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Die Wahrheit · 1929-05-10 · Heft 19 (10.5.1929) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 19 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Hermann Oppenheim, von dem festzustellen ist, daß es ganz abseits jeder parteipolitischen Einstellung nur das Wohl der Gemeinde ins Auge faßte, auf Erwiderungen gegenüber Unrichtigkeiten und Uebertreibungen der Gegenseite. Diese Reden sind einzelnen Referenten ganz glänzend gelungen, wir erwähnen in diesem Zusammenhang die Herren Emil Engel, Börserat Ignatz Glück, Baurat Wilhelm Kempler. Besonderen Eindruck machte die Entgegnung des Obmannes der Unterrichtskommission Dr. Josef Ticho, der in seiner ausgezeichneten Rede auch auf die Forderung der Zionisten nach einer „jüdischen Schule" zu sprechen kam und hierbei den bekannten Standpunkt der Majorität in überzeugender Weise vertrat. * * * Die Budgetdebatte ist im allgemeinen erfreulicherweise ruhig verlaufen. Man munkelte wohl vor ihrem Beginne von einer beabsichtigten Opposition der Zionisten, doch haben sich die Herren, anscheinend befriedigt durch den Verlauf der Verhandlungen bezüglich der Palästinasubvention, die Sache überlegt. Dafür bot ihnen eine Rede des Herrn Börserat I. Glück vor Eingehen in die .Tagesordung der letzten Budgetsitzung willkommene Gelegenheit zu einem Sturm, wie ihn selbst der Erschütterungen wohl gewohnte Sitzungssaal der Wiener Kultusgemeinde selten erlebt hat. Herr Börserat I. Gluck vertrat nämlich in energischer Weise die Interessen der Wiener Tempelvereine, die sich durch die Art der Behandlung seitens einzelner zionistischer Kultusvorsteher mit Recht arg brüskiert fühlen. Wir glauben nun gerne, daß den Herren Zionisten diese Rede unangenehm war, denn in ihr wurde, wenn auch in temperamentvoller Weise, nichts anderes gesagt, als was heute in weitesten Kreisen der für die Wiener Gemeinde so wichtigen Tempelvereine ausgesprochen wird. So wußten sich die eigentlich Schuldigen nicht anders zu helfen, als indem sie kritische Bemerkungen des Redners mit persönlichen Beleidigungen desselben beantworteten. Schon in einer früheren Sitzung war Dr. Leo Landau für die Tempelvereine eingetreten und hatte die Belassung des für die Unterstützung derselben gewährten Betrages in der vorjährigen Höhe verlangt. * * * Bei den Schlußabstimmungen ergab sich nochmals eine unangenehme Situation. Infolge eines Formfehlers war über das Budget früher abgestimmt worden als über die Anträge des Finanzreferenten, zwecks Deckung des Defizits die Kultussteuern um 20% zu erhöhen und den Zeitpunkt dieser Maßnahme durch das Vertreterkollegium bestimmen zu lassen. Dr. Desider Friedmann weigerte sich nun namens seiner Fraktion, einem solchen Antrage zuzustimmen, da angesichts der vorgerückten Stunde schon mehrere Kultusvorsteher fortgegangen waren. Der Finanzreferent stellte sich aber auf den durchaus richtigen Standpunkt, daß die vorangegangenen Abstimmungen über die im heurigen Jahre notwendigen Ausgaben nur mit Hinblick darauf erfolgen konnten, daß auf der Einnahmenseite ein Gleichgewicht eben durch die von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen hergestellt werde. Seiner Energie war es zuzuschreiben, daß die widerspenstigen Zionisten schließlich nachgaben und der Antrag in der modifizierten Form einstimmig angenommen wurde, daß der Kultusvorstand eine 20%ige Erhöhung der Kultussteuer in Aussicht nimmt und den Zeitpunkt dieser Maßnahme im F*Ue ihrer Notwendigkeit selbst bestimmen wird. Mit Dankesworten des Präsidenten an den Finanzreferenten Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim für seine mühevolle Arbeit und an die Herren Amtsdirektor Reg.-Rat Guido Fuchsgelb und Oberbuchhalter Schäfer für ihre ersprießliche Tätigkeit bei der Aufstellung des Budgets wurde die Sitzung geschlossen, Die Wiener Kultusgemeinde hat nun, nachdem bereits ein Dritteljahr verstrichen ist, das Budget pro 1929 unter Dach und Fach gebracht; ob seine notwendigen Sparmaßnahmen sich auch wirklich fruchtbar auswirken werden, bleibt abzuwarten. ■ # # * Im übrigen verweisen wir bei dieser Gelegenheit auf die auf Seite 14 befindliche Anzeige der „Union deutschösterreichischer Juden'\ welche Vereinigung auf ihrem am Samstag, den 11. d. M., 8 Uhr abends, im Colonnaden-Cafe\ I., Rathausplatz 4, stattfindenden 11. Sprechabend durch die Herren Reg.-Rat Dr. Hermann Oppenheim und Dr. Josef Ticho ihren Mitgliedern und Freunden einen Bericht über die Budgetdebatte der Kultüsgemeinde erstatten lassen wird. RICHARD HERZOG, Wien I., Adler gas se 5 Telephon R 23-4.90 ||., Kl. Pfarrgass« 28 Telephon A 41-8-24 JUdlsche, hebräische und original englische Tanzschlager-Platten zu bedeutend herabgesetzten Preisen. Sprechmasehinen zu günstigsten Zahlungsbedingungen bis zu 18 Monatsraten OKKASSlONSVEMfAUr neuer Platten t PftHS 4 $ Von allen Seiten Nachrichten von Ritualmordhetzen! Den Vorwand geben fast immer angeblich — verschwundene Kinder. Was hilfts, daß diese, nachdem die Hetze bereits ihre traurigen Früchte getragen, nachher heil und gesund aufgefunden werden? Es müßte einmal gründlich dafür gesorgt werden, daß die Hetzer — verschwinden. Sie sollten für längere Zeit in Sicherheit gebracht werden. * * Die begeisterten Vertreter und Verkünder des Rassenantisemitismus haben dieser Tage in Schrift und Wort dem Andenken Georg Schönerers ihre Huldigung dargebracht. Sie verweilten vielleicht einerseits, um Herrn Dr. Seipel nicht zu kränken, und anderseits, um den radikalsten Sozialdemokraten keinen Gefallen zu erweisen, nur flüchtig bei der Verherrlichung Schönerers als des Begründers der Los-von-Rom-Bewegung. Aber um so eingehender priesen sie ihn als den Apostel des Rassenantisemitismus. Da angeblich nicht nur die Götter, sondern auch die Herren der Wissenschaft vergeblich gegen die Dummheit kämpfen, so hat die Rassentheorie, über die berufene Männer der Wissenschaft längst den Stab gebrochen, in Oesterreich noch ihre lebende publizistische Vertretung. Die „Dötz" fühlt sich demnach auch in erster Reihe berufen, Schönerer in Hymnen zu verherrlichen, die darin gipfelten, daß Schönerer der Mann gewesen, der, „was heute die Wenigsten wissen, das Wort geprägt hatte: Was der Jude glaubt ist einerlei, in der Rasse liegt die Schweinerei." * * * Die Juden würden angesichts dieser zu einer Judenhetze ausgenützten Verherrlichung Schönerers trotzdem nur ihre zu allen Zeiten bewährte Objektivität verleugnen, wenn sie der großen Dankesschuld vergessen, die sich für sie an den Namen Schönerer knüpft Jawohl, die Juden müssen

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