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Die Wahrheit · 1929-05-31 · Heft 22 (31.5.1929) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 22 (31.5.1929)
Date
1929-05-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 flfflinnqm|i;»np[mnmmiirinmnHniHwmmBn iiininimiuHiinimiuniiiiiniiunnim DIE WAHRHEIT gebung angleichen. Das ist nicht nur durch die Vermischung mit umgebenden Nichtjuden in Mischehen zu erklären, sondern auch durch die sehr komplizierte Wirkung, die Klima, Ernährung, Lebensweise, Denkungsart und Landessitte auf die Körperform ausüben. Dies ist der Grund, warum wir in Polen und Rußland so viele slawisch aussehenden Juden treffen, in Italien und Südfrankreich „romanische Juden", in Nordafrika „arabische Juden", in Deutschland. England und Skandinavien „germanische Juden". Denselben Mangel an Einheitlichkeit finden wir, wenn wir die Farbe von Haar und Augen betrachten: von den Abgebildeten hatten 58 Prozent braune oder schwarze, also dunkle Augen, 42 Prozent blaue, graue oder sonst helle Augen. Die Haarfarbe war dunkel bei 67 Prozent, hell- oder dunkel blond bei 30,5 Prozent, rot bei 2,5 Prozent. Besonders wichtig ist die Häufigkeit der Kombinationen: Blau-blond, <L h. blaue Augen bei blondem Haar, letztere 8 Prozent, und Dunkeltypen, d. h. dunkle Augen bei dunklem Haar, zeigten 59 Prozent, während der Rest auf Mischtypen entfällt Da derartige Mischtypen, wie z. B. Blauäugige mit schwarzen Haaren oder Blonde mit dunkler Iris, ein sehr wichtiges Kriterium für Rassenmischung sind, finden wir sie am seltensten bei Völkern reiner Rasse, wie den Schweden, den Sizilianera oder Griechen. Daß etwa ein Drittel dieser Ostjuden solche Mischtypen sind, ist ein wichtiger Beweispunkt gegen ihre Reinrassigkeit! Uebrigens passen unsere Prozentzahlen sehr gut zu den Angaben Fishbergs über seine New Yorker Untersuchungen an Ostjuden. Auch ihre Körpergröße liegt in den von ihm und Weißenberg angegebenen Grenzen; durchschnittlich sind sie nur 161,5 Zentimeter groß, also recht kleine Menschen. Hier ist aber auf die schon erwähnte Verlängerung der Gestalt hinzuweisen, die unter besseren Lebensbedingungen rasch eintritt, nämlich in ein bis zwei Generationen. Weisen doch die in New York geboreneu Juden eine durchschnittliche Größe von 167,9 Zentimeter auf, und die Juden von London- Westend erreichen sogar im Durchschnitt 171,5! Auffallend ist die Häufigkeit eines ausgesprochen geistigen Ausdrucks auf den Gesichtern meiner Paßbilder und, worauf besonders Hans Friedenthal aufmerksam gemacht hat, die Seltenheit eigentlich derber oder bäuerischer Züge. Dabei sind diese Leute in ihrer sozialen Stellung durchaus keine Geistesarbeiter, keine sogenannte Oberschicht, vielmehr zu 80 Prozent Handwerker und Arbeiter, zu 14 Prozent Händler oder Kaufleute und nur 6 Prozent freie Berufe, wie Studenten, Lehrer u. dgl. Der einzige Schriftsteller darunter zeigt allerdings eine ganz charakteristische Durchgeistigung seiner Züge, so daß sein etwas schwärmerisches Idealistenantlitz jedem Beschauer sofort auffällt. Aber ein ähnlicher Eindruck bietet sich auch bei vielen anderen, deren Paß sie als Schuhmacher, Schneider oder ungelernte Arbeiter ausweist. Nach der gleichen Methode ist aus den Paßbildern von Frauen eine Tafel hergestellt worden. Die Zahl der auswandernden Ostjüdinnen des entsprechenden Alters war zu gering für wissenschaftliche Beobachtungen, und Kinder oder Greisinnen eignen sich nicht zu derartigen Untersuchungen. Ich gebe daher die folgenden Zahlen nur mit aller Reserve. Außerordentlich viele zeigten das typische Bild der Slawin. Nur 26 Prozent den eigentlich jüdischen Typus. Ganz selten, kaum 5 Prozent, sind die germanischen Gesichter. Diese Personen zeigen auch die zu ihrem Gesichtsausschnitt passende „Blaublond-Kombination". d. h. blaue Augen und Blondhaar. Genau Hälfte weist die Kombination von dunklem Haar mit dunklen Augen auf, und die Mischtypen erreichen hier sogar die Höhe von 45 Prozent. Als Ergänzung zu dieser Methode habe ich eine zweite zum Studium des westjüdischen Gesichts benutzt, und zwar sammelte ich aus den illustrierten Zeitschriften die Abbildungen jüdischer Männer. Da es hier nur auf die Abstammung ankam, waren natürlich aus dem Judentum Ausgetretene und Getaufte mitzuverwerten. Es waren im Gegensatz zu meinen Ostjuden ausnahmslos Prominente, denn man muß auf irgendeinem Gebiete prominent sein, um sein Bild veröffentlicht zu sehen. Diese Bilder sind methodologisch weniger brauchbar als die Paßbilder, denn sie sind retouchiert. Die Menschen gehören verschiedenen Altersklassen an. Ihre Kleidung, ihre Haltung, ihr Ausdruck sind bisweilen für die Oeffentlichkeit zurechtgemacht — und trotzdem fast genau dasselbe Resultat: auch hier etwa 30 Prozent, die man, ohne sie zu kennen, für jüdische Typen erklärte. Nur war die Zahl der nordischen, bzw. germanischen Köpfe vielleicht ein wenig höher; ich sage ..vielleicht", weil gerade dieser Typus oft sicherlich das Wunschbild war. Gewissermaßen als Gegenstück zu diesen modernen Judengesichtern habe ich aus dem bekannten Buche von Kohut 292 Porträts berühmter Juden daraufhin geprüft, wie viele ausgesprochen jüdischen Typus zeigen; es waren 141, also 48 Prozent. Daß diese Zahl so viel höher ausfiel, wird nur zum Teil durch die altvaterische Haar- und Barttracht erklärt; es scheint doch auch im Typus in den letzten Jahrzehnten eine deutliche Angleichung an die nichtjüdische Umgebung stattgefunden zu haben. Dafür sprechen die New Yorker Untersuchungen an den Auswanderern und ihren Kindern. Ich bin weit davon entfernt, meine Resultate für abschließend und endgültig zu halten. Aber ich glaube, daß es nützlich war, mit einigermaßen exakter Methode ein Gebiet zu betreten, auf dem grenzenlose Willkür, Voreingenommenheit und Tendenz sich nur allzusehr tummeln. Das amerikanische Judentum Unsere Redaktion erhielt dieser Tage einen sehr interessanten Besuch aus Amerika. Herr Rabbiner Dr. Mayer W i n k 1 e r. der am Wiener Rabbinerseminar seine Rabbinerprüfung mit Auszeichnung absolviert hat und an der Wiener Universität Doktor der Philosophie wurde, ist seit acht Jahren in Amerika tätig. Er ist Rabbiner einer der ältesten und Kröüten konservativen Gemeinden von Los Angeles, der Sinai Congregation und infolge seiner ausgedehnten rabbinischen sowie literarischen Tätigkeit eui anerkannter Führer des amerikanischen, besonders des konservativen Judentums. Seine große Popularität ist u. a. auch daran zu ermessen, daß die Vereinigten Synagogen Amerikas ihn vor einigen Jahren zum Direktor ihres südwestlichen Zweiges ernannten. Herr Doktor Winkler hat unter «ADO. „Av/^r ..„.,.,, co dem Titel „Jüdische RABBI MAYER WINKLER und amerikanische Ideale" einige seiner ausgezeichneten Reden, die er bei besonderen Gelegenheiten und im Radio gehalten hat, veröffentlicht. Herr Rabbiner Winkler. der zum Besuche hier weilt, hatte die Freundlichkeit, uns auf unsere Fragen über die Verhältnisse im amerikanischen Judentum folgende hochinteressante Mitteilungen zu machen: Wie ist die Lage der amerikanischen Juden in religiöser Hinsicht? Die in Amerika restlos vollzogene Trennung von Kirche und Staat bedingt für die Entwicklung des Judentums in Amerika eine besondere Charakteristik. Eine Parallele zwischen Amerika und Europa läßt sich hier überhaupt nicht ziehen. Während in Europa die Quelle des jüdischen Lebens die autonome, unter dem Schutze des Staates stehende Gemeinde ist, die alle Zweige des jüdischen Lebens umfaßt, ist in Amerika die Funktion der Gemeinde lediglich eine religiöse und erzieherische. Ich vertrete einen sehr optimistischen Standpunkt in Bezug auf die religiöse Entwicklung des amerikanischen Judentums. Ich hege die Hoffnung, daß sich in Amerika ein positives Judentum entsprechend den dortigen Verhältnissen entwickeln wird. Der amerikanische Jude besitzt den Willen,

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