Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 15 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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lilUlKlUiuimiuiHiuiiuuiuiwniiiuiMMwauuuManiiaiwiuiuiui Seite 15 chenstaates zum Anlaß eines scharfen Angriffes gegen Mussolini und die katholische Kirche. In dem Aufsatz heißt es unter anderem: „Die Gründung des Kirchenstaates bildet den Schlußpunkt hinter einer faschistischen Politik, über die wir uns niemals im unklaren gewesen sind. Von vornherein hat Mussolini sich den Juden unterworfen, deren ausgesprochener Beschützer er von jeher war. Als Mitarbeiterin und Biographin nahm er sich eine Jüdin. Seine Minister sind zum Teil Juden, ja sogar die militärseben Führer der faschistischen Miliz sind es heute noch zum nicht geringen Teil. Die Verbreitung der „Weisen von Zion" verbot er, und als das Buch in italienischer Uebersetzung erschien, ließ <er es einstampfen und den Uebersetzer ins Irrenhaus werfen, wie der deutsche Jude Dr. Viktor Goldschmidt veröffentlicht hat. Wir haben Mussolini in Nr. 50, 1928, der „D. W." aufgefordert, di'ese Nachricht zu dementieren, er hat geschwiegen, also ist diese Nachricht wahr. Und für diesen Judenfreund schwärmen völkische Deutsche! Er ist ein Freund der Freimaurerei, ja selbst Freimaurer, auch wenn es Völkische nicht glauben wollen, weil es nicht in ihre mussolinifreundliche Politik hineinpaßt . . . Ueber ihn führte Br. Ehrig aus der Loge „Archimedes zum ewigen Bunde" am 3. Aprl 1928 aus: „Auch Mussolini hat seine Stellung der Freimaurerei zu verdanken." . . . Nun hat Mussolfni sich auch der dritten überstaatlichen Macht Rom unterworfen: damit hat nicht Mussolini, sondern Rom einen Si'eg errungen, den es nach jesuitischer Art ausnutzen wird, sobald es die Zeit dazu gekommen sieht. So wird auch diese Unterwerfung des faschistischen Diktators unter Roms Machtwillen, die heute noch als glänzender Erfolg Mussolinis in die Welt hmausgeschrien wird, für diesen eines Tages in das Gegenteil umschlagen. „Wer vom Papst ißt, der stirbt daran." Wer den Wunsch hat, die konfessionellen Gegensätze aus^gleichen und Frieden und Freundschaft unter den verschiedenen Bekenntnissen zu verbreiten, wird derartige Vorgänge auf das schärfste bedauern. Ueber die judenfeindlichen Bemerkungen Wolfen wir nichts sagen. Wir kennen si'e. Gegen den Antisemitismus. Otto H ö r s i n g der ehemalige Oberpräsident von Magdeburg, der Gründer und Vorsitzende des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold", ruft in der Zeitschrift „Das Reichsbanner" unter dem Signal „Kampf den Staatszerstörern!" energisch zur Abwehr des Antisemitismus auf. Er schreibt: „Im- PALÄSTINA - WEINE sowie feinster Tischwein, Dessertwein und Sliwowitz noe b& preiswert zu haben im altrenommierten STADTGUTKELLER, KAWE, WIEN IL, Große Stadtgutgasse 36 — Telephon R 29-7-34 Samstag geschlossen! mer mehr gewinnt es den Anschein, als ob wieder eine antisemitische Welle über Deutschland dahingehen solle. Zwar von dem deutschvölkischem Kreise um Wulle ist wenig zu spüren. Dafür aber entfalten die Nationalsozialisten, die radikalste Spielart des Antisemitismus, eine fieberhafte Tätigkeit und haben — leider muß es zugestanden werden — nicht unwesentliche Gewinne an Mitgliedern zu verzeichnen. Vor mir liegt eine ziemlich umfangreiche Mappe von MitteEungen aus den verschiedensten Teilen des Reiches, die fast ohne Ausnahme von einer erfolgreichen Propagandatätigkeit der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei berichten. — Schon Bebel sagte: „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der Dummen." Bedauerlich ist nur. daß diese Dummheit verzweifelter Menseben zu einer Gefahr für die deutsche Entwicklung geworden ist. Denn sie gibt Leuten Macht und Einfluß, die nicht davor zurückscheuen, an die niedrigsten Pöbeiinstinkte im Menschen zu appellieren und einen brutalen Terror auszuüben . . . Wir haben es schon zu häufig erlebt, daß die Nationalsozialisten über friedliche Straßenpassanten, die sie für Juden hielten, hergefallen sind und sie niedergeschlagen haben. Man denke nur an Berlin, Bremen und Hannover! Und ist es nicht eine Schande für das ganze deutsche Volk, daß infolge dieser antisemitischen Hetze 69 jüdische Friedhöfe geschändet worden sind? Man greife also endlich mit allen Mitteln durch, wenn der Staat keinen Schaden nehmen soll . . . Will es der Staat noch länger dulden, daß, wie im Wiesbadener Bezirk, m Hessen und an anderen Stellen, Beamte und Lehrer die Führer dieser staatsfeindlichen Bewegung sind?" Der Aufruf Hörsings schließt mit der Versicherung, daß sich das „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold" mit aller Kraft denen entgegenwerfen will, „die neues Unheil über Deutschland bringen möchten, die wieder mit Knüppel und Revolver den inneren Frieden bedrohen und vor dem Aeußersten nicht zurückschrecken." Hohe englische Auszeichnung für einen Juden. Der König von England hat das Mitglied des Unterhauses Samuel Samuel, einen Bruder des verstorbenen Lord S w a y t h 1 i n g, zum Offizier des Ordens St. John von Jerusalem ernannt. Herr Samuel Samuel betätigt sich auch in der jüdischen sozialen Fürsorge hervorragend und ist Vorsitzender des Komitees der jüdischen Volksküche. „Karmel - Original" (Friedmann, Petach Tikwah) i und andere edle Sorten Wein Feierliche Seder-Abende Anmeldungen erwünscht: Restanratton „WlCBC*" Ii., Obere Donansfrafie Ol - Tel. P 49-1-75 Elnzeleiemularc der „Watirlietr sind in der Großtrafik Lloydhof, Wien IL, Praterstraße 11. erhältlich. Sie fühlen sich wie zu Hause heim Seder im bestrenommierten streng Restaurant und Hotel A BABSCHAK Wien 11., Grooe Scnilffiosse 3 - Tel. R 40-1-39 Sederanmeldungen werden schriftlich und telephonisch entgegengenommen. 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