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Die Wahrheit · 1929-04-19 · Heft 16 (19.4.1929) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 16 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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§ej{e iq fiiiiiiHiiHiiiunmiwiimmmnimnBn AiimnHniiiiiHiiHHiimiiwmiiuniiHiuinmutiiiinHiiiiHni Kaufet m tow* p* kaufet die In Qualität und Geschmack unübertroffenen, weltberühmten Palästina pNonoih Die Herstellung erfolgt — wovon sich Sr. Ehrw. Rabbiner Schenk (Raw der „Talmud Thora") persönlich überzeugt hat — unter streng ritueller Aufsicht Sr. Ehrw. HerrnRabbiner Josef Chalm Sornenfeld, Jerusalem, und des „Chief-Rabbi1* von Erez Israel, Sr. Ehrw. Herrn A. I. Koek, Jerusalem Generalrepräsentanz für ganz Oesterreichs Nathan Brodetzki, Wien II., &32rs%$M FILIALEN: M. Wildmann, I. Bäckerstraße 16 M. Spiegel, III. RadelzkyslraBe 4 Jakob weiß, II. Untere Augartenstraße 25 Sabine Binder, IX. Hahngasse 33 S. Schneider, II. Miesbachgasse 12 Max Silbe rberg, IX. Rolenlöwengasse 8 II. Novaragasse 12 Ignaz Finkelstein, XX. Klosterneuburgerslr. 9 David Raab, II. Schiffamisgasse 7 M. Luwisch, XX. Hannovergasse 90 ._Jakob Wassermann. XX, .WallenstelnstraBe 58___ *******B^***B^KI*B*naKBBB**Bmi*mmammmmaMmmmMmmmmmammmmmmmmmm machte keinen konfessionellen Unterschied zwischen Kranken und auch keinen zwischen — Aerzten. Das letztere mag sich wirklich nur der unbedeutende nichtjüdische — Arzt gestatten, mag er wie immer heißen. * * * Man darf Herrn Dr. Steidle nicht das Zeugnis versagen, daß er den „Heimatschutz" nicht zur höchsten Gefährdung der Juden ausbilden will. Er will den Antisemitismus nicht gerade als das erste, heiligste, unantastbare Gebot jedem Heimatschützler dekretieren. Herr Dr. Pfrimer, sein Kollege in der Führung der Heimwehrleute, der als Advokat in Judenb u r g wirkt, geht schon etwas weiter. Er will den ganzen österreichischen Staat überhaupt zu der lediglich im Interesse der Juden bestehenden — Judenburg stempeln, die daher umgehend gestürmt und niedergerissen werden sollte. Die Rede Dr. Steidles fand geteilte Aufnahme. Herr Dr. Pfrimer machte aber selbst bei seinen nächsten Freunden den Eindruck, als ob er ein wenig aus dem — Häuschen sei. Ist das der Weg, der in das Abgeordnetenhaus führt, oder in ein anderes? * * * Der Tod Moritz Scharfs, des einstigen Kronzeugen im Tisza-Eszlarer Ritualmordprozeß, hat die Erinnerung an ein furchtbares Kapitel in der Geschichte der Juden der Neuzeit geweckt. Die angeklagten Juden wurden zwar schließlich freigesprochen, aber unerschütterlich bleibt die Tatsache, daß die von Bosheit und Wahnwitz genährte Lüge, die Juden brauchten Christenblut zu ihren Ostern, selbst in den weitesten Kreisen der ungarischen Intelligenz Glauben gefunden hatte. Unerschütterlich feststeht ferner, daß die Anklage auf die Aussage eines vierzehnjährigen Knaben aufgebaut wurde, der durch ein Schlüsselloch gesehen haben wollte, wie Juden, darunter auch sein Vater, Esther Solymosi im Bethause abschlachteten. Dies wurde im Gerichtssaale von dem vierzehnjährigen Kronzeugen in einem Kurialstile vorgetragen, der normal denkende Menschen sofort hätte überzeugen müssen, daß er dem Knaben, der bis dahin nur im jüdischen Jargon gesprochen, im Gefängnis — einstudiert worden war. Es ist wohl traurig, daß ein Sohn sich selbst durch mörderische Drohungen zu dieser Anklage gegen den eigenen Vater hatte, pressen, lassen. Aber gibt es einen Milderungsgrund für die tückischen Anstifter, die kein Verbrechen scheuten, weil es galt, Juden zu verderben? Moritz Scharf hat später sein ganzes Leben lang die schmerzlichste Reue über seine Verirrung bekundet. Niemand darf seinem Andenken fluchen. Aber was soll man von den Ritualmordhetzern sagen, die auch heute durch die Aufwärmung der verlogensten Verleumdungen den Haß gegen die Juden schüren? * . * * Die ungarischen Rassenschützler haben in der ihrer allein würdigen Weise, nämlich durch ein wüstes Geschimpf der Empörung darüber Ausdruck gegeben, daß eine ungarische Jüdin auch den Preis als europäische Schönheitskönigin erhielt. Kein Zweifel, diesen Herren hätte es wenigstens eine kleine Genugtuung geboten, gelegentlich des Sieges, den eine Jüdin bei dem kürzlich stattgefundenen Damen-Floretturnier in Budapest über alle Mitbewerberinnen errang, ihren Gedanken in ähnlicher Weise ihren Lauf gewähren zu lassen. Aber auch das war ihnen nicht gegönnt. Die deutsche Jüdin, Fräulein Helene Mayer (Offenbach), die in allen Kämpfen mit großer Ueberlegenheit den Sieg um den von Nikolaus v. Horthy gespendeten G o 1 d p o k a 1 errungen, hat — wie dies die Sitte gebot — auch den Preis direkt aus den Händen Horthys empfangen. Das schloß den echten Rassenschützlern den Mund. Sie mußten schweigend diesen — Kelch an sich vorübergehen lassen. * * * Im „Neuen Wiener Journal" war dieser Tage ein interessanter Beitrag zur Charakteristik des Abgeordneten Paul Sandor zu lesen. Als bezeichnend für das Ansehen, das dieser auf sein Judentum stolze, mutige Vertreter seiner Glaubensgenossen selbst in dem antisemitischen Ungarn genießt, wird unter anderem erzählt, wie einmal im Parlament der Führer der Rassenschützler Paul Gömbös zu ihm sagte: „Ja, wenn alle Juden wie du wären!" Die Antwort Paul Sandors ist nicht mitgeteilt. Moses Mendelssohn, zu dem auch vor mehr als hundert Jahren ein wegen Judenfeindlichkeit bekannter Professor herablassend bemerkte: „Ach wenn doch alle Juden wie Moses Mendelssohn wären!", gab ihm die scharfe Antwort: „Warum sagen Sie nicht lieber, wenn alle Ihre Gesinnungsgenossen wie ich wären?" Herr Julius Gömbös hätte aber noch eine beißendere Zurückweisung verdient.. Ego.

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