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Die Wahrheit · 1929-04-24 · Heft 17-18 (24.4.1929) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 17-18 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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DIE WAHRHEIT OMnMBBIBffifflMn Seite Sf mans. Von Edmond Fleg bleibt jedoch der jetzt auch erfreulicherweise ins Deutsche übertragene Roman „L'enfant prophete" als eines der besten Werke des modernen jüdischen Romans in französischer Sprache zu erwähnen. Fleg kommt es einmal darauf an, zu schildern, wie eine Kinderseele das Mysterium der messianischen Sendung erlebt. Aber auch das Leitmotiv seines sonstigen literarischen Wirkens kommt zum Ausdruck: der Ewigkeitswert des prophetischen Ideals, der praktische Imperativ des Judentums, der den Wandel der Jahrtausende überdauert und der in ihr in Wirren verfangenen Menschheit immer wieder neues Licht bringt. Diesen Psychologen der jüdischen Seele kann man die entschlossenen Erzähler gegenüberstellen. Jean Richard Bloch, dessen „Letzter Kaiser" auch über eine Berliner Bühne gegangen ist, hat einen Novellenband „Levy" und einen Roman „Simler & Co." veröffentlicht, die sich um die Schicksale assimilierter jüdischer Familien bewegen. Bloch schöpft aus dem reichen Milieu der jüdischen Kleinbourgeoisie Frankreichs weniger, um Seelenvorgänge zu zergliedern, als um für seine Schilderung jüdischen Lebens einen bewegten Hintergrund zu haben1. Von ähnlichen Gesichtspunkten aus ist Bernard Lecache zu bewerten, dessen ausgezeichnete Enqueten im europäischen Osten zu den besten Leistungen der französischen Journalistik unserer Tage gehören. Sein Roman „Jacob"*) wird freilich nicht überall die gleiche Zustimmung finden. Lecache gibt die Qeschchte eines jüdischen Renegaten, jedoch zu wenig geschlossen und zu sehr auf Aeußerlichkeiten abgestellt, so daß man die Lösung kaum als hinreichende Erklärung eines innerjüdischen Entwicklungfalles hinnehmen kann. Lecache nähert sich schon ein wenig der Art des Modeschriftstellers Pierre Benoit, der mit seinem „Puits de Jacob" jüdische Gegenwartsfragen für den Unterhaltungsroman verwertet hat. Immerhin kann man aus dem Roman Benoits und seiner stattlichen Auflageziffer entnehmen, wie stark in Frankreich das Interesse für den jüdischen Roman ist. Panait Istrati, der Knut Hamsum Rumäniens, der, obwohl er in französischer Sprache schreibt, doch ganz Rumäne geblieben ist, hat recht oft in seinen Romanen jüdische Typen gezeichnet. Niemals hat er vergessen, daß er der Menschlichkeit seiner Landsleute, die in rumänischen Ghettos eine kümmerliche Existenz fristen, seine ganze Entwicklung verdankt. Jetzt hat er, gemeinsam mit Jose Jehouda, einen Roman „La famille Perlmutter" geschrieben, der diese Dankesschuld voll abträgt. Er selbst steht unter einer leicht zu durchschauenden Verkleidung inmitten der Lebensschicksale einer rumänischen jüdischen Familie, die von ihrem Daimonion zersprengt und in die Welt getrieben wird. Im Vordergrund steht das Erlebnis des Benjamins der Familie Perlmutter, den eine unglückliche Liebe entwurzelt, um ihn dann zu einer Art von vagabundierendem Heiligen zu machen. „La famille Perlmutter" darf zu den schönsten Romanen Panait I s t r a t i s gerechnet werden — sicherlich bedeuten diese Geschichten aus Constanza und Alexandrien auch über das Literarische hinaus ein menschliches Dokument von bezwingender Eindringlichkeit, ein Zeugnis brüderlicher Verbundenheit, die über die dunklen Instinkte des Hasses triumphieren. Die gleiche Vorliebe für den jüdischen Orient, wie bei Panait Istrati, finden wir bei den beiden Schriftstellern, die für den jüdischen Roman in Frankreich gewissermaßen repräsentativ sind: den Brüdern Tharaud. Sie kommen von der geistigen Rechten, von Barres und Peguy her, sie haben dep. größten Teil ihres Schaffens jüdischen Fragen gewidmet, sie halten oft mit ihrer Kritik gegen Erscheinungen jüdischen Lebens nicht zurück, aber es dürfte schwer fallen, ihnen antisemitische Anwandlungen nachzuweisen. Die Zahl ihrer viel gelesenen jüdischen Romane hat das halbe Dutzend bereits überschritten. Jetzt suchen sie in ihrer „Petite histoire des juifs" eine Art jüdischer Geschichtsphilosophie zu geben. Die Auflösung des östlichen Ghettos erscheint ihnen als das wichtigste Faktum der neueren jüdischen Geschichte. Dabei spricht wohl auch das Bedauern des Romanschriftstellers mit, der ein so dankbares Milieu dahinschwinden sieht. Aber sobald es sich darum handelt, das Fazit aus der jüdischen Historie zu ziehen, nehmen die Brüder Tharaud, nehmen diese beiden katholischne Franzosen den gleichen Standpunkt ein wie der französische Jude Edmond Fleg: auch sie sehen in der Fortpflanzung der prophetischen Idee das Wesen der jüdischen Mission, die ewige Aufgabe Israels auf Erden. Bei aller ge- *) Deutsch von Mina Zuckerkandl. Verlag Piper, - München, ■■ 1927. RICHARD HERZOG, Wien I., Adlergasse 5 Telephon R 23-4.90 IL, Kl. Pfarrgasae 28 Telephon A 41-e-24 HDS Tal (für Pessach) und alle anderen jüdischen und hebräischen Platten sind vorrätig CHAJIfm BLOCH Lebenserinneruiigeii des Ifabballsten flfei. Preis geb. S 7.50. Prot Dr. Max Löhr-Königsbergi. d. Orient Literaturzeitung: „.... eine beachtenswerte Quelle zur Erkenntnis der Kabbala." Prof. Dr. Ed. König-Bonn i. d. Liter. Wochensch r i f t: „ .... für die Erforschung der Religions- und Sittengeschichte sind die hier veröffentlichten Stoffe besonders wichtig." Prof. Dr. G. Jung-Zürich: „Der Inhalt interessierte mich lebhaft." Hans Saß mann im Neuen Wiener Journal: „Die Freunde religiöser Manifeste müssen Chajim Bloch für sein Buch dankeq» Wie tiefe, wunderschöne Märchen vom Leben der Gerechten, die in sich Irdisches und Ueberirdisches zum Gleichklang bringen, lesen wir die Erinnerungen des Kabbalisten von Saffed. In der Welt des Mammons und der Maschine singt das Buch Chajim Blochs das Mysterium vom göttlichen Ursprung der menschlichen Seele." Hans Christoph Ade in „Die Säule": ,„ . . feine und tiefe Worte." Blätter für okkultistische Wissenschaften: ,.....die packenden Erinnerungen dieses Kabbalisten in der reizenden Wiedergabe Chajim Blochs sind auch für den nichtjüdischen Mystiker wertvoll." Julius Bamberger i. d. Religiösen Monatsheften: „Hier braust tiefes Empfinden in heiliger Sehnsucht auf." Archiv f. Religionswissenschaften: „Vital ist eine der interessantesten Erscheinungen in der Geschichte der jüdischen Mystik." Gemeindeblatt, Leipzig: „.... der Glaube an eine vorwiegend auf Hebung der sittlichen Zustände gerichteten Sendung kennzeichnend." f ERW AY - WCMEfc A Q. WIEW Kundmodiuntf. Israelitisch-theologische Lehranstalt. Wien IL, Tempelgasse 3. Die Aufnahmeprüfungen sind aut Montag und Dienstag, den 6. und 7. Mai anberaumt worden. Die Vorlesungen beginnen Mittwoch, den 8. Mai. Wien, 17. AprU 1929. Hofrat Dr. Schwarz. Rekton

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