Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 17-18 (24.4.1929)
- Date
- 1929-04-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 ——IBWHMHIlWHMWHIWUUlUWMWHIHIBIWHHIMIfflBnnffl jjjß WAHRHEIT Kaufet aisöd p* Kaufet «He in Qualität und Geschmack unübertroffenen, weltberühmten Polosünaünuiioih Die Herstellung erfolgt — wovon sich Sr. Ettrw. Rabbiner Schenk (Raw der „Talmud Thora'*) persönlich überzeugt hat — unter streng ritueller Auf siebt Sr« Ehrw. Herrn Rabbiner Josef Chalm Sornenfeld, Jerusalem, und des „Chief-Rabbi" von Eres Israel, Sr. Ehrw. Herrn A. I. Kock, Jerusalem Generalrepräsentanz für ganz Oesterreich: Nathan Brodetzki, Wien II., ttSEffiKä.?.» FILIALEN: M. Wildmann, I. Bäckerstraße 16 M. Spiegel, III. RadelxkyslraBe 4 Jakob WeiB, II. Untere Augartenstraße 35 Sabine Binder, IX. Hahngasse 33 S. Schneider, II. Miesbachgasse 12 Nax Silbe rberg, IX. Rotenlöwengasse 8 II. Novaragasse 12 Ignaz Finkelstein, XX. Klosterneuburgerstr. 9 David Raab, II. Schlffamtsgasse 7 M. Luwisch, XX. Hannovergasse 90 _• Jakob Wassermann, XX. .WaJiensteinstrafie 58__ leguitlichen Kritik dringt bei ihnen immer wieder der gute Wille durch, die ort so fremdartigen Aeußerungen der jüdischen Erscheinungswelt von dieser Warte aus zu betrachten. Sie sind ein Beispiel dafür, wie jede ernsthafte Beschäftigung mit jüdischen Dingen auch den Fernstehenden schließlich zur Hochachtung vor der jüdischen Idee und vor der immanenten Sendung Israels bekehrt. Qlcrren>. Ein Blick in die Hakenkreuzlerpresse, namentlich in den österreichischen Provinzstädten lehrt (wir denken dabei natürlich nicht an die Staatsanwälte, sondern an inoffizielle Leser), daß die jahraus jahrein betriebene Ritualmordhetze beim Nahen des Pessachfestes eine fieberhafte Steigerung erfährt. Ja die antisemitische Presse feiert ein rituelles — Ueberschreitungsfest. Ihre schamlose, dem Gesetze, der Wahrheit, der Menschlichkeit hohnsprechende Wühlarbeit überschreitet alleGrenzen. * * # In der vorwöchentlichen Nummer der „Wahrheit" war im Zusammenhange mit einer „Anfrage an den Pressestaatsanwalt" auch ein ausnahmsweise die Ritualmordbeschuldigung nicht berührender Hetzartikel gegen die Juden abgedruckt, an welchen folgende Bemerkung geknüpft wurde: „Man wird zugeben und auch Sie, Herr Pressestaatsanwalt, können es nicht leugnen, daß diese Haßorgie vieles übertrifft, was selbst in dem Salzburger Sudelblatt bisher noch zu lesen war. Und da gibt es keine Instanz, die diesem skandalösen Treiben Einhalt gebietet?" Aus Salzburg kommt uns, angeblich von dem erwähnten Sudelblatt, eine an die „Wahrheit" gerichtete „Berichtigung" zu, in welcher es u. a. heißt: „Es ist unwahr, daß diese Haßorgie vieles übertrifft, was selbst in dem Salzburger Sudelblatt bisher noch zu lesen war. Wahr ist vielmehr, daß diese Haßorgie noch außerordentlich hinter vielem zurücksteht, was bisher in dem Sudelblatt zu lesen war. Es ist unwahr, daß es keine Instanz gibt, die diesem skandalösen Treiben Einhalt gebieten kann. Wahr ist vielmehr, daß es nach dem herrschenden Gesetze eine Instanz gibt, die sofort diesem skandalösen Treiben ein Ende machen könnte, nur müßte sie es auch wollen." Wir hegen begründete Zweifel, daß diese Berichtigung, die der gesetzlichen Form kaum entspricht, tatsächlich von dem genannten Blatte ausgeht. Wir geben sie nichtsdestoweniger aus einer Loyalität wieder, die sich nicht an formelle Aeußerlichkeiten bindet und gerne der Stimme der Wahrheit und Ehrlichkeit Raum bietet. 5fc Graf Bethlen hat die Feier seines achtjährigen Ministerjubiläums benützt, um in seinem Parteiklub eine umfangreiche Rede zur Verherrlichung der Verdienste zu halten, die er und seine Parteigenossen während dieser acht Jahre errungen. Der ungarische Ministerpräsident hat wohl in Erinnerung an die vielfachen minder begeisterten Kritiken, die inzwischen auch von anderer Seite über ihn und seine politischen Genossen gefällt wurden, sich und den Seinen die beruhigende Versicherung erteilt: „Wahren wir unseren Glauben an unsere großen und edlen Ziele, diese bilden das Land, das uns umschließt, und wenn man uns auch verleumden und anschwärzen kann, die Geschichte wird Zeugnis für unseren Idealismus ablegen." Man kann auch die Geschichte verleumden und anschwärzen. Aber daß sie dereinst just ein Zeugnis für den Idealismus Bethlens und den Seinen ablegen könnte, wird ihr kaum jemand zumuten. W * Graf Bethlen nahm in seiner großen Rede auch Gelegenheit, die Relativitätslehre, „die ein großer deutscher Gelehrter jetzt der Welt verkündet", auf das politische Leben und die staatlichen Institutionen anzuwenden. Der Gedanke ist nicht neu und es fiel nur ein wenig auf, daß der ungarische Ministerpräsident, statt einfach Einstein zu nennen, von der „Relativitätslehre eines großen deutschen Gelehrten" gesprochen. War es vielleicht doch eine idealistische Regung, die dem Grafen Bethlen bei dem Gedanken beschlich, daß in dem Lande des Numerus clausus einem Juden, und wenn er das Genie eines Einstein besäße, nicht nur der Lehrstuhl an der Budapester Universität, sondern selbst der Eintritt in den Lehrsaal als Hörer verwehrt werden könnte. Ego.