Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1929
- Issue
- Heft 15 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT ««^«™BB^"^(,,W, hmiwMuas Seite 13 faßt, was bei uns leider noch immer nicht der Fall ist, wie Dr. Ornstein an Beispielen des Alltags aufzeigte. Dr. Arthur Bondi, der für seine interessanten Ausführungen reichen Beifall erntete, beantwortete noch einige Spezialfragen, die aus dem Kreise der zahlreichen Zuhörer an ihn gestellt wurden, in aufklärender Weise. Die Ortsgruppe Leopoldstadt der „Union" veranstaltete am 3. d. M. im Cafe Central, IL, Taborstraße 8, unter Vorsitz des Herrn Oskar Tone 11 o ihren ersten Diskussionsabend, der bei großer Beteiligung einen sehr anregenden Verlauf nahm. In der durch Herrn Reg.-Kat Dr. Max Lenk eingeleiteten Diskussion über die Ziele der „Union" sprachen die Herren Med.-Rat Dr. Heinrich-H aase, Chefredakteur Ludwig Hirschfeld, Dr. Karl Steiner, Dr. Ernst F e 1 d s b e r g, Präsident Dr. Jakob Ornstein und Hofrat lug. Josef L ö w y. So verschieden die Auffassungen der einzelnen Redner waren, so erwies sich doch der Plan, durch freie Aussprache zur Willensbildung der „Union" beizutragen, als durchaus begrüßenswert, da auf diese Weise die Anteilnahme der Mitglieder an den Tendenzen der „Union" nur gesteigert werden kann. Die gelungene Veranstaltung war denn auch sehr gut besucht, und ihrer Fortsetzung, die auf dem 2. Sprechabend der Ortsgruppe Leopoldstadt am Mittwoch, den 17. April, %9 Uhr abends, im Cafe Centrai, IL, Taborstraße 8, stattfindet, wird mit größtem Interesse entgegengesehen. Aus einer „judenreinen" Festung. Kommt einmal ein unvorsichtiger Mitteleuropäer nach dem weltvergessenen, nur mit einer Zwergbahn erreichbaren, Ybbsitz im Waidhofnertale, dann findet er es schwarz auf weiß auf der Qemeindetafel: „Sozialdemokraten und Juden sind als Sommergäste nicht erwünscht." Also eine sittenstrenge Gemeinde. Der Sohn des Bürgermeisters dieser sittenstrengen Gemeinde wurde mit 21 (!) Jahren zum Direktor der Raiffeisenkasse des Spar- und Darlehensvereines Ybbsitz ernannt. Während seiner dreijährigen Tätigkeit räumte der junge Bursche sämtliche Kassen aus, fälschte Bücher, legte sich ein „Konto separato" an und unterschlug 24.000 Schilling, die er mit leichtlebigen Bürgerstöchtern auf kostspieligen Autotouren durchbrachte. Die Schöffenverhandlung vor dem St. Pöltner Kreisgericht unter Vorsitz des Vizepräsidenten Soos gewährte einen interessanten Einblick in die Verlogenheit dieser „judenreinen" Festung. Fazit war: Sechs Monate schweren Kerkers für das Bürgermeistersöhnchen. Aber „Juden sind unerwünscht!" WcdidwtmvomTa& Die Bedenken zezen den Palästinaaufbau. Vor kurzern hielt der Liberale Verein für die Angelegenheiten aer jüdischen üemeincle zu b e r 1 i n eine Mitgliederversammlung ab. Nach kurzen einleitenden Worten erteilte der Vorsitzende, Herr Justizrat Max Chodziesner, Herrn Landesgerichtsrat Dr. Lilienthal das Wort zu dem Vortrage „Unsere Bedenken gegen die gegenwärtige Mitarbeit am Paläs t i n a a u f b a u'\ Der Referent legte dar, daß die Bestrebungen des Zionismus, auch die Nichtzionisten für den Palästinaauibau zu gewinnen, insofern eine neue Wendung genommen hätten, als die Zionisten letzt bereit seien, die Durchführung des Palästinaaufbaues in die Hände einer aus Zionisten und iNichtzionisten zusammengesetzten Körperschaft, der Jewish Agency, zu legen. Die Frage, ob für die deutschen nichtzionistischen Juden eine Beteiligung an der Agency möglich sei, müsse ohne jede Voreingenommenheit geprüft werden. Die Mitarbeit an einer Siedlungsarbeit in Palästina könne keinesfalls grundsätzlich abgelehnt werden, da einerseits auch für die Nichtzionisten gewisse gefühlsmäßige Bindungen mit Palästina beständen, anderseits diejenigen, die als Auswanderer in Betracht kämen, selbst zum überwiegenden Teil nach Palästina zu gehen wünschten. Fern liege uns Nichtzionisten aber die Einstellung, daß die Palästinaarbeit der Mittelpunkt aller jüdischen Arbeit überhaupt sei. Für die Beurteilung der Wirkung dessen, was in Palästina geschaffen werde, könne nicht nur auf die dortigen Zustände selbst gesehen werden, von denen manches für eine dortige Siedlung spreche. Die Frage der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes müsse durch den Sachverständigenbericht als geklärt gelten und anderseits sei bei der Siedlung in Palästina vielleicht — allerdings nur vielleicht — die Ausgestaltung nach jüdischen religiösen und sozialen Idealen eher möglich, als bei der Siedlung in anderen Ländern. Sehr wichtig sei aber auch die Auswirkung der Palästinaarbeit auf die anderen Länder. Die Palästinasiedlung habe nach dem Völkerbundsmandat, das die Rechtsgrundlage für die Tätigkeit der Agency bilde, die Bestimmung, in Palästina das nationale Heim für das jüdische Volk zu scharten. Damit sei klar und deutlich gesagt, daß hier das nationale Zentrum für die Nationalisierung der Juden aller Länder geschaffen werden soll. Diese Zweckbestimmung könnten wir ehrlicherweise nicht .inerkennen, wie wir es tun würden, wenn wir in eine Agency, der durch das Völkerrecht eine solche Zweckbestimmung vorgeschrieben ist, eintreten würden. Tatsächlich würde die Siedlung in Palästina, da die Auswanderer im wesentlichen nauonal-jüdischen Kreisen entstammen werden, höchstwahrscheinlich nationalen Charakter tragen. Das allein brauchte die Mitarbeit nicht unbedingt zu verhindern. Eine solche geschlossene jüdisch-nationale Gemeinschaft würde aber den Nationalisierungsbestrebungen unter den Juden der Diaspora einen ungeahnten Auftrieb geben, so daß wir in absehbarer Zeit in dieser Richtung vor schweren Kämpfen stehen würden. Diese Entwicklung würden wir zwar durch unseren Nichteintritt in die Agency wahrscheinlich nicht verhindern können, da die Nichtzionisten in anderen wichtigeren Ländern mitmachen und die Agency so zustande kommen würde. Der Referent habe auch das Vertrauen, daß letzten Endes die den Nationalismus ablehnende Einstellung sich durchsetzen würde. Aber Voraussetzung sei, daß man sich für diesen Kampf, in dessen Mittelpunkt wahrscheinlich gerade das deutsche Judentum stehen würde, nicht schon jetzt selbst in den Rücken falle, indem man durch einen Eintritt iti die Agency bei der augenblicklichen Rechtslage selbst erklärt, das an Auswirkungen der Palästinaarbeit fördern zu wollen, was man später mit aller Kraft bekämpfen müsse. Da eine Bereitwilligkeit der Zionisten, an der Aenderung der Rechtsgrundlage der Agency mitzuwirken — und nur bei einem Zusammenwirken aller Juden bestehe eine Aussicht auf Erfolg beim Völkerbund JAC. MAYER Kleider- und Gummimäntel-Industrie Export nach allen Ländern Wien II., GlOCkengasse 24 Telephon R 48-4-79 Auch Detailverkauf zu Fabrikspreisen t Herrenanzug nach Mafi auf Seide 5 200.— Herrenraglan „ „ n „ „ 150.— Herrenhose „ „ „ „ 4«V— feinst ausgeführt Zeitgemäße Zahlungsbedingungen! Kein Kaufzwang I Freie Besichtigung!