unvollständigen Belege dem Ministerium überreicht, und ist zu hoffen, daß in Anbetracht der vorerwähnten schwierigen Verhältnisse das Ministerium sich zufolge Intervention des Landesverbandes dennoch entschließen wird, diese Witwenpensionen in Bälde zur Auszahlung zu bringen. Auch im abgelaufenen Jahre wurden an Beamte und Diener leistungsunfähiger Kultusgemeinden Unterstützungen aus jenem Fonds zur Auszahlung gebracht, welcher aus der von den Mazzesbäckern an den Landesverband vereinbarungsgemäß alljährlich zu leistenden Abgabe geschaffen wurde. fi Au %A % i f! Ii I JAC. 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