Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 19 (10.5.1929)
- Date
- 1929-05-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT ^iMiuuiiiflifflimiiüiiiiflimHB& pmmuMHUHiim Seite 5 Schwarz für die Entwicklung der Luftschiffahrt geworden. Er war der erste, der das ganz neuentdeckte Leichtmetall Aluminium als Baumaterial für Luftschiffe verwenden wollte und experimentierte so lange, bis er eine Legierung fand, die geeignet war, einem Luftschiff als Hülle zu dienen. Das zweite fast noch wichtigere war die Konstruktion des starren Systems, und diese Erfindung bedeutete den wesentlichsten Fortschritt vor Zeppelin, der noch immer mit einer seidenen Ballonhülle experimentierte. Schwarz erhielt in Oesterreich ein Patent auf seine Erfindung, aber es war kein Geld zum Bauen da. Nun reiste er mit Erlaubnis der Regierung nach Rußland, wo er zwei Jahre lebte, aber kurz vor Vollendung des für die russische Regierung gebauten Luftschiffes mußte er flüchten, und so kam er nach Deutschland, wo er bei der preußischen Luftschifferabteilung Beachtung und Unterstützung fand. Jahrelang hatte der Erfinder an der Vervollkommnung und Ausarbeitung seines Werkes gearbeitet, und er erhielt jetzt endlich die Erlaubnis, seinen schwierigen und kostbaren Bau im preußischen Luftschiffpark selbst auszuführen. Sein Luftschiff war ganz aus Aluminium konstruiert. Auch der Ballon selbst, der die Form eines horizontalen, an beiden Enden zugespitzten Zylinders hatte, wurde aus einem Gerippe mit dünnem Aluminiumblechmantel hergestellt Die Gondel war mit dem Schiff fest verbunden Der Ballon wurde — und das stellt eine bedeutende, vorher für unmöglich gehaltene technische Leistung dar — nach einer von Schwarz erdachten Methode mit Wasserstoffgas gefüllt, und er hatte dadurch genügend Auftrieb, um außer seinem beträchtlichen Eigengewicht von viertausend Kilogramm noch die Gondel mit Ausrüstung, Ballast und dem Luftschifführer zu tragen. David Schwarz war also der erste, der ein starres lenkbares Luftschiff ganz aus Aluminium baute, und das war ein aufsehenerregender Fortschritt. Leider war es Schwarz nicht beschieden, den Erfolg seiner Bemühungen zu sehen. Er starb vor Vollendung seines Werkes, das jedoch von seiner Witwe fortgeführt wurde. Am 3. November 1897 stand das erste, das Schwarzsehe lenkbare Luftschiff auf dem Tempelhofer Feld zum Start bereit. Die Konstruktion erwies sich allen Erfordernissen gewachsen. Trotz windigen Wetters erhob sich das Luftschiff, kreiste vorschriftsmäßig, drehte und wendete sich, stieg auf und nieder. Man bestaunte das Wunder, den ersten lenkbaren Ballon. Doch da versagte der ungeschulte Führer. Statt das Ventil langsam und alimählich zu öffnen, damit der Ballon sanft niedergleite, riß er es jäh auf und das Luftschiff stieß zu Boden. Graf Zeppelin, der trotz der unglücklichen Landung die Brauchbarkeit der Erfindung nicht verkannte, schloß nun mit der Witwe des Erfinders einen Vertrag, der ihm die unbeschränkte Benützung der Schwarzsehen Patente erlaubte. Mit Hilfe dieser Patente und der Pläne des jüdischen Erfinders gelang es dann dem Grafen Zeppelin, die bekannten Erfolge zu erzielen, die er also zum großen Teil der Arbeit des genialen Juden David Schwarz verdankt. Prager Reminiszenzen. In einer bekannten deutschen illustrierten Zeitschrift erschien unlängst ein interessanter Aufsatz über Prag, in welchem diese Stadt als eine zeitlose bezeichnet wurde, die Anspruch darauf erheben könne, als ein Phänomen unter den Städten betrachtet zu werden. Der Schreiber dieser Zeilen, welcher vor nunmehr beinahe vier Jahrzehnten längere Zeit in Prag weilte, vermag dieser Schilderung nicht nur beizustimmen, es ist ihm, als habe er selbst seine eigenen Eindrücke in jenen Zeilen niedergeschrieben. Man wird sich auf den bekannten Ausspruch Goethes vom Walten übersinnlicher Kräfte berufen dürfen, wenn man in unserer nüchtern wägenden Zeit von seinen Mitmenschen Glauben dafür beansprucht, daß eine magische Gewalt, welche weit stärker als das Gefühl der Sehnsucht in uns zu wirken vermag, stets von neuem das Verlangen in uns rege werden läßt, nach dieser historischen Stadt zurückzukehren. Wem es je vergönnt war, Prag, das goldene, wie diese Stadt genannt wird, mit seinen prächtigen Bauwerken, gekrönt vom Hradschin, dieser alten, stolzen Burg, im hellen Sonnenlicht zu schauen, der wird diesen unbeschreiblichen Anblick sein Leben lang nicht vergessen, ebensowenig, wie er sich der Romantik dieser Stätte zu entziehen vermag. Der mystische Zauber längst entschwundener Zeiten schlägt uns in seinen Bann! Das ist Libussas einzig schöne Stadt, das ist Prag, das zeitlose! Das Zwiefache ihrer Bauart, hier Mittelalter, hier Moderne, ihre romantische Lage und das Gepräge ihrer historischen Vergangenheit macht diese Stadt zu einer der interessantesten und sehenswürdigsten, etwa dem ewigen Rom vergleichbar. Besonderes Interesse bietet uns Prag als Judenstadt, wissen wir doch, daß in deren Mauern eine der ältesten Gemeinden der Diaspora auf ein vielfach gestaltetes Schicksal zurückblicken kann. Die Chronik meldet, daß schon mit der Gründung Prags, Ende des 11. Jahrhunderts eine „privilegierte Israelitengemeinde'' in der Altstadt sich entwickelte. Nach einer Sage sollen zum Bau der Altneuschul Steine des letzten Tempels verwendet worden sein, worüber allerdings authentische Aufzeichnungen fehlen. Jedenfalls aber darf man Prag als eine der ältesten Judenstädte ansprechen und könnte ihr allenfalls von deutschen Städten die Rheinstädte Köln, Worms und Mainz hinzugesellen. Das Schicksal der Prager Juden! Welche Chronik verzeichnet alle Leiden, Verfolgungen und Drangsale, welche die Juden hier erlitten! Welche Feder verzeichnet die Zahl derer, die den Martertod starben! Zahlreich sind die Monumente, die uns als stumme Zeugen der Juden herbe Erlebnisse künden. Gehen wir zur Karlsbrücke, diesem schönen Bauwerk des Mittelalters! Auf der rechten Seite erblicken wir den Gekreuzigten, über dessen Haupt die jedem Juden heiligen Worte der Keduscha, dreimal kodausch usw. in hebräischen Lettern prangen. Man sagt, daß ein Jude, als er dem Heiligenbilde seine Huldigung versagend, eine verächtliche Geste machte, zur Strafe hierfür die heilige Schrift anfertigen und anbringen mußte, und, nachdem er solches vollbracht, sich kopfüber in die Moldau stürzte und so in den Finten