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Die Wahrheit · 1929-11-29 · Heft 48 (29.11.1929) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 48 (29.11.1929)
Date
1929-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Ött WABftHEIT Seite s D/e Stellung der deutschen Nichtzionisten in der Jewish Agency. Eine wichtige Aussprache. Eine Veranstaltung der deutschen Jewish Agency in Berlin am 16. November gab Gelegenheit, von Herrn Brode tzky, Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Einzelheiten über den Stand der Verhandlungen zwischen Regierung und Arabern zu erfahren. Wichtiger jedoch waren die bekenntnishaften Darlegungen der anderen Redner über die Gesichtspunkte, die für sie bei der Schaffung der Agency oder für die Mitarbeit in ihr maßgebend gewesen sind. Alfred Leonard T i e t z aus Köln zeigte, wie er in logischer Fortführung seiner jahrelangen Tätigkeit für den Keren Hajessod zur Mitarbeit in der Jewish Agency gelangt sei, obwohl er überzeugter Gegner des National- Judentums ist. Die Ansprachen des Versammlungsleiters Kurt B l u m e n f e 1 d und Ministerialrats Dr. Otto Hirsch (Stuttgart), stellvertretendem Mitglied des Councils der Jewish Agency, bildeten eine Auseinandersetzung über den Inhalt des Judentums und des Palästinawerkes sowie über die gemeinsame Plattform der Arbeit in der Agency. B1 um e n f e 1 d hatte darauf hingewiesen, daß der Kampf im innerjüdischen Lager eine philologische Angelegenheit geworden zu sein scheine, denn es sähe so aus, als ob die Terminologie wichtiger sei als die Sache. Die Agency sei eine neutrale Organisation, in der jeder alles sagen solle und dürfe, ohne damit dem andern seine Meinung aufzuoktroyieren. Ihm gegenüber legte Hirsch in scharfen Antithesen! dar, wie er den Unterschied zwischen den deutschen Zionisten und Nichtzionisten auffasse. Der ZLonist sehe in Palästina die jüdische und menschliche) Hauptaufgabe, der Nrehtzionist eine seiner jüdischen Aufgaben. Der Zionist glaube, daß Erez Israel die Lösung der Judenfrage sei-, der Nichtzionist halte den Aufbau Palästinas für einen der Wege zur Erhaltung des Judentums. Der Zionist sehe in. Palästina den politischen, religiösen und kulturellen Mittelpunkt des Judentums, der deutsche Nichtzionist sehe seinen politischen Mittelpunkt in Deutschland. Deutschland sei für den deutschen Nichtzionisten nicht G a 1 u t h, sondern Heimat. Er wolle, daß seine Kinder in Deutschland ihre Heimat haben und behalten, nicht aber, daß sie Deutschland entfremdet werden, und er glaube, daß es eine Verschmelzung von Deutschtum und Judentum gebe und daß es wichtig sei, diese für die Zukunft zu erhalten. Hirsch wandte sich sodann gegen die Ueberspitzung in der innerjüdischen Auseinandersetzung. Die deutschen Nichtzionisten innerhalb der Agency fühlten sich keineswegs als zionistisches Anhängsel. Sie sähen ihre Aufgabe vielmehr, gerade auch mit Rücksicht auf die Araberunruhen, darin, eine Haltung zu zeigen, die von jeder Art Chauvinismus frei sei. Viele jüdische Menschen ringen mit sich, ob sie an dem Palästinawerk mitarbeiten dürfen, wenn sie es in Händen von Menschen sehen, die ihrer Auffassung nach nicht richtig handeln. Wenn es aber gelinge, dieses Gegeneinander bei voller Wahrung der weltanschaulichen Selbständigkeit jedes Teilnehmers um des gemeinsamen Werkes willen auszugleichen, so sei damit nicht nur für Palästina, sondern auch für das Judentum viel getan. _ Nicht erwähnenswert! Iva Frage des Fremdenverkehrs. Von Benno Deutsch. Soeben ist die erste Nummer der vom Verbände der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden in Wien, VI., Mariahilf erstraße 113, herausgegebenen Monatsschrift „Die Wirtschaft" erschienen. Das Verbandsorgan dient der Behandlung wirtschaftlicher Probleme und befaßt sich besonders mit den Fragen, welche die in Handel, Gewerbe und Industrie tätigen Juden interessieren. — Der Bezugspreis dieser Zeitschrift, welche den Verbandsmitgliedern kostenlos zugestellt wird, beträgt pro Jahn S 6.—. Redaktion und Administration: Wien, VI., Mariahifföerstraße 113. Wir entnehmen ihr folgenden interessanten Artikel: Unter reger Beteiligung aller in Betracht kommenden Stellen, wie Bundesbehörden. Babnverwaltungen, HoteliervermJFA-TON-KINOi Wien II.» TaborstraBe 8 — Tal. R 42-3-41 Z)as Tifmtgeater der guten Geseffsdfaft bringt den Fritz Lang-Fllm: Die Frau im Mond Manuskript Thea v. Harbou Hauptrollen: Gerda Maurusfund Willi Frltscb Beginn der Vorstellungen: 5, 7 und 9 Uhr Sonn, und feiertags: ab 4 Uhr einigungen, kaufmännischer und gewerblicher Korporationen und der Landesverbände für Fremdenverkehr, hat vor kurzem wiederum ein Kongreß zur Hebung des Fremdenverkehres stattgefunden. Was immer geeignet ist, diesem Zwecke zu dienen, soll begrüßt werden, denn der Fremdenverkehr gibt jetzt schon Tausenden Brot und Arbeit und beiruchtet so auch jene Gebiete des wirtschaftlichen Lebens, die nicht direkt von ihm profitieren. Die Schönheiten unseres Landes befähigen es, mit Aussicht auf Erfolg mit dem klassischen Lande des Fremdenverkehres, der Schweiz, in Wettbewerb zu treten, und die Kunstschätze, die unser Land aufweist, sind sicher zahlreicher und bedeutender als die der Schweiz und können sich mit denen aller anderen Länder, die für den Fremdenverkehr in Betracht kommen, sicherlich messen. Die natürlichen Bedingungen, Oesterreich zu einem Fremdenverkehrsland zu machen, sind also gegeben, die Aufgabe aller Interessentenkreise kann es demnach nur sein, Bedingungen zu scharfen, die den Fremden den Aufernthalt bei uns so angenehm als nur möglich machen, und es allen Fremden, die zu uns kommen wollen, auch zum Bewußtsein zu bringen, daß sie hier gerne gesehen sind'. Hat sich die nun stattgefundene Tagung auch mit allen Angelegenheiten befaßt, die geeignet sind, dem Problem in dieser Hinsicht gerecht zu werden? Wir glauben nicht! Wir sind der Ansicht, daß ein wichtiger Punkt, wichtiger jedenfalls, als ob in irgend einem Zug irgend einmal ein Fenster nicht ganz sauber geputzt gewesen war, von den Teilnehmern dieser Tagung als nicht erwähnenswert angesehen worden ist! Mit Bedauern und mit Befremden mußten wir konstatieren, daß der immense Schaden, der dem gesamten Fremdenverkehr aus der antisemitischen Propaganda mancher Oirtsgemeinden erwächst, auch diesmal mit keinem Worte erwähnt worden ist Wir wollen hier nicht davon sprechen, daß der Ukas so manchen Dorf- oder Provinzhäuptlings in den meisten Fällen, insbesondere soweit es sich um den Aufenthalt zumindest der inländischen Juden handelt, den. Staatsgrundgesetzen widerspricht. An dieser Stelle interessiert uns nur der Schaden, der der Volkswirtschaft aus der Tatsache erwächst, daß, angewidert durch diese Propaganda nicht nur Tausende ausländischer Juden, sondern auch ebenso viele Ausländer anderen Glaubens, die für derlei Gesinnungen kein Verständnis aufbringen können, unserem Lande überhaupt fernbleiben. Es wäre wahrlich zu viel verlangt, wenn man dem Fremden zumuten wollte, sich vorerst zu vergewissern, in welchem Orte er gerne gesehen wird, und in welchem nicht. Für den Fremdenverkehr aus dem Ausland ist ganz Oesterreich eine Einheit und so werden aus dem Titel antisemitischer Propaganda einiger für den Fremdenverkehr mehr oder weniger unwesentlicher Orte auch, und vor allem, jene wichtigen Fremdenverkehrsplätze geschädigt, die den Fremden ohne Rücksicht auf seinen Glauben oder seine Nation gerne bei sich sehen möchten. Wenn die Vertreter dieser Gemeinden auf den Fremdenverkehrstagungen nicht immer und immer wieder auf die Verderblichkeit der judenfeindlichen Propaganda von diesem Gesichtspunkte aus aufmerksam machen und auf deren Abstellung dringen, begehen sie ein grobes Versehen. Mit Bedauern aber müssen wir feststellen, daß, soweit es aus den veröffentlichten Berichten zu entnehmen ist, auch nicht ein jüdischer Delegierter es sich und seiner Würde für schuldig erachtet hat, ein ernstes und mannhaftes Wort diesbezüglich zu sagen.

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