Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 21 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Kund und Literatur Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus E. V. (gegr. 1890), Berlin W 35, Flottwellstraße 7, der Juden und Nichtjuden zu werktätiger Abwehr des Antisemitismus als eines Verstoßes gegen Wahrheit, Gerechtigkeit, soziale und religiöse Ethik zusammenfaßt, weist darauf hin, daß er soeben eine Broschüre „Beiträge zur Wesenserkenntnis des Judentums", von Bezirksrabbiner Dr. Beermann- H e i 1 b r o n n, herausgegeben hat. Sie soll der Widerlegung der vielen falschen Meinungen über Religion und Ethik des Judentums dienen. Wir werden dieser Broschüre demnächst eine Besprechung widmen. Handbuch der Philosophie. Herausgegeben von A. B &u mler und M. Schröter, Druck und Verlag von R. Oldenbourg, München und Berlin 1927. 12. Lieferung: „Philosophie des Geistes" von Prof. Dr. Emil Wo 1 ff (Hamburg) und Namen- und Sachregister zu Abteilung II, bearbeitet von Privatdozent Dr. Friedrich Seifert (München), 73 S + 34 S, M 3.50. — Das Werk, das von Hegelschem Geiste durchweht wird, zeigt uns, wie die Formen und Gestalten unseres Bewußtseins, welche den ideologischen Teil unserer Weltanschauung ausmachen, sich aus bestimmten Grundverhältnissen ableiten lassen und versucht, durch Enthüllung des dichtmaschigen Gewebes unserer Ideologien die konkrete Gestalt des Geistes im Wandel der zu verwirklichenden Bildungen des Bewußtseins darzustellen. 13. und 14. Lieferung: „Die Gedankenwelt des Chinesischen Kulturkreises" (Teil I und II) von Professor Dr. Alfred Forke? (Hamburg). 215 S.. M--. Das Werk stellt den ersten und gelungenen Versuch dar, die Probleme, welche den chinesischen Geist seit Jahrtausenden bewegt haben und auf welche die Philosophen des Reiches der Mitte die verschiedensten Antworten gegeben haben, systematisch darzustellen. Da es für das Verständnis der uns fremdartigen, aber gerade deshalb so ungemein reizvollen Gedankenwelt des uralten und doch ewig jungen Volkes nicht bloß darauf ankommt, was seine Denker sagen, sondern auch darauf, wie sie es sagen, hat sich der Verfasser bemüht, die chinesischen Philosophen, soweit es möglich war, selbst für sich sprechen zu lassen und ist so der Gefahr aus dem Wege gegangen, uns als Interpret fremden Geistes seine eigenen Qedanken zu bieten. Das Werk beschäftigt sich nicht allein mit der altchinesischen Philosophie, sondern es werden auch die chinesischen Denker der neueren Zeit in vollem Maße berücksichtigt. 16. Lieferung: „Erkenntnistheorie" von Dr. Friedrich K u n t z e (Berlin), 112 S., M 4.50. — Wie mit einem weiten Bogen umspannt das Werk die so vielfältigen, einander widersprechenden Gebilde menschlicher Geistesarbeit, welche dem ewig brennenden und ewig ungelösten Probleme, das die Erkenntnis selbst zum Gegenstande hat, von den größten Denkern gewidmet wurde. Vom naiven Realismus der altgriechischen Naturphilosophen führt uns der Verfasser die verschlungenen Bahnen menschlichen Erkenntnisstrebens bis wir im kritischen Idealismus Immanuel Kants einen Gipfelpunkt erreichen, von dem aus wir einen Ausblick auf die erkenntnistheoretischen Bestrebungen der Gegenwart gewinnen können. Es darf uns Juden mit Genugtuung erfüllen, daß wir, ebenso wie wir der Welt in Baruch Spinoza den Geist geschenkt haben, der zwischen Altertum und Neuzeit, zwischen Piaton und Kant den bedeutendsten Markstein im Fortschreiten der menschlichen Erkenntnis darstellt, in Hermann Cohen, Albert Einstein und Henry Bergson der modernen Erkenntnistheorie jener Denker gegeben haben, welche tiefer in das wahre Wesen der Welt eingedrungen sind als ihre Vorgänger. Dr. Franz Josef Weiß. Lederers Rückkehr. Roman von Schalom A s c h. R. Löwit- Verlag, Wien. Brosch. 3 M. (5 S), Leinen 5 M (7.50 S). Ein neues Meisterwerk des großen jüdischen Erzählers führt in Seite 13 die Schwitzhöllen von New York, die dumpfen, feuergefährlichen Konfektionswerkstätten, in denen tausende und abertausende von Einwanderern als billige Arbeitskraft die Maschinen unterbietend, ihr Leben verbringen, das Leben, welches sie aus den Ländern der Unterdrückung und Gewalt hinübergerettet in den Traum vom freien Amerika. Nur einem Bruchteil von ihnen wirft das Glück den „Zufall" in den Schoß, der ihm die Tore dieser Shops öffnet. Aber auch die schon den Weg zum „besseren Leben" gefunden, die selbst Unternehmer geworden sind, sie bleiben Sklaven des Shop: ihm kann keiner mehr entrinnen. In erschütternder, geradezu aufwühlender Schilderung gestaltet Schalom Asch ein solches Shop-Schicksal. Chaim Lederer, der jüdische Arbeiter aus Rußland, dessen fast religiöser Glückstraum die Befreiung der Arbeiterschaft bildet, wird Herr des Shops, Gebieter über die tausend Rücken an den Maschinen, darf sich, mit Gütern reich gesegnet, zu einem besseren Leben, fern von seineu Werkstätten und Geschäften zurückziehen. Aber — er findet kein besseres Leben: das, was seine Umgebung so nennt, das ist ihm fremd: fremd ist ihm Haus und Familie, fremd der Komfort und der Luxus, fremd das äußerliche Leben des Reichgewordenen; er hat seinen Glückstraum verloren. Und mit diesem Traum von Glück, von seinem in Lederers Erinnerung verklärten Gestern ergreift der Shop wieder Besitz von einem, der ihn verlassen; der Traum wird zu triebhaftem Wahnsinn: Shop- Krankheit. Der Weg des Chaim Lederer, den Schalom Asch uns mit seiner großen Kennerschaft der Menschenseele, jüdischen Empfindens und sozialen Lebens aufzeigt, führt weit über den Einzelfall hinaus in das vielumstrittene Gebiet der sozialen Frage überhaupt und des Problems vom menschlichen Glück. An die ewige Menschheitsfrage: Können die Menschen glücklich werden? rührt ein Dichter von großer Begnadung. Seine Antwort ist ein aus den dunklen Quellen der Vergangenheit emporsteigenden leises Hoffen — auf eine Menschheit, die glücklicher werden wird, weil sie besser ist. Asch' neues Werk ist ein Mahnruf, der aus dem eine Welt umfassenden Herzen eines Dichters kommt. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Das neue Heft eröffnet ein Vortrag von Fritz Bambergen? über die geistige Gestalt Moses Mendelssohns, der in feinsinnigen Weise der Einheitlichkeit wie den Widersprüchen in Mendelssohns Wesen gerecht zu werden und beide aus der Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts auf durchaus neuen Wegen zu erläutern sucht. Von den Forschungen, welche das Heft enthält, wird eine Untersuchung Aptowitzers über eine sehr bekannte Gebetformel auch den Laien interessieren. Ein recht trübes Licht auf dde Lage unserer Vorfahren werfen die von H. Flesch veröffentlichten Protokolle einer Verhandlung gegen einen jüdischen Arzt, der aus Wettbewerbsneid, ungerecht verdächtigt wurde. A. Priessnig erläutert die Patriarchenbiographien Philons aus der griechischen Stilgeschichte. Unter den Besprechungen sei M. Eschelbachers eingehender Bericht über Michael Guttmanns Buch „Das Judentum und seine Umwelt" besonders hervorgehoben, da er einem weiten Leserkreise das Verständnis dieser bedeutenden Arbeit wesentlich erleichtert. Leider ist aus dem das Heft abschließenden Jahresbericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums zu erkennen, daß ihre Finanzlage sich außerordentlich ungünstig gestaltet hat. Es wäre sehr zu wünschen, daß noch recht viele Glaubensgenossen Gelegenheit nähmen, durch Beitritt zu der genannten Gesellschaft sich den unentgeltlichen. Bezug der Monatsschrift, ferner das Recht auf sehr ermäßigten Bezug zahlreicher Werke aus dem Gebiet jüdischer Wissenschaft zu sichern und zugleich unsere schwer ringende Forschung zu unterstfützen. Man erklärt seinen Beitritt entweder durch eine Postkarte an den nächsten Vertrauensmann der Gesellschaft (Verzeichnis der Vertrauensmänner in jedem Heft der Monatsschrift) oder durch Einzahlung des Jahresbeitrages von Mk. 10.— auf das Postscheckkonto der Gesellschaft, Berlin 7030, Paul Veit Simon. Probeheft versendet jederzeit die Gesellschaft. frieinter i leitet WIEN I., Seltenstettengasse 2 Tel. U 28-1-28 XI., Zentralf rledhof, neben dem 1. Tor, Tel. U18-0-85 Herren- und Damenkleider nach Maß sowie fertig lagernd, nur Qualitätsware, billigste Preise. Eventuelle langfristige, bis zu einem Jahre währende Zahtangserleichternngen Kleider-Erzeugungs-Union, Wien VI., Kaserneng. 6 Telephom B 20-2-15