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Die Wahrheit · 1929-05-31 · Heft 22 (31.5.1929) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 22 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 die Wahrheit Die Anzahl der mährischen Kultusgemeinden hat sich im abgelaufenen Jahre um eine verringert, da die Kultusgemeinde Lomnitz mittels einer Ministerialverordnung vom 29. Oktober 1928 definitiv aufgelöst und deren Gebiet der Kultusgemeinde Brünn zugeteilt wurde. Bei der Hauptversammlung wurde ferner über die bisherige Tätigkeit des im Jänner 1928 geschaffenen Obersten Rates der Judenschaft Bericht erstattet. Es ist dies bekanntlich das Zentralorgan für die Judenschaft der Tschechoslowakischen Republik, dem sich bisher die bestehenden Landesverbände Böhmens, Mährens und Schlesiens unterworfen haben. Die Judenschaft der Slowakei und Karpathorußlands steht auf einer anderen gesetzlichen Basis, welche noch aut den ehemaligen ungarischen Gesetzen begründet ist, ist auch noch nicht vollkommen organisiert und einheitlich, und konnte daher vorläufig diesem Obersten Rate nicht unterstellt werden. Aus der Tätigkeit des Obersten Rates wurden insbesondere seine Bemühungen zur Regelung der den heutigen Verhältnissen nicht mehr entsprechenden Sprengein der Kultusgemeinden Böhmens hervorgehoben, welche verhältnismäßig noch im größeren Maße ihre Lebensfähigkeit und Existenzberechtigung eingebüßt haben, als dies in Mähren der Fall ist. Ein besonderes Augenmerk widmete der Oberste Rat der Frage der Errichtung eines Rabbiner-Seminares in Prag behufs Heranziehung eines rabbinischen Nachwuchses und hat er diesbezüglich bereits mit dem Unterrichtsministerium und anderen kompetenten Faktoren Fühlung genommen. Bisher bezog man Rabbiner aus den Seminaren in Wien, Budapest, Berlin und Breslau; es waren dies zum Teile Ausländer, welchen bei Erlangung einer Anstellung zufolge der geltenden gesetzlichen Bestimmungen mitunter Schwierigkeiten bereitet wurden. Es erwies sich daher die Notwendigkeit, sich auch nach dieser Richtung selbständig zu machen, und ist es nicht ausgeschlossen, daß die diesbezüglich unter Leitung des Prager Oberrabbiners Dr. Brody in die Wege geleiteten Vorarbeiten so weit gediehen sein werden, daß mit der Eröffnung der geplanten „Lehranstalt für Rabbiner und Religionslehrer" bereits mit Beginn des Studienjahres 1929130 gerechnet werden kann. Der Oberste Rat faßte auch den Beschluß, den Pentateuch in tschechischer Sprache herauszugeben und dieses Werk behufs Erzielung einer möglichst großen Verbreitung zu dem äußerst billigen Preise von Kc 24.— zum Verkaufe zu bringen. Schließlich wäre auf kulturellem Gebiete auch die Beteiligung des Obersten Rates an der Kulturausstellung in Brünn im Sommer 1928 zu erwähnen. Es wurden statistische Zusammenstellungen aller Art geliefert, welche insbesondere im Vergleiche zu anderen Konfessionen verhältnismäßig erfreuliche Daten zu Tage förderten. Hiermit erscheint die Tätigkeit des Landesverbandes der mährischen Kultusgemeinden in Brünn, sowie die des Obersten Rates in Prag noch keineswegs erschöpfend dargestellt, es sollte nur schlagwortartig der Beweis geliefert werden, daß trotz der vielfach ungünstigen Verhältnisse, unter welchen das jüdische Leben hier ebenso zu leiden hat wie anderwärts, zielbewußte Bestrebungen am Werke sind, um nach Möglichkeit alles das zu unternehmen, was zur Erhaltung und Festigung des Judentums in religiöser und kultureller Richtung, wie auch in sozialer Beziehung erforderlich ist und was nach Lage der Dinge unternommen werden kann. ______IUIinilHIHUIII| 8 KleiderkreditZaUbar SX£*lb ■ Sämtliche Herren- und Damenkleider S Nur Qualitätsware! »ach Maß sowie fertig lagernd. Billigste Preise! 8 KLEIOERHAUS WERTER, WIEN XVI., 5 Telephon A 1-501 Ottatafagerstraße 17 Telephon A 1-501 _ ftüitftr i MA WIEN I., Seltensten engasse 2 Tel. U 28-1-28 XL, Zentralfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel. U18-0-85 Union flenlsdiosferr. Juden. 12. Sprechabend der „Union". 23. Mai, ein Hochsommertag, wie er im Buche steht, und dennoch der große Saal des Wissenschaftlichen Klubs tiberfüllt, die Zuhörer drängen sich noch im Vorraum, da sie im Saale selbst keinen Platz mehr finden können. Das war das äußere Bild des letzten der heurigen zentralen Sprechabende der „Union", die dieser Vereinigung eine begeisterte Anhängerschaft gewonnen haben. Der ausgezeichnete Besuch war natürlich in erster Linie dem Umstände zu verdanken, daß es der „Union" gelungen war, für diesen letzten Sprechabend einen Mann zu gewinnen, der sich in Wien in weitesten Kreisen der größten Popularität erfreut. Professor Heinrich Glücksmann, der langjährige Dramaturg des Deutschen Volkstheaters, ein ausgezeichneter Kenner der Wiener und überhaupt der deutschen Theatergeschichte, hatte die große Liebenswürdigkeit, im Rahmen der „Union" einen Vortrag über „Jüdische Bühnenkünstler" zu halten. Seine ausgezeichneten Ausführungen waren insbesondere dem Gedenken Adolf Sonnenthals gewidmet, dessen zwanzigster Todestag sich vor kurzem gejährt hat. In meisterhafter Rede vermochte der Vortragende die Größe dieses Bühnenkünstlers, der auch ein guter Mensch und vor allem guter Jude gewesen ist, aufzuzeigen und hierauf einen Ueberblick über die gewaltige Schar derjenigen jüdischen Schauspieler zu geben, die ihm auf der deutschen Bühne nachfolgten. Es gereicht uns zur besonderen Freude, daß wir dank dem Entgegenkommen des Herrn Professors Heinrich Glücksmann in der angenehmen Lage sind, seinen gediegenen Vortrag auch unseren Lesern fortsetzungsweise bringen zu können; wir beginnen mit dieser Veröffentlichung an anderer Stelle unserer vorliegenden Nummer. Ein Beifall, der dem Vortrage ganz entsprach, denn er klang wie der Applaussturm nach einer gelungenen Bühnenvorstellung, durchtobte den großen Saal, als der Referent seine glänzende Rede beendete. Präsident Dr. Jakob O r n s t e i n dankte ihm für den reichen Genuß, den der Referent den Anwesenden dadurch geboten, daß er ihnen bewiesen hat, welch großen Anteil die Juden an der Entwicklung und dem Aufschwünge der deutschen Bühne genommen haben. Dieser Anteil ist viel stärker, als er dem Verhältnis der Juden zur übrigen Bevölkerung entsprechen würde und deshalb könne man auf diesem Gebiete das beliebte Schlagwort der Antisemiten von der „Verjudung" ruhig in Kauf nehmen. Der letzte der Sprechabende der „Union" war dank des ausgezeichneten Vortrages des Herrn Professor Heinrich Glücksmann ein würdiger Abschluß dieser im heurigen Jahre so rasch beliebt gewordenen Veranstaltungen, er war, wie Präsident Dr. Ornstein richtig ausführte, ein schöner jüdischer Abend in einem jüdischen Vereine. lürfolMcnnentmfürVk Wahcküt!

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