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Die Wahrheit · 1929-05-17 · Heft 20 (17.5.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT tlllllUIUlilWlU Ullllll Seite 5 Lebenssäften bewirken. Eine Verbreiterung und Vertiefung der jüdischen Wohlfahrtspflege zu schaffen wird die Aufgabe der beiden bevorstehenden Kongresse sein. Viel stärker als in vergangenen Jahrzehnten ist seit dem Weltkrieg und durch ihn der Bestand des Judentums von innen und außen bedroht. Darum ist Hilfe von Juden an Juden ein Gebot unserer Zeit. Unter der unabweisbaren Macht dieses Gebotes hat die jüdische Fürsorge ihre Gestalt gänzlich verändert; sie ist darin der Richtungsänderung aller öffentlichen und privaten Fürsorgetätigkeit in aller Welt gefolgt. An die Stelle der früheren Wohltätigkeit, die den Unterstützenden der moralischen Gefahr eines sentimentalen und selbstgefälligen Mitleids aussetzte und den Unterstützten demütigte, indem* sie ihn in die Rolle des Almosenempfängers drängte, ist mehr und mehr eine von sozialem Verantwortungsbewußtsein erfüllte Wohlfahrtspflege getreten. Die erste Weltkonferenz Jüdischer Frauen tagte im Jahre 1923 in W i e n. Sie wurde von Marianne tiainisch, der Mutter des österreichischen Altbundespräsidenten in herzlichen Worten als der erste wahre Kongreß des Friedens und der Versöhnung nach dem Weltkriege begrüßt. Auf dieser Wiener Tagung war bereits die Gründung eines Internationalen Jüdischen Frauenbundes angeregt worden. Aber die diesbezüglichen Verhandlungen waren ohne festes Ergebnis verlaufen. Hamburg soll jetzt den entscheidenden Schritt tun. In den Händen des Jüdischen Frauenbundes in Deutschland liegt die Vorbereitungsarbeit für die Weltkonferenz. Die Zerstreuung des jüdischen Volkes über den Erdball bewirkt es, daß eine große Anzahl von Wohlfahrtsproblemen nur mit Hilfe internationaler Vereinbarungen gelöst werden kann. Dazu gehört beispielsweise die Anpassung der jüdischen Heirats¬ und Scheidungsgesetze an die Zivilgesetzgebung der Länder. Ein Problem, das besonders für die ostjüdische Bevölkerung bedeutungsvoll ist. Mit der Frage der Erhaltung des Judentums ist aufs engste die jüdische Jugendpflege und Jugendbewegung verbunden. Eine hervorragende Vertreterin der Settlements-Arbeit, die sich unter anderem in der Errichtung von Jugendheimen in proletarischen Großstadtquartieren betätigt, Frau Henriques, wird zu diesem Punkte der Tagesordnung sprechen. — Die Frage der Berufsberatung und Berufsumschichtung — eine Frage, die seit dem Weltkriege auch für die Juden Deutschlands infolge der Verelendung des Mittelstandes in der Provinz akut geworden ist — bildet einen weiteren Punkt des Prograrnmes der Weltkonferenz. Daß das Aufbauwerk in Palästina von ihr nicht ignoriert werden kann, versteht sich von selbst; man wird sich mit der Bedeutung der palästinensischen Kulturarbeit für die jüdischen Frauen befassen. BAD ISCHL m Pension Jupiter Salzkammergut Lindaustrafie 18 Prächtige Lage Ruhig, vornehm Streng ritueller Küdienbetrieb unter Leitung von B. SPIEGEL. 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Man liest eine treffliche Illustration dieser Periode in Henning Bergers ausgezeichnetem Buche „Gulaschbaroneif. Kopenhagen war das Dorado der Kriegsgewinner, aber auch der Zufluchtsort aller derjenigen, die den Fährnissen und Wirren des Krieges flohen, urn hier Ruhe und Zerstreuung zu finden, und deren gab es nicht wenige. Eins jedoch ist in dieser Stadt dasselbe geblieben, und das ist der Snög (spricht Streu), von dem jedes Kind weiß, daß dieses die fashiouablc Passage ist, die sich vom alten, vornehm ruhigen, Köngens Nytorv im gelinden Zickzackkurs zum Ratiiausplaiz, dem heutigen turbulenten Zentrum der Stadt, windet und aus siel, fortsetzenden schmalen Straßen besteht. Gewissermaßen also ein Weg aus der aristokratischen Vergangenheit in die aufs Reale gerichtete Gegenwart, die ein demokratisches Gepräge trägt. Auf diesem Sirög, ins Deutsche übertragen Strich, promiuiert tont Kopenhagen, und entdeckt man einen Prominenten, so heißt es gleich tags darauf in der angesehensten Tageszeitung ,,Politiken": „set paa Ströget: N. NV" Man siein also, daß man hier Gefahr läuft, sein Inkognito zu verlieren. Dieser „Strög" ist also immer noch der alte, aber auch unser Appetit, den die frische salziye Brise der dänischen Hauptstadt mächtig fördert, und allzuoft verlangt der gestrenge Herr Minister des Innern, daß man ihm pflichtschuldigst den Tribut zahle. Im übrigen muß man Kopenhagen im Sommer erleben, um die herrlichen Schloßgärten genießen zu können, oder um sich auf der Langenlinie, dieser einzig schönen Strandpromenade, am Ufer des blauen Oeresunds, zu ergehen oder gar eine Dampferfahrt zu den beliebten Seebadeörtern Klambenburg, Skodsborg usw. zu machen. Fs heißt zwar von Neapel mit Recht: „Vedi Napoli e poi muri*", aber die liebliche Anmut dieser seeländischeu Küste wird deshalb nicht minder sich die Herzen gewinnen. Von altersher erfreuen sich die J u d e n in Dänemark aller Freiheiten des Staatsbürgers. Die dänischen Könige waren ihnen humane und sogar fördernde Schirmherren, wie dies die Chronik dartut. Was Wunder, daß die Kopeuhageiier Juden und mit ihnen die Juden des ganzen Landes sich nach dem bekannten Lehrsatz dino malchusc dino ganz und gar den Gesetzen und Sitten des Landes anpaßten und sieh in der Mitte dieser loyalen und kultivierten Bevölkerung wohl fühlen bis zum heutigen Tage. Antisemitismus hat in diesem Laude keinen Kurs. Das dänische Volk feiert seine Großen, ob es sich nun um den Juden Georg Brandes oder um die Protestanten Holger Drachmann und Hermann Bang handelt. Hier ist kein Boden für Hitler und seine Trabanten! Die Kopenhagener Gemeinde der Achizigerjahre w.(r seinerzeit entschieden eine der reichsten Judengemeinden. Zahlreiche Legate sorgten dafür, daß alle Gcmeiudemitglieder vor Not und Entbehrung geschützt werden konnten, nublesse oblige. Diesem Grundsatz huldigten die Männer, welche damals an der Spitze standen. Es waren große Kaufietite und Bankiers, deren Frömmigkeit ihrem Reichtum nicht nachstand. Die Namen Melchior, Frankel, Heimauu, Lewiu werden unvergänglich mit der Geschichte der Kopenhagener Gemeinde verknüpft bleiben. Geht man die sich in einem Halbbogen windende Köbmagergade hinauf, etwa bis zum berühmten runden Turm, so gelangt man linker Hand in der Krystallgade zur Synagoge, einem geradlinigen Monumentalbau, und man darf nicht sehenden Auges vorübergehen an der hier am Eingang augebrachten Gedenktafel, welche die dankbare Gemeinde ihrem großen Rsbbiner Alexander Abraham Wolff s. A., der hier über fünfzig Jahre seines Amtes waltete, gestiftet hat. Professor Dr. A. A. Wolff, der seinerzeitige Nestor der Rabbiner Europas, starb neunzigjährig Ende der Achtzigeriahre. Er war als

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