Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1929-04-12 · Heft 15 (12.4.1929) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1929
Issue
Heft 15 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3064197-3064212--17100-3087190
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

fiii^^ DIE WAHRHEIT Kunst und Literatur Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hat am 8. d. M. Herr Finanzrat Dr. James Herbert über „Die Juden Prags" gesprochen. Nach Angabe der wichtigsten historischen Quellen bot der Vortragende einen kurzen Ueberblick über die Einwanderung und dpe im Verhältnis recht günstig verlaufende Geschichte der Juden in Böhmen. Zutreffend wurde u. a. Karls IV. „Juden-Regal" ein Gesetz, um die Juden zu erhalten und auszunützen, genannt; es wurden die prominentesten Prager Persönlichkeiten, wie Bassevi, Meisel. Rabb. Low kurz gewürdigt, des Näheren die Judenfeindb'chkeit Maria Theresias motiviert mit der angeblichen Preußenfreundlichkeit unserer böhmischen Glaubensgenossen, der Ausweisungsbefehl vom Dezember 1744 und seine Aufhebung 1748. Verwandtschaftliche Beziehungen veranlaßten den Redner, näher auf dre ungewöhnliche Stellung der ..Primatoren", der Vertreter der böhmischen Judenschaft vor dem Kaiser, einzugehen, welcher der verdienstvolle Präsident Prof. Dr. S. Kr*uß eine lehrreiche Schrift gewidmet hat. Eine höchst launige Erzählung vom Juden Pmkas und seinem Gönner bewies, wie viel Unterhaltung und Belehrung aus den ,.Siopurim'\ dem Sagen- und Geschichtenkreis der böhmischen Juden, zu schöpfen ist. Alles in allem ein genußreicher, anregender Vertrag, an dem sich eine kleine Diskussion anschloß. Med.-Rat Dr. H. H a a s e. Der Verein Jüdisches Museum E. V. zu Breslau hatte im Anschluß an seine so viel beachtete Ausstellung „Das Judentum in der Geschichte Schlesiens" Vertreter der jüdischen Museumsvereine Deutschlands. Polens, Oesterreichs und der Tschechoslowakei, sowie des Gesamtarchives der deutschen Juden und der jüdischen Gemeinde in Berlin eingeladen zwecks Zusammenschlusses zu einer losen Vereinigung auf dem Gebiete jüdischen Sammelwesens. Dieser Einladung waren Delegierte aus Kassel, Mainz, Berlin, Wien, Prag, Warschau, München, Frankfurt a. M. gefolgt. Die Tagung begann mit einer Führung durch die genannte Ausstellung. Danach fand ein Vertrag von Dr. Hallo, Kassel, über ..Jüdische Handwerker und jüdische Künstler" statt, der im besonderen darauf hinwies, daß das Kunstgewerbe und die Kunst der Juden in vergangenen Jahrhunderten immer im engsten Anschluß zur Kunst ihrer eigenen Zeit gearbeitet hatte. Die eigentliche Arbeitstagung fand in den Räumen des Gemeindehauses statt, die als wesentlichsten Punkt der Tagesordnung eben die Frage der Errichtung einer losen Vereinigung der jüdischen Museen und ähnlicher Sammlungen aufwies. Man war sich im Prinzip über die Notwendigkeit einig, und nach eingehender Aussprache über die Frage, wie weit man in der Einbeziehung der Archive und Bibliotheken gehen sollte, kam man zu dem Ergebnis, eine „Arbeitsgemeinschaft für Sammlungen jüdischer Kunst und Altertümer" zu bilden. In ihr soll Breslau zunächst auf ein Jahr den Vorort bilden und in der Geschäftsführung durch die Herren Professor Dr. Bronner, Wien, Dr. Hallo, Kassel, Dr. Karl Schwärtz, Berilin, unterstützt werden. Der Ausschuß wird sich nun zunächst mit der Frage der Abgrenzung des Sammelgebietes für Bibliotheken und Sammlungen, ferner mit der Frage, ob die Sammlungen kulturhistorisch-ethnographisch oder kunsthistorischer Art sein sollen, zu befassen haben. Schließlich wird auch die Frage zu prüfen sein, inwieweit die einzelnen Museumsvereine, die sich ja in erfreulicher Anzahl immer weiter bilden, ihr Sammelgebiet auch landschaftlich abgrenzen müssen. Die nächste Tagung soll 1930 in Berlin, die übernächste 1931 vor-?»ssichtlich in Mainz stattfinden. Professor Meier B a I a b a n, Warschau, gab dann noch d>'e mit sehr großer Zustimmung aufgenommene Anregung, die Städte iüdischen Volkstums im Osten, die heute noch durchaus den mittelalterlichen Charakter bewahrt haben, auf Exkursionen aufzusuchen. Den Teilnehmern an der Tagung wurden eine Reihe wissenschaftlicher U EDUABO HERLUffGEBS Wa CAFE CARLTHEATER (Sitz des österr. Kantorenverbandes) WIEN II., PRATERSTRASSE NR. 29 Während der Pessachfeiertage Kaffee und erst- _ klassige Getränke ^bö sehe] Pessach EDERABENDE. Am 24. und 25. April werden Im Restaurant Salomon Grüner Wien II., Zirkusgasse 30, (Telephon R 43-1-60) Sederabende abgehalten. Reichhaltiges Festmahl. Anmeldungen rechtzeitig erbeten. Arbeiten überreicht, die von der geistigen Arbeit auf diesem Gebiete beredtes Zeugnis geben. Zweifellos wird die neue Arbeitsgemeinschaft ein starkes Mittel zur Bereicherung des jüdischen Lebens darstellen und auch manches geistige Band über die Grenzen Deutschlands hinaus knüpfen. Dr. Willy Cohn, Breslau. Die Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums eröffnet ihren neuen Jahrgang mit einem höchst anziehenden kurzen Aufsatz von A. Lewkowitz über „Lessings Religion", der den Dichter als den Vertreter eines religiösen Individualismus darstellt und die dauernde Bedeutung wie die zeitliche Gebundenheit seines Standpunktes betont. Von großem allgemeinem Interesse sind ferner die Untersuchungen von Julius Rotholz über die Zunahme der iüdischen Einwohner in den Vorortegemeinden Groß-Berlins: überraschend wirkt hier die Feststellung, daß das zahlenmäßige Verhältnis der Geschlechter zu einander in den verschiedenen Konfessionen Unterschiede aufweist, die Rotholz in durchaus einleuchtender Weise zu erklären sucht, wie überhaupt das trockene Material geistvoll verwertet wird und insbesondere aus Feststellungen über die Wohnungsnot sozialethische Forderungen abgeleitet werden. Der scharfsinnige Bericht Ch. Ahlbecks über neuere Mischnaliteratur ist namentlich deswegen von Bedeutung, weil er an einem nichtjüdischen Kommentar zu den Sprüchen der Väter sachkundig veranschaulicht, wie sehr die Befangenheit selbst die schönsten Perlen unseres Schrifttums herabzusetzen sucht. Außer diesen Aufsätzen finden sich wertvolle fachwissenschaftliche Untersuchungen, wie ein Beitrag zur Erdkunde Palästinas und eine Studie über das Leben eines jüdischen Arztes im 18. Jahrhundert. Zahlreiche Besprechungen sind dem Hefte beigegeben. Man abonniert die Monatsschrift, indem mnn Mitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in Berlin wird und den jährlichen Mindestbeitrag von 10 Mark an diese Gesellschaft (Postscheckkonto Paul Veit Simon, Berlin 7030) •oder an einen der Vertrauensmänner sendet, welche in jedem Heft der Monatsschrift aufgezählt sind. H. Scholz, Die Dörfler. Bergstadtve.rlag W. G. Korn, Breslau Abgesehen von dem warmen Heirnatsgetühl. das ieden Schlesier. wenn er das schlesische Gebirge kennt, beim Lesen dieser Schilderung durchströmt, die den Stempel der Wahrheit an der Stirn tragen, wird jeder Folklorist aus ihnen manchen Nutzen ziehen. Die Bezeichnung „Flamender" erinnert an die gleiche Bezeichnung der Zigeuner in Spanien und der in Hamburg eingewanderten portugiesischen Juden. Wichtig ist die Erzählung vom Wassermann und dem Bären, die sich in nordischen Märchen wiederfindet. Neben „Bikesch" und „Druschma" (der ostjüdische Marschalik, Oberschlesien kennt such einen „Druschba") werden sich wohl noch andere nolnische Reminiszenzen finden. Die Geschichte vom Knecht, der beim Belauschen des Viehs sein Leben einbüßt, fällt in den Märchentypus „Belauschen von Dämonen". Die Prüfung der Brautleute war einst auch für die österreichischen Juden Vorschrift. Der Spruch ..Da hast du das Deine" usw. ist eine bekannte Schutzbescbwörung. Aus meiner Erinnerung an das Riesengebirge kann ich hinzufügen (beim Eintritt eines Schneiders): „Was hat denn der Berg gespeist, daß er lauter Schneider sch....." Q. Wolf gang von Weisl: ..Zwischen dem Teufel und dem Roten Meer." Fahrten und Abenteuer in Westarabien. Mit 66 Abbildungen und zwei Karten. Geb. Mk. 8.50, Ganzleinen Mk. 10.—. F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig. Wolfgang von Weisl, der Orientberichterstatter der „Neuen Freien Presse", ist uns kein Fremder mehr. Hat schon sein früher erschienenes Buch: „Der Kampf um das Heilige Land", sowie seine journalistische Tätigkeit, wenn dieselbe in ihrer Gesamtheit auch von unserem Standpunkt nicht unwidersprochen bleiben soll, Proben einer starken Begabung aufgezeigt, so ist auch dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite fesselnd und hochinteressant. Fesselnd durch den flüssigen Stil, die lebendige Schilderung und vor allem die große Vertrautheit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.