Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 21 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 mBfflmnmmH 1%nM%ekc zutDocke, Auszeichnung. Der Gemeinderat der Landeshauptstadt Graz hat dem Landesrabbiner für Steiermark, Universitätsprofessor Dr. David Herzog einstimmig das Bürgerrecht verliehen. Es ist das erstemal, daß einem Juden diese hohe Auszeichnung des Gemeinderates zuteil geworden ist, ein Beweis, welcher hohen Wertschätzung sich der hochverehrte Grazer Landesrabbiner in allen Schichten der Bevölkerung erfreut. Ein althebräischer Liederabend in Bielitz. Einem erlesenen Publikum wurde in den letzten Tagen durch die Veranstaltung eines klassisch-althebräischen Gesangsabends ein seltener Genuß zuteil. Der von Oberkantor Goldmann unter Mitwirkung Bielitzer Kunstkräfte veranstaltete Abend bedeutet Erfüllung eines seit langem von den hiesigen Kunstkreisen sehnlichst gehegten Wunsches. Der trotz Konzertmüdigkeit und Sonntagsausflüge ziemlich volle große Schießhaussaal und das allgemeine Entzücken über das treffliche Gelingen der Veranstalung legen Zeugnis von der Popularität ab, deren sich Oberkantor G o 1 d m a n n, ein weit über die Grenzen seiner Vaterstadt hinaus bekannter Künstler — bekanntlich der Entdecker der Opernsängerin Selma Kurz — erfreut. Das Programm war reichlich und sehr kunstgerecht zusammengestellt. Ganz auf Gesänge religiösen Charakters eingestellt, kamen neben eigentlichen Kultgesängen noch weltliche Lieder mit religiösen Texten zum Vortrage. Im Mittelpunkt der gesanglichen Darbietungen stand Oberkantor G o 1 d m a n n. der Händeis Arie aus dem Oratorium „Israel in Aegypten" und Goldmarks „Königin von Saba" meisterhaft zum Vortrag brachte. Wer dem Gottesdienst im Bielitzer Tempel beizuwohnen und Goldmanns klangvolles Organ von baßbaritonalem Charakter zu hören pflegt, hatte diesmal Gelegenheit, die gewaltige Leistung des schon dreiundsiebzigjährigen Sängers in vollster Entfaltung zu hören. Lewandowskis Psalm 118 „Min Hamezar", eines der schönsten Psalmlieder und eines von den Klageliedern Jeremias wurden von einem Doppelgesangsquartett der Herren Fischer, Meißner, Goldmann, Rosenberg, Reicher, Schöner, Spiegel. Steuer und Eisner bestritten, würdevoll durch das Solo des Oberkantors Goldmann verstärkt. Mendelssohns „Es ist senn?" (aus dem Oratorium „Elias") fand einen vorzüglicher. Sänger in Hermann Goldmann, dem Sohne des Oberkantors, dessen Vortrag durch den feinen Geschmack und gute Auffassung die Zuhörer fesselte. In Beethovens „Die Ehre Gottes" zeigte sich Oberkantor Goldmann dem Bielitzer Publikum von einer ihm unbekannten Seite, als musterhafter Interpret weltlicher Lieder und fand auch in dieser Rolle stürmischen Beifall. Der mitwirkende Herr Kantor Fischer brachte die Piece ..Rezeh wimnuchosenu" aus den Sabbatgebeten mit seiner klangvollen sympathischen Tenorstimme zum wirkungsvollen Vortrag und erntete damit großen Beifall der Zuhörer. Zwei Dvorak- Psalmen wurden von Goldmann junior, zart und warm empfunden, zu Gehör gebracht. Die Krönung des Abends war wohl das von Oberkantor Goldmann schon hundertfach gehörte „Kol nidre", das immer wieder durch die großartige Wiedergabe fesselte und diesmal auch sichtlichen Eindruck auf den nichtjüdischen Teil des Pulikums machte. Die Klavierbegleitung wurde gut und diskret von den Herren Steuer und Spiegel besorgt. Der Gesangsabend Goldmann wird dem dankbaren Bieiitzer Publikum als ein geradezu sensationelles Ereignis dauernd in angenehmer Erinnerung bleiben. Dr. F. S. Rituelle Verpflegung auf Schiffen der Hamburg—Amerika- Linie. Israelitische Passagiere der Hamburg — Amerika- Linie ist es häufig unbekannt, daß sie während der Seereise nach und von New York auf Verlangen eine nach rituellen Vorschriften zubereitete Verpflegung erhalten können. Damit die entsprechende Vorsorge in ausreichendem Umfang getroffen werden kann, empfiehlt es sich jedoch, daß diejenigen Reisenden, die auf koschere Zubereitung der Mahlzeiten Wert legen, ihre spezielle Wünsche rechtzeitig vor der Abfahrt bei der Hamburg—Amerika-Linie bekannt geben. Die Einrichtung der rituellen Verpflegung jüdischer Hapag- Passagiere steht Oberrabbiners. unter dauernder Aufsicht des Hamburger Verein Schnelle Hilfe, Wien XX., Klosterneuburgerstraße 10. Dank der unermüdlichen Arbeit des rührigen Vorstandes ist es dem Verein gelungen, auch dieses Jahr eine Pessach-Aktion großen Stils durchzuführen. Es wurden über 400 Arme beteilt. Eine besondere Aufmerksamkeit wurde den verborgenen, durch die allgemeine Wirtschaftsnot in Mitleidenschaft gezogenen würdigen Baale-Batim unseres Bezirkes zugewendet. Insgesamt gelangten zur Verteilung: 3000 Kilogramm Erdäpfel, 150 Kilogramm Fett und 300 Kilogramm Fleisch; außerdem wurden an zwei Abenden Seder für hundert Personen gegeben sowie an über hundert Bedürftige Barunterstützungen verteilt. Sämtliche Lebensmittel sowie Sederspeisekarten wurden unentgeltlich verabreicht. Der Muttertag im Lainzer Versorgungsheim ist dieses Mal in erhebender Weise gefeiert worden. Der Mädchen- und Frauen-Verein Krankenbesuch Bikur Chaulim hat unter Führung des Herin Karl Altmann und Herrn Kantor Kriegsmann sämtlichen jüdischen Frauen, und zwar speziell den Schwerkranken und denjenigen, die keine Verwandten mehr besitzen, reichliche Liebesgaben gebracht. In dem Tempel versammelten sich alle gehfähigen Frauen und Männer. Nach einer herzlichen Ansprache der Präsidentin, Frau Irma Rosenberg, haben mehrere Damen des Vorstandes die Gaben verteilt, hierauf wurden die Schwerkranken in den verschiedenen Pavillons besucht und beteilt. Es wurden insgesamt 99 Frauen und sämtliche 60 Männer beteilt. Weekend ist die große Mode, aber auch die große Sorge der vielgeplagten Großstadtmenschen. Unzählige Dinge sind notwendig, um den Sonnabend angenehm verbringen zu können. Unerläßlich ist eine Sprechmaschine. Bei dieser Gelegenheit machen wir aufmerksam, daß bis 31. Mai im Musikhaus Excelsior, I., Adlergasse 5, Tel. R23-4-90, Weekend-Werbewochen mit günstigen Preisangeboten veranstaltet werden, und verweisen auf das heutige Inserat dieser Firma. Ständige Schaustellung olne Kaufzwang. ngglcnlsdies KönigslicM Seit vielen Jahren das anerkannt beste M^TlÖtM Man achte auf die ges. gesch. Mark« ,Hyglen. Königslicht* und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengasse S Telephon P 33-1-87