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Die Wahrheit · 1929-05-17 · Heft 20 (17.5.1929) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 20 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT " Seite 3 welchem auch kulturell weit höher entwickelte Völker, wie die Griechen, nicht frei davon sind. Auch in der modernen Kriminalistik tritt das Freisein des Judentums von Roheitsdelikten trotz stark neurotischer Veranlagung eindrucksvoll zutage. So sehr allmählich für weite Kreise das rituelle Wesen in den Vordergrund rückte, so wenig steht es doch im Mittelpunkte der Religiosität auf deren Höhen, wie sie vor allem von den Propheten erreicht werden. Sie sind es, die der Menschheit das Höchste, was sie über Gott wissen kann, vermittelt haben:GottalsdenunbedingtGuten, sittlich Heiligen, und weiterhin seit Hosea und Jeremia dazu Gott als die heilige Liebe. .Diese Form der Gotteserkenntnis hatte die Welt noch nicht g e s e h e n." Aus der Versittlichung der Gottesidee folgt als Erkenntnis auch ihre Uebernatinalität. „Die Religion hört auf dieser Stufe auf. Nationalreligion zu sein, sie will Menschheitsreligion werden. Gott ist nicht nur der Gott eines Volkes, sondern der Vater aller Menschen — daher die starke jüdische Missionstätigkeit seit Alexander dem Großen... Es ist der einzige Fall in der Geschichte, daß die geistigen Führer einer Nation ihren Untergang als verdientes Schicksal angesehen haben, während sonst im Völkerkampf sittliche Schuld fast nur auf der Gegenseite gesehen wird..." Der Verfasser führt ferner aus, daß das, was in der R e- Iigiosität Jesu hervortritt, nicht etwas absolut Neues sei, wie das auch nicht seine eigene Meinung gewesen sei. „Die jüdischen Theologen haben vollkommen recht, wenn sie feststellen, daß das Christentum weder in bezug auf das Wesen Gottes, noch die den Menschen obliegenden Verpflichtungen religiös-sittliche Gedanken aufweist, die nicht auch auf den Höhen des Judentums vorhanden gewesen dann 1796, während der Friedensverhandlungen, kostenlos eine gut ausgerüstete Reitertrupne zur Verfügung stellen. Er kann ihm noch mehr anbieten: seine Mittlerdienste und den wichtigen Kredit bei seiner Bank, "^o wurde er der Bankier dieses Papstes wie des folgenden Papstes Pius VIT. Er eröffnete selbst das glanzvollste Haus, bildete einen eigenen Hofstaat, gründete sich selbst c'ne neue und höchst mondäne GeseMschaft, gab iene Feste, die europäischen Widerhall fanden und wurde bald auch der große Mäzen, dessen Namen man überall nennr, dessen Häuser von Kunst erfüllt sind, von guter meisterlicher Kunst. Er spendete mit vollen Händen und klugem Sinn, wurde der gilanzvolle Mittelpunkt der römischen Gesellschaft und es währte nicht mehr lange, da wurde der arme jüdische Hausierer — wie Joachim Friedenthal in der „Frankfurter Zeitung" erzählt — vom Papst in den römischen Adelsstand erhoben. Aus dem ver?ohteten jüdischen Schnorrer und Ghettohändler wird der Duca don Giovanni Torlon'a. Aber er will nichts von seiwer Vergangenheit verbergen, er hat nichts zu verbergen. Jeder, der in seine Paläste und Villen zu den kleinen Empfängen oder zu den großen Festen kommt, kann und soll von ihm hören, wie klein und in welchem Elend er angefangen hat. „Sehen Sie mich an. ich war ein armer indischer Hausierer und Schnorrer, ich, der Duca don Giovanni Torlonia . . ." So durfte Giovanni Torlonia als Siebziger reden. Man konnte lachen über ihn, aber nur heimlich, und nicht etwa deshalb, weil seine Worte nicht ernst zu nehmen waren. Er war wie nur irgendeiner seiner modernen Nachfahren in der Finanzwelt sehr ernst zu nehmen. Er war. klarer als irgendeiner der neuen großen Weltbankiers, ein glänzender Typus und im Gegensatz zu vielen von heute ein ganz warmer, ein ganz menschlicher Mensch. sind. Mit den Darlegungen jüdischer Theologen stimmen auch die Forschungen christlicher Theologen über die jüdische Literatur außerhalb des Alten Testamentes überein. Jesus kann nur als Jude verstanden werden. Wem niemals jüdischesWesennachfühlbargeworden ist, der kann ihn und den Ursprung des Christentums nicht verstehen. Jesus verkörpert die höchste Stufe jüdischer Sittlichkeit. Wer ihn und seine Glaubensgenossen wirklich in seiner seelischen Eigenart verstehen will, der tut viel besser, zu den höchstenLehrendesTalmuds oder zu der religiös-ethischen oder religionsgeschichtlichen Literatur des modernen Judentums zu greifen, als zu manchen ethischen Darlegungen christlicher Theologen. Die spezifische Sittlichkeit auch des modernen Judentums ist mit der Jesu viel enger verwandt als die mancher arischen Theologen, denen das eigenartige. instinktiv warm sozial gesinnte jüdische Menschentumvölligfremdbleibt und die sich teilweise bis zur Billigung der Forderung einer rein nationalegoistischen, auf sittliche Momente nicht Rücksicht nehmenden Machtnolitik von Jesu entfernen, während selbstverständlich auch der Staat an religiös-sittliche Grundsätze normativ gebunden ist und, wo er sich in bestimmten Fällen danach richtete, auch die höchste Bewunderung hervorrief.'* Aber wieviele Juden haben das schöne und lehrreiche Werk von Oesterreich gelesen? S n i n o z a hat zwar furchtbar viel Böses über ^as Judentum geredet, aber er war trotzdem ein Jude, und dies verzeiht ihm unser Verfasser nicht..; Sein Vater war ein portugiesischer Jude, der schon in früher Tueend vor der Tnnuisition nnch Amsterdam flüchtete, wo zahlreiche seiner Glaubensgenossen ein Asyl gefunden hatten. Kaum genossen aber d'e jüdischen Gemeinden in dem „Neuen Jerusalem", wie sie es nannten, ihre volle Freiheit, als sie auch schon mit erneuter Kraft jene gehässige Unduldsamkeit zu entwickeln begannen, die ihrer Peligion immer eigentümlich war und leider zum Teil auch auf die christliche Kirche vererbt worden ist. Der Geist des Kaiphas. der die ganze Geschichte des Volkes Tsrael bestimmt hat. solange es noch seine nntionnle Selbständigkeit besaß, ist später oft infolge äußerer Umstände ohnmächtig gewesen, aber immer wieder zum Leben erwacht, wenn es zur Macht gelangte. So verhielt es sich auch diesmal____So handelte das Judentum an einem Manne. dessen ganze Schuld darin bestand, daß er ein gedankenvolleres, friedfertigeres und weitabgewandteres Leben führte als seine Stammesgenoasen. Da es aber von jeher gute jüdische Tradition war, die Propheten zu steinigen, so liegt in diesem Vorgang nichts auffallendes, und zudem sind wir der Ansicht, daß Spinoza nicht zu den größten Söhnen Israels gehört hat. denen dieses Schicksal widerfuhr, da wir in ihm nur eine, allerdings monumentale und einzigartige Kuriosität zu erblicken vermöeen .... Und in der Tat. „le miserable Spinoza", wie ihn der edle Malebranche mit einer Mischung von Schauder und Erbarmen nannte, war sicherlich nicht geistig normal. Es ist bekannt, daß gewisse Irrsinnige sich durch tadellose Logizität auszeichnen......Er war natürlich kein Christ.....am allerwenigsten aber war er ein Jude.....Nur in einem könnte man Spinoza als Juden ansprechen: in seinem Extremismus. Denn die Juden sind das Volk der äußersten Polaritäten: keine. Nation hat eine solche Spannweite. Sie sind die zähesten Stützen des Kapitalismus und die enragiertesten Vorkämpfer des Sozialismus; sie sind die Erfinder der Kirche und des Pfaffentums und die leidenschaftlichsten Prediger der Freiheit und der Toleranz: sie sind im europäischen Kulturkreise die ersten gewesen, die das Evangelium verbreitet haben und die einzigen geblieben, die es bis zum heutigen Tag verleugnen. Und so haben sie auch den Schöpfer des Monotheismus hervoreebracht und den stärksten Verneiner des Monotheismus: Moses und Spinoza.

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