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Die Wahrheit · 1929-05-24 · Heft 21 (24.5.1929) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 21 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT fflffln^mBmBnwHB^miM^1^ Seite 3 Der internationale Tierschutz-Kongreß und die Schächtfrage. Der internationale Tierschutzkong r e ß tagte in Wien vom 12. bis 17. Mai d. J. Einberufen war er vom Wiener Tierschutzverein und stand unter dem Ehrenschutze des Herrn Bundespräsidenten Wilhelm M i k 1 a s. Dem Ehrenpräsidium gehörten der Bundeskanzler Doktor S e i p e 1, der Alt-Bundespräsident Dr. H a i n i s c h und der Polizeipräsident Dr. Schober an. Im Ehrenkomitee saßen viele prominente Persönlichkeiten, Diplomaten und auch Rabbiner Doktor David Feuchtwang und Vertreter der Presse. Vorsitzender war der Präsident des Wiener Tierschutz Vereines, Herr Dr. Eduard M e 1 k u s. In der Leitung saßen hervorragende Vertreter der Tierschutzverbände des In- und Auslandes, Mitglieder (mitwirkende Vereine), eine imposante Zahl von Vertretern aus der ganzen Welt und Einzelpersonen. Ein reiches Programm mit einer Fülle von Vorträgen und Referaten über alle in den Tierschutz fallende Themata lag vor, so daß die Zeit der Tagung kaum zur Absolvierung ausreichte. Aus der großen Reihe von Vorträgen interessiert uns Juden in erster Reihe dasjenige, was über das S c h ä c ht e n gesagt wurde, zumal im Programm ein Vortrag des Schlachthofdirektors Dr. Klein (Lennep) angekündigt war, der seit Jahren einen Kampf g egen das rituelle Schlachten geführt hat. Die Juden sind, wie selbst Gegner und Feinde zugeben, die einzige Religionsgemeinschaft und das einzige Volk der Welt, das in einem Altertum, in welchem sonst nirgendwo von einem durch das sich umdrehte, sah er zu seinem Erstaunen das kleine Pferd herantrippeln. Der Baal-Schern rührte sich nicht von der Stelle, das brave Tier aber stellte sich vor ihn hin und begann: „Sieh doch, von dem Kutscher hast du dich so freundlich verabschiedet, obwohl er nichts anderes getan hat, als öfters mit der Peitsche zu knallen und mich mit ihr aufzumuntern, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre. Sonst aber saß er bequem im Wagen und ließ sich zugleich mit dir von mir ruhig fortführen. Mich aber hast du vergessen. Und ich habe doch die ganze Arbeit gehabt! Ohne mich und ohne meine ordentliche Aufführung wärst du nicht nach Hause gekommen, und wenn ich nicht so fleißig gelaufen wäre, hättest du nicht vor Anbruch des heiligen Sabbat deine Wohnung erreicht. Warum hast du dich nicht bei mir bedankt? Und mir nicht einmal ein freundliches Wort zum Abschied gegeben? Nach diesen Worten, während der Baal-Schern wie starr vor Staunen dastand, erhob das Pferdchen den rechten Vorderfuß, streckte seinen Huf dem Baal-Schern wie zum Gruß entgegen und sagte: „So sei gegrüßt und wir wollen Freunde bleiben für immer," worauf der so Angeredete ergriffen mit seiner Rechten den Huf umfaßte, tüchtig schüttelte und ausrief: „Ja, du hast wacker gearbeitet und verdienst meinen Dank! Gelobt sei der Ewige, der jede Arbeit anerkennt und belohnt und uns zu ermahnen weiß, den Arbeiter nicht zu vergessen! Gepriesen sei der Herr, der auch im Tier seine Herrlichkeit offenbart und der mich würdigte, das Sonderbarste und Schönste zu sehen!" Darauf wieherte das Pferdchen vergnügt, wandte sich um und lief zum Wagen, vor den es sich stellte und einspannen ließ. Der Baal-Schern aber trat in seine Wohnung, begrüßte sein Weib und stimmte dann das Lecho-Dodi, um den Sabbat zu begrüßen, mit soviel Freude und mit so heller Stimme an wie noch nie. Religionsgesetz gebotenen Tierschutz die Rede war, in seiner schriftlichen und mündlichen Lehre weitgehende Maßregeln zum Tierschutz getroffen hatte. Das hat auf dem Kongreß auch Rabbiner E11g u t h e r (Delegierter des Vereines für Natur- und Tierschutz in Neisse) in seinem Referate schön dargestellt. Es braucht weder gesagt noch bewiesen zu werden, daß „Zaar baale Chajim", „Quälerei lebender Wesen" ein strenges religiöses Verbot der Juden war und ist. Die Religion der Menschenliebe, die das große Gesetz der Liebe zum Mitmenschen in dem unsterblichen Satz gefaßt hat: „Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst", hat auch für die Schonung der Tiere und Pflanzen gesorgt. Das Gesetz von der Schlachtung der Tiere, deren Fleisch nach dem Religionsgesetze für den menschlichen Genuß erlaubt wurde, hat keinen anderen Zweck, als die schonendste Art der Tötung dieser Tiere vorzuschreiben. Zahllose wissenschaftlich einwandfreie Urteile und Gutachten größter Autoritäten erhärten, daß der uralte Schächtschnitt bis zum heutigen Tage nicht überholt ist und in keinem Falle als Tierquälerei bezeichnet werden darf. Nur feindliche Tendenz kann das in Abrede stellen. Es ist ein E h r e n z e u g n i s für die jüdische Welt, daß sie sich schon so früh mit gesetzmäßig festzulegendem Tierschutz beschäftigte und insbesondere das zum menschlichen Genuß bestimmte Fleisch so früh den Gesetzen der Hygiene unterwarf. Bekenner der jüdischen Religion sind ex officio Mitglieder des größten Tierschutzvercines der Welt, der aus den Millionen von Juden besteht, welche gemäß dem Gesetze ihrer Religion leben. Das bedarf keines Beweises mehr, kann aber vor jedem nicht voreingenommenen Forum bewiesen werden und ist bewiesen worden. Vor einem tendenziös eingestellten Forum helfen keine Beweise, insbesondere dann nicht, wenn wissenschaftliche Beweisführung von Haus aus zurückgewiesen wird, wie es vor dem Forum des Wiener Tierschutz-Vereines der Fall zu sein scheint, dessen Präsident Dr. M e 1k u s wiederholt diesen Standpunkt geäußert hat und der von dem Kongreß gebilligt wurde. Leider hat die Tagung des Internationalen Tierschutz-Kongresses überhaupt in der Schechitafrage eine nicht objektive Stellung eingenommen. Bei Gelegenheiten, die es durchaus nicht erforderten, haben Redner sich feindlich und gehässig geäußert. Herr Professor Johannes U cl e (Graz), der über „Alkoholismus und Tierschutz" sprach, benützte diese Gelegenheit, was man von ihm nicht hat erwarten können, zu einem gehässigen Ausfall. Er wurde in einer halbstündigen Unterredung, welche Rabbiner Dr. Feuchtwang vpr Zeugen mit ihm hatte, auf sein Unrecht und auf die Gefährlichkeit seiner Aeußerungen hingewiesen und versprach, etwa publizistischen Mißbrauch oder feindliche Ausbeutung seiner Worte richtigzustellen. Im Mittelpunkte der Verhandlungen über die Schechitafrage stand der Filmvortrag des Herrn

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