Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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ICMeitmwmHg* Sowohl — als auch. Man spricht in den tschechoslowakischen Zeitungen wieder von neuen Parlamentswahlen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die politischen Propheten diesmal recht behalten und im Herbst oder etwas später abermals Wahlen stattfinden. Wie das schon so zu sein pflegt, erscheint in Erwartung solcher Möglichkeiten die famose politische Wahlpartei der Zionisten der Tschechoslowakei, die sogenannte „Jüdische Partei", pünktlich auf dem Plan und bringt — ebenfalls wie dies schon immer zu sein pflegt — als reife Frucht ihrer anstrengenden und segensreichen Tätigkeit zum Heile und zum Wohle der jüdischen Wähler in der Slowakei und Karpathorußland ein unerwartetes Glück, nämlich ein — neuesParteiprogramm! Dieses allerneueste Programm der „Jüdischen Partei" wurde von einer eigens hierzu entsandten Kommission ausgearbeitet und soll auf einem am 19. Mai abzuhaltenden „Delegiertentag" zum bindenden Beschluß erhoben werden (bis es nicht vor den nächsten Wahlen abermals von einem noch neueren Parteiprogramm abgelöst wird!!). Die Wiener „Jüdische Presse" ist nun in der Lage, diese Glanzleistung jüdisch-nationaler Parteipolitik schon jetzt der jüdischen Oeffentlichkeit preiszugeben. Es lautet wortwörtlich: „1. Die jüdische Partei vertritt die politischen Interessen der Juden in der Slowakei und Karpathorußland, und zwar sowohljener, welche auf jüdisch-nationalem Standpunkte stehen, wieauchjener, welche sich dieses Prinzip nicht zu eigen machen. Ihre Exponenten sind die Parteileitung und die von der Partei in die politischen und autonomen Körperschaften entsendeten Mandatare. 2. Die jüdische Partei steht nicht nur auf dem Boden aller der jüdischen Bevölkerung in den Gesetzen der Tschechoslowakischen Republik gewährleisteten Rechte, sie fordert vielmehr, daß die in der Gesetzgebung gesicherte Gleichberechtigung in jedem Zweige des praktischen Lebens in sozialer, kultureller, religiöser, politischer und wirtschaftlicher Beziehung auch faktisch und konsequent durchgeführt werde. 3. Die jüdische Partei ist bestrebt, an der Aufbauarbeit des tschechoslowakischen Staates aktiv teilzunehmen und in Gesetzgebung und Verwaltung nach Maßgabe ihrer Kräfte positiv mitzuarbeiten und erwartet, daß dieses ihr Bestreben auch auf parlamentarischem Boden in einer ihrer zahlenmäßigen Stärke entsprechenden Weise tatsächlich ermöglicht werden wird. 4. Die jüdische Partei wird in Angelegenheiten, welche die Juden des ganzen tschechoslowakischen Staates berühren, mit den jüdischen Parteien der historischen Länder zusammenwirke n." S. Griiners 352 Restaurant II., Zirkusgasse 30 Telephon R 43-1-60 VorzQgl. Wiener, ungarische und orientalische (rumänische) Küche. Mittag und Abend Menü nach Wahl. Erstklassige Getränke. Die Vorfälle in der Grazer Studentenschaft. Wir erhalten folgende Zuschrift: Zur Steuerung der Wahrheit gestatte ich mir, zu Ihrem Bericht über die Studentenversammlung an der Grazer Universität in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes unter „Glossen" folgendes mitzuteilen: Es ist nicht richtig, daß die in Frage stehende Versammlung eine allgemeine Studentenversammlung war, sondern eine von der deutschen Studentenschaft einberufene Mitgliederversammlung, welcher Se. Magnifizenz Hofrat Dr. Martinak auf Einladung der Veranstalter nur als Gast beiwohnte. Da nun, wie vorauszusehen war, die deutsche Studentenschaft gegen Angriffe der sozialistischen Hochschüler (die übrigens hier nur in ganz verschwindender Anzahl vorhanden sind) Stellung nehmen werde, erschienen einige Sozialisten, darunter zwei jüdischer Herkunft. Vertreter einer jüdischen Studentenschaft waren weder vom jüdischen Hochschulausschuß noch vom V. C. „Caritas'4 erschienen. Die Rufe „Juden hinaus" galten demnach diesen sozialistischen Judenstämmlingen, deren Anwesenheit in der Versammlung Aergernis erregen mußte. Der Sozialist Unterweger (arischer Herkunft) wandte sich hierauf an den anwesenden Rektor mit der Bitte, das Hausrecht zu wahren. Da der Vorsitzende der Versammlung jede Verantwortung trug, konnte Hofrat Dr. Martinak nichts anderes tun, als den Bittsteller an denselben zu verweisen. Es ist keinem jüdischen Studenten ein Haar gekrümmt worden. Was den Mut der Studentin, von der Erwähnung getan wird, betrifft, war er nicht sonderlich groß, da ja diesmal wirklich kein Angreifer vorhanden war, dem mit Mut hätte begegnet werden müssen. Hofrat Dr. Martinak hat sich während seines Rektoratsjahres der strengsten Objektivität bemüht und ist stets loyal vorgegangen. Cand. mech. Leo Brüll, Graz. Mittelalterliche Justiz in Memel. Der Memeler Staatsanwalt Tostädte hat gegen den jüdischen Kaufmann Schochar in Memel Anklage wegen Mordes erhoben. Diese Tatsache eröffnet eine neue Phase in einer Angelegenheit, die seit mehreren Wochen die Judenheit in Memel in großer Erregung hält. Am 6. April wurde das bei der Familie Schochar bedienstet gewesene Dienstmädchen in seiner Kammer tot aufgefunden. Der herbeigerufene Arzt stellte Gasvergiftung fest, wobei die Kriminalpolizei nach einer Untersuchung diese Feststellung für glaubwürdig befunden und die Leiche freigegeben hat, die auch beerdigt wurde. Wenige Tage später erstatteten die Verwandten des Dienst- JAC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II-, GlOCkengasse 24 Telephon R 48-4-79 Auch Detailverkanf zu Fabrikspr eisen! Herrenanzug nach Mafi auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ n „ „ 150.— Herrenhose „ „ „ „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! Kein Kaufzwang! Freie Besichtigung!