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Die Wahrheit · 1929-04-19 · Heft 16 (19.4.1929) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 16 (19.4.1929)
Date
1929-04-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 lUBlifiiflnfifri DIE WAHRHEIT KAUF UND VERKAUF VON REALITÄTEN* JEDER ART SOWIE ÜBERNAHME VON HAUSVERWALTUNGEN DURCH ARCHITEKT HERn/lNN EBENSP/INQER WIEN IX, LATSCHKAGASSE 4 / TEL. A16-S-15 zionistischen, die zwei Vertreter — nämlich Dr. Rudolf Glanz und Mendel Singer — in den Kultusvorstand entsandte. Dort „wirken" diese beiden Herren in Vertretung einer Partei, die — man kann es mit ruhigem Gewissen sagen — nur der nunmehr auch im „werktätigen" Lager bedauerten Koalition ihre Mandate verdanken, bei einer selbständigen Kandidatur aber angesichts des geringen Anhanges, den sie in der Wiener Judenschaft besitzen, mit Glanz durchgeflogen wären. Man geht nicht fehl in der Annahme, daß diese beiden Poale-Zionisten es vornehmlich sind, die die in letzter Zeit allzu augenfällig in Erscheinung getretene Liierung zwischen Zionisten und „Werktätigen" im Kultusvorstand bewirkt haben. Deshalb war man auch neugierig, welcher Fraktion der Nachfolger des antinationalen Direktors Adolf Reich angehören würde. In der ersten Budgetsitzung erfuhr man nun zum größten Erstaunen, daß ein — Poale^ Zionist an seine Stelle entsendet wurde. Dadurch ergibt sich eine Kräfteverschiebung zugunsten der nationalen Richtung im Kultusvorstand, die bei der allgemeinen Situation in demselben nicht belanglos erscheint. Denn — sagen wir es rund heraus — die Zionisten gewinnen hier einen, wenn auch nicht parteimäßig eingeschriebenen Mitläufer. Ueber die dieser Nominierung hinter den Kulissen vorangegangenen Ereignisse hört man ganz erstaunliche Dinge. Im Zehnerkomitee, das ist die höchste Exekutive der „Werktätigen Juden", in der beide Richtungen paritätisch vertreten sind, erhielt der von den Nichtnationalen aufgestellte Kandidat sieben Stimmen, der nunmehr in den Kultusvorstand berufene Poale-Zionist nur drei Stimmen. Dennoch erklärte der Führer dieser Fraktion, sich an diese Abmachung nicht zu halten, da für seinen Parteimann das formale Recht — er ist nämlich der Nächste auf der offiziellen Parteiliste — spricht. An dieses formale Recht mußte sich selbstverständlich auch der Kultusvorstand bei der Einberufung des Nachfolgers für Direktor Reich halten, und so liegt hier ein eklatanter Bruch der Parteidisziplin vor, auf die sich ja sonst gerade die Sozialdemokraten so viel zugute tun. Der Konflikt bei den „Werktätigen Juden" hat, rascher als man es erwartete, greifbare Formen angenommen. In der Budgetsitzung am 15. d. M. kam es zu ernsten Zusammenstößen zwischen den Vertretern der beiden Anschauungen, die wie eine Sensation anmuteten. Der Anlaß des Konfliktes wird in unserem Budgetbericht eingehend geschildert, die Art aber, wie er sich auswirkte, war geradezu köstlich. Was da Herr Dr. Rudolf Glanz von seinem Klubobmann Gustav Moritz, der diese Funktion noch immer innehat, obwohl seine Richtung im Klub jetzt nur die Minderheit besitzt, zu hören bekam, geht auf keine Kuhhaut. Dr. Glanz hat danach „das Glück, sich einer starken Stirn zu erfreuen", er kann höchstens „im Namen seiner jüngsten heißgeliebten Akquisition" (gemeint ist der neue poalezionistische Kultusvorsteher) Erklärungen abgeben. In dieser Tonart ging es weiter, sehr zum Gaudium der gegnerischen Parteien, denen Herr Moritz sicher noch vor kurzem mit Entschiedenheit entgegengetreten wäre, wenn sie ähnlich abfällig wie er über seinen Klubkollegen Dr. Glanz gesprochen hätten. Und auch „einer der glänzendsten Repräsentanten der »Wahrheit"*, der im Sitzungssaale anwesend war und dem Herr Moritz die Ehre dieser Apostrophierung zuteil werden ließ, hat sich voll Genugtuung ins Fäustchen gelacht, denn unser Blatt hat die „Werktätigen" immer vor der ihnen jetzt so unangenehmen poale-zionistischen Genossenschaft gewarnt. Vielleicht ziehen diese jetzt aus dem merkwürdigen Verhalten ihrer „Freunde" die Lehre, wie unangebracht für sie diese poale-zionistische Bundesgenossenschaft ist und wie sehr sie durch dieselbe den Willen ihrer Wähler verfälscht haben. Sie haben dadurch auch mitgeholfen, den Einfluß der nationalen Anschauung im Wiener Kultusvorstande zu verstärken, und dafür wird ihnen die Wiener Judenschaft kaum Dank wissen. „ Wirtsvölker"-Wissenschaft. Ein Beitrag zur völkerpsychologischen Rassenkunde. Von B. W. S e g e 1. (Schluü.) England dagegen war seit 1290, bis auf Cromwell, völlig judenrein. Gegen Ende des Krieges gab es in ganz Großbritannien unter 50 Millionen Einwohnern 238.000 Juden, von denen mehr als zwei Drittel erst seit dreißig oder vierzig Jahren eingewandert waren, ganz für sich lebten und gar keinen Einfluß auf die Engländer hatten. England hatte also während des Krieges noch nicht halb so viel Juden wie Deutschland mit seinen 65 Millionen Einwohnern. Nur eine kleine Auslese von jüdischen Familien, die sich, bei allem strengen Festhalten an der jüdischen Religion, sozial und kulturell mit den exklusiven Briten längst verschmolzen haben, besitzen in der Gesellschaft gleichen Rang und Ansehen. Fast genau dasselbe gilt von Frankreich. Dieses Land war seit 1394 bis auf Ludwig XIV. völlig judenrein. Dann hatte Frankreich die Juden im Elsaß und Lothringen, die aber außer jeder Verbindung mit den Franzosen im wirklichen Frankreich standen. Die ungefähr 90.000 Juden, die zu Beginn des Krieges in ganz Frankreich lebten, bildeten noch nicht ein Viertelprozent der Bevölkerung, ungefähr die Hälfte davon war in den letzten fünfzig Jahren eingewandert. In ganz Frankreich gab es drei oder vier größere Judengemeinden. Rußland hat bis zur ersten Teilung Polens überhaupt nur an seinen Grenzen versprengte jüdische Gruppen gehabt. Ais im Jahre 1549 Abgesandte des Polenkönigs Sigismund August von Iwan dem Schrecklichen Handelsfreiheit für die litauischen Juden im moskowitischen Reiche forderten, erwiderte er: „Diesen Menschen soll ich Zutritt zu mei-

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