Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 48 (29.11.1929)
- Date
- 1929-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 3 s. AKTIENGESELLSCHAFT l., Banenunorkt Nr. 10-12-14 vii., raariahiiicrstraae Nr. qa (Ecke Zieglergasse) «TU TEPPICHE^ VORHÄNGE nttBElSTOfffE EINOEEUP1 DECKEN Größte AHSwahi! Billigste Preise! und Stellung, Vor Jahr und Tag ließ ich mich einmal zu einer ungeduldigen Abwehrgeste hinreißen, die, von einigen Jüdisch-nationalistischen Hetzblättern aufgegriffen, Veranlassung zu allerlei Lärm und Verleumdung gab. Wer sollte besser wissen als ich, wieviel Geist, Tiefe und Märtyrerkraft gerade in diesem Teil des Volkes steckt." Hier sieht man die wahre Seelengröße des bedeutenden Dichters. Einen Irrtum einbekennen, erscheint ihm leichter als unseren Jüdischnationalen, die an ihrem fanatischen Standpunkt weiter festhalten. Das ist „das Ranze Elend". Die Hydra Hakenkreuz. 1 Von Willibald Roth, Berlin. Die Judenheit bildet in allen Ländern eine Minderheit unter ihren Mitbürgern. Eine Minderheit an Zahl, doch nicht immer an Geist und Charakter. Haß und Feindschaft gegen Andersdenkende, gegen eine ganze Bevölkerungsschichte und gegen einzelne Personen entspringen stets aus Unwissenheit, Unreife und aus Neid, aus Mangel an Bildung, Aufklärung und .Intoleranz des infizierten Gegners, der demzufolge auch außerstande ist, die Eigenschaften des von ihm bekämpften Gegners zu erkennen. Es ist eine alte Erscheinung und Erfahrung, daß nach jedem Kriege zu allen Zeiten, vom frühesten Mittelalter an bis heute, eine unglaubliche Verwilderung der Sitten und des Anstandes ganze Bevölkerungsschichten ergriffen hatte und hat, die von gewissenlosen Hetzern und Demagogen in Uniform und Talar mit robuster Gewissenlosigkeit genährt 1834 faßt Joseph Gusikow den Entschluß, nach Kiew zu sehen. Dort traf er mit verschiedenen Künstkirn zusammen, unter anderem mit Lipinskij, der dort konzertierte. Als dieser ihn angehört, war er voll Bewunderung. „Ihr seid eün größerer Künstler als ich'', rief er aus. „Ich benutze nur Mittel, welche mir zu Gebote stehen, ihr verschafft euch neue." Durth solche Urteile und Aeußerungen armujtigt gab Gusikow sein erstes Konzert, das enthusiastisch aufgenommen wurde. Jetzt erst begann er seine Zukunft zu ahnen. Er arbeitete ununterbrochen an der Verbesserung seines Instrumentes, zog nach Odessa und konzertierte im italienischen Theater. Hier hörte ihn ein Graf Worongow und lud ihn zu sich auf sein Schloß. Einige Monate brachte er dort zu und fand Gelegenheit, sich vor berühmten Zeitgenossen zu produzieren. Eine große Auszeichnung war es, daß Gusikow eine Einladung nach Woronzow erhielt, um sich vor dem Admiral Grey, dem damaligen Kommandanten der englischen Flotte im Schwarzen Meer, hören zu lassen. Grey war des Lobes voll und riet dem Künstler, nach England zu gehen, wo er ihm große Einnahmen in Aussicht stellte. Zunächst aber hatte Gusikow Wien im Auge. 1835 sah man den Künstler in Lemberg, wo seine Konzerte Anklang fanden, dann wandte eir sich nach Krakau und Wien. Hier aber leuchtete ihm vorerst kein guter Stern. Bis Wien war sein Ruhm denn doch noch nicht gedrungen, und der Konzertsaal war fast leer. Unter den wenigen aber, die anwesend waren, befand sich der als Kritiker fungierende Humorist Saphir, und an anderen Tage lasen die Wiener in dem Theater-Zeitung einen Aufsatz über den polnischen Juden aus der wirkungsvollen Feder Saphirs. Diese Kritik war ausschlaggebend für die Zukunft Gusikows. Es hieß dort: „Da tritt er heraus in der Nationaltracht seiner polnischen Glaubensgenossen, deu schwarzen Talarrock angetan, das schwarze Haar in Locken über den Schläfen, das schwarze Käppel auf dem bedeckten Haupte. Es spricht eine führende Elegie aus seinen Zügen,, und diese Elegie hat der Mann in und großgezogen wurde und wird. Es sind dies Fäulniserscheinungen eines engbegrenzten Bevölkerungsteils, einer Bevölkerungsschicht, die nicht imstande ist, ihren Charaktermangel anders als durch geistigen Unrat zu beweisen, mit dem sie sich und ihr Vaterland beschmutzen. Diese treuteutschen „Auchhelden", die aber die größten und allererbärmlichsten Feiglinge sind, die stets so „mutig" sind, ihre schmutzigen Heldentaten unter dem schützenden Mantel der Immunität (sofern sie „Volksvertreter" sind) und der Satisfaktionsehre zu vollbringen, werden ihre Angriffe stets nur dann ansetzen, wenn sie die Gewißheit haben, daß ihnen nichts „passieren" kann, weil die Angegriffenen in der Minderzahl sind. Dort sind sie „tapfere" Deutsche — „Deutsch" ist für diese Buben ein Begriff, der in Wahrheit mit Deutsch nichts zu tun hat —, da können sie mit deutschem Männermut tapfer auf eine wehrlose kleine Schar einschlagen Musik gesetzt, in Töne umgewandelt, in sonderbare Laute gebracht. Auf Holz und Stroh, aus Holz und Stroh entlockt er Töne! — Töne der innigsten Schwermut. Mit welcher Wehmut klingen seine Nationalklänge aus dem Holz, aus dem Stroh zurück. Wer weiß, wie vietl andere Saiten er im Leben anschlug, ohne harmonische Erwiderung zu finden. Holz und Stroh allein verstand ihn, in Holz und Stroh allein wohnten weinende, klagende, jammernde Töne, die ihn und seine Wehmut verstanden." Man weiß, welche Gewalt Saphir auf die Herzen der Menge auszuüben vermochte, — der Erfolg war ein ungeheurer. Wochen vergingen, bevor der Künstler, durch Krankheit verhindert, wieder auftreten konnte. Nun war der Saal überfüllt. Das Publikum war zunächst enttäuscht. Auf dem Podium stand bleich, mit kummervollen Zügen eine ihm wesensfremde Gestalt, umgeben von vier polnischen Juden. Es wurden ihm einige Bündelchen Stroh und viele Stückchen Tannenholz gebracht. Belustigt schaute das Publikum dem zu. Das Spiel begann. Schwache, metallose Töne schlagen fremdartig ans Ohr. Verwundert sah man sich an. Aber nach wenigen Minuten entlockte er dem Instrument wundervolle Melodien und riß seine Hörer mit sich fort. Eine stürmische Begeisterung erfaßte alle. Zurufe und Stampfen mit den Füßen erfüllte den Saal. Joseph Gusikows Ruf war entschieden. Man lud ihn zu den höchsten Herrschaften ein, Auszeichnungen folgten auf Aufzeichnungen. In einer Soiree bei dem russischen Fürsten v. Tatitescheff hörte ihn der Staatskanzler Fürst Metternich und wird sein Protektor. Durch ihn wurde ihm die Ehre zuteil, vor den Majestäten spielen zu dürfen. Später unternahm Gusikow eine Kunstreise nach Berlin. Dresden und anderen großen Städten. Im Jahre 1837 fand er zu Aachen das Ziel einer irdischen Laufbahn, er war mit dem Instrument in der Hand seinem Brustleiden erlegen,