Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 20 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 tttan ÜtfflfflHl DIE WAHRHEIT at$ffentlichun&ei\) dct Linien cteutfclvöftevveicKiscKcv Juden *k!9W> WfanlX.Derqgasre 4 %Ufc^19J2-ff Veranstaltungen der,, Union" Der IL Sprechabend der Union am 11. d. M. war unserer Kultusgemeinde gewidmet und es bewies das große Interesse, das in der Wiener Judenschaft für diese unsere altehrwürdige Gemeinde besteht, daß dieser Sprechabend trotz des schönen Wetters ungemein stark besucht war und eine große Anzahl Erschienener wegen Ueberfüllung des Saales keinen Einlaß finden konnte. Präsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n begrüßte die zahlreichen Anwesenden, darunter den Präsidenten der Gemeinde Prof. Dr. Alois Pick und seine Gattin, die erschienenen Kultus Vorsteher, insbesondere den nach längerer Krankheit wieder gesundeten Herrn David Dohan, die Mitglieder des Zentralvorstandes und Beirates der „Union", namentlich Herrn Vizepräsidenten Hofrat Dr. Josef Löwner, den er auch bei dieser Gelegenheit zu der kürzlich erfolgten Vollendung seines 80. Lebensjahres im Namen aller Anwesenden auf das herzlichste beglückwünschte. Präsident Dr. Jakob Ornstein hob mit besonderer Genugtuung die große Zahl der Anwesenden hervor und versprach namens der „Union", daß diese in der nächsten Saison mit gesteigerter Intensivität an die Veranstaltung der heuer so populär gewordenen Sprechabende herantreten werde. Seit Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim seine wertvolle Kraft der Gemeinde als Finanzreferent derselben gewidmet hat, ist es in der „Union" Usus geworden, daß er alljährlich über das ihm anvertraute wichtige Referat einen vollkommen objektiven Bericht den Anhängern und Freunden der „Union" erstattet, die auch gemäß ihren Statuten zu einer sorgsamen Beobachtung aller Vorgänge im Gemeindeleben verpflichtet ist. Auch diesmal erfreute Reg.-Rat Dr. Oppenheim die Mitglieder der „Union" mit einem außerordentlich sachlichen Bericht, den wir ebenso wie die anderen auf dem glänzend gelungenen Abend erstatteten ausgezeichneten Referate nur deshalb hier kurz charakterisieren, weil wir in unseren letzten Nummern die Budgetdebatte der Wiener Kultusgemeinde, die auch das Thema des Sprechabends bildete, ausführlich in allen Details wiedergegeben haben. Wohl war das Bild, das der Finanzreferent der Gemeinde von dem Stand der Finanzen derselben entwarf, kein erfreuliches, wohl mußte er immer wieder die Notwendigkeit der Einführung von Ersparnissen betonen, dennoch gewannen alle Zuhörer aus seinem vorzüglichen Referate den Eindruck, daß er ebenso wie die anderen Mitglieder der Unionpartei im Kultusvorstand das ehrliche Bestreben haben, die Gebarung endlich einmal ins Gleichgewicht zu bringen, damit die Gemeinde schließlich doch zu einer besseren Zukunft gelangen könne. So konnte der gediegene Vortrag dazu dienen, die Wähler davon zu überzeugen, daß seitens der „Union" alles geschieht, um der momentan mit Defizit arbeitenden Kultusgemeinde zu helfen, und Präsident Dr. Ornstein hatte. Recht, als er meinte, daß insbesondere Herrn Reg.- Rat Dr. Hermann Oppenheim der allerinnigste Dank dafür gebührt, daß er sein Talent, seinen Fleiß und seine finanziellen Kenntnisse mit größter Opferbereitschaft der Kultusgemeinde zur Verfügung stellt. Dr. Josef T i c h o erstattete in ausgezeichneter Weise einen Rückblick auf die Budgetdebatte, indem er einige sehr markante Punkte herausgriff und eingehend beleuchtete. Seine Schilderung von den großen Fortschritten auf dem Gebiete des Religionsunterrichtes und Jugendgottesdienstes unterstrich noch Präsident Dr. Ornstein durch die Aufforderung an die Anwesenden, sich selbst einmal durch den Besuch eines Jugendgottesdienstes davon zu überzeugen, wie unsere Jugend dort die hohen sittlichen Ideale des Judentums kennen lernt. Baurat Wilhelm Kempler kritisierte besonders scharf die Sucht unserer Gegner, im Kultusvorstand Parlament zu spielen. Es wird Aufgabe der „Union" sein, hier endlich einmal klare Verhältnisse zu schaffen und durch Beratung mit der Wählerschaft die Möglichkeit zu gewinnen, das zerrüttete Budget auszugleichen. Börserat Ignatz Glück plädierte in temperamentvoller Weise für die Forderungen der Tempel vereine, deren Erhaltung für die Kultusgemeinde besonders wichtig ist, da sie imstande sind, weite jüdische Kreise der Großstadt durch die Pflege des Kultus und Unterricht dem Judentum zu erhalten. Die vorjährigen Subventionen wurden den Tempelvereinen wohl auch für heuer bewilligt, dennoch ist ein zu weitgehender Optimismus nicht angebracht, vielmehr ist zu befürchten, daß angesichts der Abnahme der Einnahmen die Tempelvereine gezwungen sein werden, ihre Pforten zu schließen, da sie kein Geld für die Bezahlung ihrer Funktionäre haben. Börserat Ignatz Glück sprach die Hoffnung aus, daß dieses beschämende Schauspiel doch zu vermeiden sein wird, und erbat die Unterstützung der Kultusgemeinde für die berechtigten Wünsche der Tempelvereine. In der Debatte sprachen noch die Herren Ing. Otto Hlawatsch für die Tempelvereine und S. K o h n für die kleinen Betvereine. Nach einem Schlußwort des Herrn Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim dankte Herr Präsident Dr. Jakob Ornstein allen Rednern und Anwesenden und bezeichnete mit Recht den schönen Abend als einen großen Erfolg der „Union". Die Exkursion in die Steyrermühl (Tagblatt- Druckerei), die für Donnerstag, den 23. d. M. angesetzt war, entfällt wegen des für den gleichen Abend angesetzten Vortrages des Herrn Prof. Heinrich Glücksmann über „JtidischeBühnenkünstle r".