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Die Wahrheit · 1929-05-10 · Heft 19 (10.5.1929) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT etcffentliehttnaen der UfiiCii deutrclicstevveicHiecKev "Juden Jfettdt WienIX.^Saeggaes-a 4 TeUie*:ltä-77 Veranstaltungen der,, Union" Der 10. Sprechabend der „Union" am 4. d. M. gestaltete sich zu einem_ gesellschaftlichen Ereignis allerersten Ranges. Der Lichtbildervortrag der Frau Sofie Grünfeld „Aus eigener Werkstatt" hatte so zahlreiche Zuhörer angezogen, daß der große Saal des Wissenschaftlichen Klubs sich als zu klein erwies, um die große Schar der Erschienenen zu fassen. Ein erlesenes Publikum war herbeigeeilt, um von der Vortragenden ein Bild darüber zu erhalten, was diese auf dem Gebiete der jüdischen Wohltätigkeit seit Jahrzehnten hervorragend tätige Frau Ersprießliches zum Wohle der Armen und der Kinder geleistet hat; man bemerkte u. a. die greise Frau Regierungsrat U1 m a n n, den Nestor der Wiener Rechtsanwälte Dr. Hermann Fialla, die Kultusvorsteher Med.-Rat Dr. Jakob Deutsch, Emil Engel, Börserat Ignatz Glück, Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t u. v. a. Präsident Dr. Jakob Ornstein begrüßte die Erschienenen und dankte Frau Sofie Grünfeld, daß sie der „Union" Gelegenheit gegeben habe, in ihrem Kreise über ihr Leben der Arbeit im Dienste und zum Wohle der Armen zu berichten. Ihre „Werkstatt" gereicht seit vielen Jahren den Armen zum Segen und die „Union" ist stolz darauf, die Nestorin auf einem Gebiete zu begrüßen, dem die jüdische Frau ihre besondere Lebensarbeit in gleicher Weise widmen sollte, wie es Frau Sofie Grünfeld bisher tat und wie sie dies hoffentlich noch recht lange Zeit fortsetzen wird. Frau Sofie G r ü n f e 1 d ergriff nun das Wort, um in einem ausgezeichneten Vortrage den begeisterten Zuhörern einen Abriß ihrer sozialen Tätigkeit auf allen Gebieten jüdischen Elends zu bieten. Ihre glänzenden Ausführungen wurden durch schöne Lichtbilder, die das Werk der edlen Frau besonders anschaulich machten, gut unterstützt und so manche humoristische Episode, die die Vortragende in ausgezeichneter Weise einzuflechten verstand, erhellten das eigentlich traurige Bild, das die Zuhörer von dem großen jüdischen Elend bekamen, das Frau Sofie G r ü n f e 1 d in jahrzehntelanger Arbeit zu bekämpfen unternahm und vielfach erfolgreich bekämpfte. Wir freuen uns, schon heute mitteilen zu können, das die „W a h rh e i t" von ihrer nächsten Nummer ab den meisterhaften Vortrag dank der Liebenswürdigkeit der Referentin in Fortsetzungen veröffentlichen wird können; auf diese Weise werden auch unsere Leser eine Vorstellung von der Größe der Arbeit erhalten, der Frau Sofie G r ü n f © 1 d ihre besten Kräfte! widmete. Ein wahrer Beifallssturm brach los, als Frau Sofie G r ü n f e 1 d mit Dank an ihre Mitarbeiterinnen ihre gediegene Rede schloß. Präsident Dr. Jakob 0 r n s t e i n dankte nochmals der Vortragenden für den reichen Genuß, den sie den Zuhörern durch die Schilderung ihrer Arbeit für die Mitmenschen auf den verschiedensten Gebieten menschlicher Not geboten, und erwähnte insbesondere ihre Tätigkeit für die jüdische Jugend, der so manches jüdische Kind Gesundheit und Leben verdankt. Wenn heute einige dieser Kinder ihre Mitarbeiter sind, so ist dies wohl der schönste Erfolg ihrer Tätigkeit. So wird Frau Sofie G r ü n f e 1 d von Hunderttausenden in dieser Stadt verehrt und geliebt, die ihr für ihr segensreiches Werk für Menschheit und Judentum danken. Hofrat Ing. Josef Löwy warf die Frage auf, woher die gewaltige Popularität der Vortragenden, die eine Inkarnation der besten Eigenschaften unseres Volkes bietet und deren Beliebtheit nur mit der der Fürstin Metternich vergleichbar wäre, kommen mag. Nicht nur ihre große Wohltätigkeit macht sie uns so verehrungswürdig, der wirkliche Grund liegt tiefer. In einer Zeit, in der das Individuum nichts, die Masse alles bedeutet, sehen wir eine Individualität von der Größe der Frau Sofie Grünfeld überall verehrt und geschätzt. Ihre Mütterlichkeit, die sich nicht auf ihre Kinder allein beschränkt, sondern auch Kinder umschließt, die sie nicht geboren, macht sie uns so überaus verehrungswürdig. Die Referentin dankte für die anerkennenden Worte. Die Ortsgruppe Leopoldstadt der „Union deutschösterreichischer Juden" veranstaltet, wie bereits angekündigt, ihren 3. Sprechabend am Mittwoch, den 15. d. M., 8 Uhr abends, im Restaurant S. Deutschberger, IL, Ausstellungsstraße 146, um auch den im Prater wohnhaften Mitgliedern und Freunden der „Union" Gelegenheit zu aktiver Beteiligung an den so rasch beliebt gewordenen Sprechabenden zu bieten. Herr Dr. Ernst Feldsberg wird über „D i e Z i e 1 e d e r U n i o n" referieren, anschließend daran findet eine Diskussion statt. ]AC. MAYER Kleider- und Gummimantel-Industrie Export nach allen Ländern Wien H-f GlOCkengasse 24 Telephon R 48-4-79 Auch Detail verkauf zu Fabrikspreisen! Herrenanzug nach Maß auf Seide S 200.— Herrenraglan „ „ „ „ „ 150.— Herrenhose „ „ „ „ „ 48.— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! Kein Kaufiwangl Freie Besichtigung!

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