Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 16 (19.4.1929)
- Date
- 1929-04-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Die weltberühmten und bevorzugtesten amerikanischen Manischewitz-Mazzos _J Farvel Grieß roxö-ptMw:Kö sind bereits eingetroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Eine Spezialität sind die neu eingelangten Mazzoih Crackers, eine besondere Freude für die Kinder Manisdiewifz Plazzos - ¥eririeb Wien iL, ragbodigasse 24 (NordlNiIinsflraAe 38) Telephon Nr. R 25-9-32 und R 48-0-82 Filiale: ig. rrosi, iL, natdgasse 9 Telephon Nr. \ 4i-8-§4 Inflation entwertet worden, dagegen besteht aber noch immer die in den Stiftungsbriefen festgelegte Verpflichtung der Gemeinde, bei diesen Betten, in denen zahlende wie nichtzahlende Kranken liegen, Erinnerungstafel an die Stifter anzubringen. Wenn Mendel Singer noch zart angedeutete Vorwürfe gegen gewisse Personen des Kultusvorstandes erhoben hat, weil ii'n ihren Betrieben angeblich keine Juden beschäftigt werden, so vergißt er hierbei, abgesehen von der Unstichhältigkeit solcher Anwürfe, an die ihm doch so nahestehende obligatorische Arbeitsvermittlung, die den Betrieben Arbeiter ohne Unterschied der Konfession nach bestimmten Prinzipien zuweist. Bezirksrat Wilhelm Hiirschfeld erklärte vorweg, daß Mendel Singer nur seine persönlichen Ansichten geäußert habe und l'icht im Namen des Gesamtklubs der werjitätigen Juden spreche. So sehr der Redner mit ganzem Herzen am Palästinaaufbau hänge, so könne er bei dem großen Elend in Wien es für seine Person und die seines Kollegen Gustav Moritz nicht rechtfertigen, daß für Palästina em solch hoher Betrag gewidmet werde, mit dem man in Wien dringende produktive Fürsorge leisten könne. Er zeigte diese Möglichkeit an einzelnen krassen Elendsfällen auf und erklärte für seine Person und die seines Klubkollegen Moritz, daß sie lediglich in Anbetracht der trostlosen wirtschaftlichen Umstände im jetzigen Zeitpunkte gegen eine Subvention für Palästina stimmen würden. Hatte schon diese Erklärung einige Sensation hervorgerufen, so steigerte sich dieselbe, als Dr. Rudolf Glanz, der feststellte, daß der Klub der werktätigen Juden mit Mehrheit eine Befürwortung der Palästinasubvention beschlossen habe, von dem Klubobmann Gustav Moritz in energischer Weise desavouiert wurde, der Herrn Dr. Glanz das Recht absprach, Erklärungen namens des Klubs abzugeben. (Auf diesen interessanten Konflikt in den Reihen der werktätigen Juden kommen wir an anderer Stelle zuriiek.) Auch Herr Moritz wies statistisch nach, welch großes Elend jetzt unter der Wiener jüdischen Bevölkerung vorherrscht, eine Tatsache, die ihn und seinen Kollegen Hirschfeld veranlasse, heuer gegen eine Subvention zu stimmen. Die weiteren Ausführungen dieses Redners beschäftigten sich ebenfalls allzusehr mit der angeblichen Indolenz unserer reichen Glaubensgenossen, welche Vorwürfe, als Herr Moritz sogar Namen nannte, vom Präsidenten energisch zurückgewiesen wurden. Auch die Mitteilungen über angebliche Mißstände bei den Vertrauensmännerwahlen in der Kultusgemeinde — Herr Moritz verstieg sich in diesem Zusammenhang zu der Behauptung „Beamtensatrapie" — wurde zurückgewiesen, und zwar wies Herr Regierungsrat Guido Fuchsgelb an Hand des Regulativs der Beamtenschaft, das konform dem Regulativ der Beamten der Stadt Wien entworfen ist, nach, daß die Mitteilungen über irreguläre Vertrauensmännerwahlen vollständig erfunden sind, und auch Präsident Prof. Doktor Alois Pick stellte fest, daß von einer Beamtensatrapie nicht die Rede sein könne. Nachdem noch Herr Dr. Jakob Ehrlich versucht hatte, die wirtschaftlichen Argumente des Herrn Hirschfeld bei seiner Ablehnung der Palästinasubventibn zu entkräftigen, und Herr Wolf Pappenheim erklärt hatte, daß er auch heuer wegen der antireligiösen Tendenz des Keren Hajessod gegen eine Subventionierung desselben stimmen würde, im übrigen aber selbst eine Untersuchung der Singerschen Mitteilungen bezüglich des Keren Hajischuw verlange, wurde die Sitzung auf Montag, den 22. d. M,.. vertagt. Unangenehme Genossen. Der Tod des „werktätigen" Kuitusvorstehers Direktors Adolf Reich hat nicht nur in dien Kreisen seiner Partei größtes Bedauern ausgelöst, sondern allgemein war die Teilnahme, de das Hinscheiden diesies wahrhaft sozial »empfindenden Mannes auslöste. Politisch gehörte er der nicht-nationalen Fraktion der „Werktätigen" an, die außer von ihm noch von den Kultusvorstehera Gustav Moritz und Bezirksrat Wilhelm Hir st'Ilfeld vertreten wurde. Die Richtung ist bekanntiu; h koaliert mit der poale-