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Die Wahrheit · 1929-11-29 · Heft 48 (29.11.1929) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 48 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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bl£ WAHRHEIT Seite f der Stellungnahme zweier Wiener Hakenkreuzblätter zu dem Nürnberger Urteil. Die „Dötz" hat sich überhaupt jede kritische Bemerkung versagt. Die „Deutsche Arbeiterpresse", die wirklich bisher fast ausschließlich ihr Dasein von dem bißchen Ritualmord und zahlreichen Talmudfälschungen fristete, wagte, allerdings zähneklappernd vor Angst, das Nürnberger Urteil mit folgenden, zwar reichlich verlogenen, aber doch rührend schüchternen Worten zu glossieren: „Es wurde behauptet, daß verschiedene Stellen unrichtig ausgelegt wurden und dadurch eine Beleidigung der jüdischen Religionsgemeinschaft geschehen sei. Nun können wir feststellen, daß in der genannten Zeitschrift Talmudstellen so übersetzt wurden, wie sie jedermann auslegen muß. Allerdings nicht in der Form, wie sie dem Judentum beliebt hätte." * « * Welch zarte, sanfte Töne über ein Urteil, das Gesinnungsgenossen, die wahrlich nicht den tausendsten Teil dessen verübt, was die „D. A. P." in mancher Woche verübte, auf Monate der heiligen Hetzarbeit gegen die Juden entzieht! Schließlich erermannt sich das Blatt doch so weit, um wenigstens den Schein einer Kraftleistung zu erzielen, von einem „Verbrechen" zu sprechen, das der Nürnberger Prozeß an den Tag gebracht hat. „Verschleiert ud unbemerkt waren diese Talmudübersetzungen nicht, sondern klipp und klar. Das war eben das Verbrechen!" Lebt ein Hakenkreuzler, der den Sinn dieses Satzes herausbekommt?_____ Ego. Juden hinaus! Eines der größten Wiener Sportblätter, „Der Mont a g", welches sonst politisch neutral ist, bringt unter dem Titel „Juden hinaus!" folgenden Bericht, für dessen Richtigkeit das angeführte Blatt verantwortlich ist: „Es hat allgemeines Aufsehen erregt, daß vor ungefähr zwei Wochen die prominentesten Mitglieder dar Landesgruppe Wien des Verbandes der Arbeiterfußbalrvereine Oesterreichs ihre Demission gaben und daß diese sang- und klanglos zur Kenntnis genommen wurde. Es erregte weiter Befremden, daß in der am Samstag durchgeführten Generalversammlung vom Wahl'komitee keiner der zurückgetretenen Funktionär« kandir dieirt wurde, ja daß weder vom Präsidium noch aus der Versammlung heraus nicht ein Wort des Dankes für die zurücktretenden Vorstandsmitglieder fiel. Das alles fällt um so mehr auf, als allgemein bekannt ist, daß kein stichhältiger Grund für den Rücktritt der sieben Funktionäre gefunden, daß gegen sie weder von den Vereinen noch von Außenstehenden der allergeringste Vorwurf erhoben werden kann. Es ist also klar, daß da außergewöhnliche' Einflüsse am Werke wairen, um eine Reihe von verdienstvollen Führern hinauszubringen. Wir sind in der Lage, den Grund für die Demission der Harren Präsident Deutsch, Vizepräsident Feldmann, Jugendreferent Dr. Rottenberg, technischer Referent Wottitz, Vorsitzender des Disziplinarausschusses Morawetz, weiter der Herren Vasely, Sekretär der Versicherungsangestelltengewerkschaft, und Diener, mitzuteilen. Eine gewisse Gruppe im Vorstand der Landesgruppe Wien Heß schon seit langem in mehr oder minder deutlicher Weise erkennen, daß sie Bestrebungen verfolge, diie ganz und gar nicht mit den Zielen der Arbeitersportbewegung wie überhaupt der sozialdemokratischen Partei in Einklang zu bringen ■CDMFIIT1III Erzieherin m.%*MvmrW M /■>» M Ml^f zu einem 4 jährigen ■■■■■■■IHHMHIHIHHHMi Knaben findet Aufnahme gegen 60— 70"Schilling Monatslohn nebst freier Station bei Herrn Mich. Berger, Frachthändler, Hollabrunn. Zeugnisabschriften erwünscht; ältere und praktische Dame erhält den Vorzag. Ungarische Mastgänse s 3*40 Mährische Lebergänse „ 3*60 Gansfett kg » 4a— Stadtu. Provinzversand pr. Tel. A14-4-87 Karl Faludl, XIX., Döblinger Hauptstraße £3 sind. So unglaublich es klingen mag, ist es doch Tatsache, daß die vorgenannten Herren, bis auf Diener, wegen ihrer jüdischen Abstammung den größten Anfeindungen ausgesetzt waren, obwohl es hochverdiente Parteianhänger sind. Es entstand zwischen einzelnen Vorstandsmitgliedern an* läßlich einer durch den Präsidenten Deutsch erfolgten Lösung einer Kontliktfrage' im Disziplinarausschuß eine Kontroverse und in dieser vertraulichen Sitzung machte der technische Referent Wottitz der Majorität des Verbandsvorstaindes den Vorwurf, daß sie antisemitisch eingestellt sei, und da dieser Vorwurf unwidersprochen blieb, demissionierte Herr Wottitz, ohne daß der Versuch gemacht worden wäre, ihn zu halten. Darauf legten auch die übrigen nichtarischen Vorstandmitglieder, an der Spitze der verdienstvolle Präsident Deutsch, ihre Mandate zurück und ihnen schloß sich auch Diener, der als „Intelligenzler" ebenfalls angefeindet wurde, an. Die Majorität setzte nun ein Wahlkomitee ein, das eine Liste von gänzlich unbekannten und noch keineswegs vor die Oeffentlichkeit getretenen Leuten enthielt; die Wahl wurde derart geschickt bebrieben und die technische Durchführung bei der Generalversammlung war eine derart gute, daß die Liste debattelos bei der Generalversammlung durchging. Den vorstehenden Ausführungen braucht wohl kein Kommentar hinzugefügt werden. Die nackte Tatsache, daß im alten Vorstand von 17 Mitgliedern sieben jüdischer Abstammung wairen, während im neuen Ausschuß durchwegs Arier zu finden sind, spricht ja deutlich . . . Die Tüchtigen hat man hinausgeekelt — weil es Juden sind. Durchwegs bodenständige, in Wien seit Jahren seßhafte Staatsbürger. Von der neuen antisemitischen Strömung, die sich in letzter Zeit in der sozialdemokratischen Partei bemerkbar macht, wurden also zum ersten Male verdienstvolle israelitische Anhänger der Partei betroffen." Wahl des Budapester Kultuspräsidenten. Obwohl es an bedeutenden Männern im Vorstand der Pester Religionsgemeinde wahrlich nicht fehlt, die seit dem Tode des Präsidenten Hofrat Aladar Kaszab von den beiden Vizepräsidenten Herrenhausmitglied Dr. S. ö 1 ü c k s m a n n und Rechtsanwalt Dr. Marcell H a j d u geleitet wird, war man allgemein der Ansicht, daß ein neuer Mann gewählt werden müsse, der der schwierigen Aufgabe, die der Gemeinde bevorstehen, voll und ganz gewachsen ist und das Vertrauen der gesamten Judenschaft genießt. So einigte man sich auf die Person des Hofrates Samuel Stern, der durch seinen Wohltätigkeitssinn und sein öffentliches Wirken einen sehr geachteten Namen besitzt. Da aber Hofrat Samuel Stern der Repräsentanz nicht angehört, so griff man, um seine Wahl zu ermöglichen, zu dem Aushilfsmittel einer Statutenänderung, die vorigen Sonntag in einer außerordentlichen Generalversammlung einstimmig beschlossen wurde. Bemerkenswert ist, daß diese Statutenänderung vom zuständigen Ministerium innerhalb von zwei Stunden bestätigt wurde. Die Erwartungen, die man in Hofrat Samuel Stern, der von orthodoxen Eltern stammt und eine streng religiöse Erziehung genoß, setzt, sind besonders große.

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