Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 17-18 (24.4.1929)
- Date
- 1929-04-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT —------------------------^ Seite 3 KUNEROL ist reines Kofcosnußfett and wird anter streng rtta* eller Auf sieht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg erzeugt. Daher können es alle Streng* f laubigen zur Osterspeisen-Zubereitung verwenden. möglicht wurde, die Er ihren Häusern angedeihen ließ. Und wenn wir noch heute, nach Jahrtausenden, zerstreut über die ganze Erde, wehrlos und ohnmächtig, unter Verhältnissen lebend, die vielfach an die „Gallith Mizrajim" erinnern, wenn wir da alljährlich in der Nacht zum 15. Nissan uns an den festlich erleuchteten Sedertisch setzen, und in einer stillen und doch so gewaltigen, die ganze Diaspora verbindenden, den Triumph des jüdischen Hauses darstellenden Huldigung Gott danken für die Erlangung einer Freiheit, die wir längst eingebüßt, für eine Erlösung, deren wir längst verlustig geworden, so beweisen wir, daß auch den späten Enkeln jene Erkenntnis nicht verloren gegangen ist: „Eth bottenu hizzil." Retten wir unser Haus und wir retten uns selbst. Unser Haus, das jüdische Haus, ist das zweite uns von Gott in der Stunde unserer Volkswerdung gereichte Kleinod; es ist die Feste, die Gott über den Zusammensturz unserer nationalen Selbständigkeit hinaus uns gerettet und erhalten hat. III. Das jüdische Haus ist ein offenes Haus. Wie der Buchstabe „Beth" im hebräischen Alphabet an drei Seiten geschlossen und von der vierten her geöffnet ist, so besitzt das jüdische Haus, das durch diesen Buchstaben bezeichnet wird, einen offenen Trakt, offen in Freud und Leid für Freud und Leid des Nächsten. Mag es von noch so zahlreichen jüdischen Familien bewohnt sein und noch so viele jüdi- Chajjim. dem Fuhrmann." Der vornehme Mann erwachte sehr erschrocken und zu Tode betrübt. Er dachte: Gott weiß, was für schwere Sünden ich begangen habe, wenn Eliah, der Prophet, seift Jahren zum Sederabend nicht zu mir kommt. Wer aber mag jener Fuhrmann sein, den er zuerst mit seinem Besuche beehrt? — Es litt ihn nicht mehr im Hause, er legte den schönen goldgestickten Kittel ab und ging hinaus, um Chajjim. den Fuhrmann, aufzusuchen. Die ganze Nacht irrte er umher. Erst als es Tag wurde, fand er die zerfallene Hütte weit draußen in einem Gäßchen, wo die ärmsten Leute wohnten. Chajjim. der Fuhrmann, war nicht wenig erstaunt und verwirrt, als der reichste und vornehmste Mann der Stadt in seine ärmliche Stube eintrat und ihn auszufragen begann, was er am vorigen Abend getrieben hätte. — „Nun, das was alle Juden am Pessachabend machen," antwortete Chajjim, „den Seder habe ich abgehalten." „Aber wie habt ihr das getan? Habt ihr alle Dinim und Minhagim genau beobachtet? Und d'e Kawwanoth dabei im Sinne behalten? Und haben arme Leute und fremde Gäste an eurem Tisch gespeist?" Chajjim sah den Mann verlegen an und antwortete: „Ich verstehe leider nichts von diesen heiligen Sachen, denn ich bin nur ein ganz unwissender Fuhrmann, ich kann mit Mühe nur ein wenig dawenen (beten). Die Zeiten sind schlecht und die Verdienste kärglich. Aber Gott sei Dank, zu Mazzoth, Rosinen und c'nem Stückchen Fleisch hat es gereicht. Abends bin ich zerbrochen vor Müdigkeit nach Hause gekommen, mein Weib hatte den Seder zurecht gemacht, und als ich die Haggada aufschlug, wie jedes. Jahr — hm, ich kann ja kaum lesen und weiß Kar nicht, was alles drin steht und wie man es zu machen hat — da sagte ich zu meinem Weibe: Wir wollen es machen wie jedes Jahr und wir sprachen: Wir danken dir, Gott, dafür, daß sehe Zeichen und Embleme an seiner Außenseite tragen, so dieses Haus von allen Seiten verschlossen ist gegen die Eindrücke und Vorgänge der Umwelt, hat es den Anspruch verwirkt, ein jüdisches genannt zu werden. Von einem solchen Hause gilt vielmehr das Wort des Midrasch: „Wehe dem Hause, dessen Fenster in die Finsternis geöffnet sind.*4 Diese Eigenart des jüdischen Hauses trat zum erstenmal gleichfalls in jener ersten Pessachnacht in Erscheinung. In engstem Familienkreise sollte damals das Pessachopfer verzehrt werden, erwies sich aber die Zahl der Hausgenossen als zu klein, dann mußte der Nachbar zur Festtafel hinzugezogen werden. Der Triumph des jüdischen Hauses äußerte sich sonach in jener entscheidenden Nissannacht vor allem darin, daß an dem ersten Dankopfer, welches Israel „im Hause" seinem Gotte gebracht und der Festesfreude, der es sich hingegeben hatte, es neben seinen Familienmitgliedern und Hausgenossen den „Nächsten41 und den „Nachbar" teilnehmen ließ. In der gefahrvollsten und wichtigsten Stunde ihres Daseins haben die Kinder Israels die Türen ihrer Wohnhäuser weit geöffnet und ihre Wohnungen zu Stätten der Gastfreundschaft und Nächstenliebe gemacht. Ja, im Schmelzofen der ägyptischen Bedrängnis wurde Israels Herz zu jener Weichheit und Empfänglichkeit gebracht, die es ihm ermöglichte, zum klassischen Volke der Barmherzigkeit und Menschenliebe zu werden. „Sei eingedenk, daß du einst ein Knecht gewesen im Lande M i z r a j i m."" Dieses Wort hatte sich tief in die Seele Israels eindu unsere Väter aus dem Lande der Knechtschaft herausgeführt hast, und nun hilf uns weiter. Dann speisten wir, und während dessen kratztet es an der Tür. es war ein Hund, der sich in der Nachbarschaft herumtreibt und, weil er sehr häßlich ist, von allen nur Schläge und niemals einen Bissen bekommt. Das Tier dauerte uns, denn es fror und1 winselte. Mein Weib rief ihn herein und wir gaben ihm von unserem Essen. Dann betteten wir ihn ein Lager dort in der Ecke. Da schläft er noch.*' Also erzählte Chajjim, der Fuhrmann, dem vornehmsten Mann der Stadt. Anmerkung: Diese Geschichte hörte ich oftmals als Kind von meinem Großvater Israel', der sie zu jedem Sederabend nicht ohne eine gewisse Selbstironie zu erzählen pflegte. Er nannte dabei stets den Namen eines Bürgers seiner Vaterstadt Wybranowka (unweit Lemberg), während der Name des Fuhrmanns jedesmal variierte. Später hörte ich die Geschichte aus Brody erzählen und der vornehme, gelehrte Mann war der als große rabbiniische Kapazität bekannte R. Ephraim Salomon Margulies. Auch einige nachgemachte chassidische Varianten sind bekannt. — Mit dieser Legende verwandt ist eine andere, worin einer der „sechsunddreißig Gerechten" die Rolle des armen Mannes spielt. * .. * Zum Baal-Schern kam einmal nach dem Pessachfeiertagen ein Branntweinschenker und unterbreitete ihm eine sehr herbe und schwierige Schaalah: er war vor Pessach krank gewesen und hatte darüber vergessen, wie das Religionsgesetz es strenge vorschreibt, eine große Anzahl von vollen Branntweinfässern rechtlich durch Kaufvertrag einem Christen ins Eigen-